gorgmorg

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Geneigte Leserinnen, geneigte Leser – vor nicht vielen Stunden geriet ich ein eine Situation, in der mir ein bestimmter Worthaufen auf der Zunge gerade passend vorkam, nämlich: “Donner und Doria!”

Das hatte ich lange nicht gehört, geschweige denn selbst gesagt. Früher ist das meinem Großvater1 regelmäßig über die Lippen gekommen. Manchmal auch in einer leicht abgewandelten Fassung: “Donner und Dorich” – die maskuline Variante für derbere Unerfreulichkeiten. Ah, die Erinnerungen blubberten gleich wieder an die gelassen schimmernde Oberfläche meines Geistes. Wie oft hatte er auf solche Weise glorreiche Taten meinerseits kommentiert! Das waren goldene Zeiten.

Nun, ich kann mir heute zusammenreimen, dass “Donner” etwas mit Donar zu tun haben konnte, dem bärtigen Hammerschwinger und Elektriker, den sie im Norden Thor nennen. Aber wer ist Doria? Und Dorich? Dieses Wissen darf nicht verloren gehen. Immerhin ist das kunstfertige fluchen ausgesprochen wichtig für das Überleben der Menschheit – ohne Fluch wird die Mordrate sprunghaft ansteigen und die Beichtstühle würden verstauben. Das wären ohne jeden Zweifel beklagenswerte Zustände, die wir verhindern müssen. Wir dürfen nicht die alte, gelebte und außerdem wunderschön gedrechselte Fluchkultur dem niederen Trivialschimpfen opfern!

In mir begann es zu gären und zu rumoren und es war nicht etwa eine Magenverstimmung oder Schlimmeres – es war eine Idee: Diese wunderschönen Flüche müssen gesammelt und geschützt werden. Ihr habt doch auch welche in juwelenbesetzten Eckchen eurer Erinnerungen gelagert, oder?

Das muss doch machbar sein. Himmel, Arsch und Zwirn!

  1. Ein berühmter Erfinder und Katzenhasser, von dem hier schon wiederholt die Rede war []

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Zwar hat Julia mich nicht explizit gefragt, aber das kürzlich von ihr gefundene Stöckchen fand ich dann doch interessant genug. Immerhin gibts sowas ja kaum noch. Stöckchen.

  1. Ein Lied aus deiner frühsten Kindheit:
  2. Natürlich Banana Boat von Harry Belafonte. Ich habe immer Belafonte geliebt, so wie es sich gehört. Nichts daran hat sich je geändert und ich glaube die “Greatest Hits” hängen meinen Eltern immer noch ganz fürchterlich zum Hals heraus, so oft wie ich als Kind auf ihnen bestanden habe.

  3. Ein Lied, das dich an einen Urlaub erinnert:
  4. Dancing Queen von Abba. Meine erste und einzige CVJM-Familienfreizeit nach Schweden enthielt während der Busreise Unmengen von Regen und Unmengen von Abba. Damals war das irgendwie klasse, aber ich habe seitdem auch genug Abba für die nächsten zwei Leben gehört und kann sie heute nicht mehr gut ertragen.

  5. Ein Lied, von dem du in der Öffentlichkeit nicht so gerne zugeben möchtest, dass du es eigentlich ganz gerne magst:
    Was Musik angeht, bin ich komplett schamlos. Es gibt nichts was ich meinen Freunden nicht zumuten würde. Was ich mag, müssen die einfach mitkriegen. Pure Liebe eben.
  6. Ein Lied, das du in deinem Leben vermutlich am häufigsten gehört hast:
  7. Gefühlt: Die größten Hits von Modern Talking. Vermutlich wahr: Seite “A” der MC von Bruce Springsteens Born in the USA. Meine erste selbstausgesuchte Muskkassette und erbarmungslos zuschandegehört.

  8. Ein Lied, das eine deiner liebsten Bands repräsentiert:
    Debaser von den Pixies. Da ist alles drin – merkwürdig zusammengetackerte Zitate, entfesseltes Rumschreien, wahnsinnige Refrains und totaler Garagenenthusiasmus. Großartigste Band des Planeten, Folks.
  9. Ein Lied, in dem du dich selbst wiederfindest:
    Ich glaube, das müsste … so gut wie jedes Lied sein, das ich mag. Window Shop for Love von den Wipers war so ein Stück, das in meinen schlimmsten und einsamsten Liebeskummerzeiten absolut passte. Vor allem, wenn man ständig glückliche Paare anschauen musste. Später lief das Stück dann auf so ziemlich jeder AJZ-D.I.S.C.O. und es war auf eine bestimmte Weise nicht mehr meines. Ach was, Lieder kann man nicht wegnehmen, oder? Sowas ähnliches gilt für Telepathic Love von derselben Band. Für bessere Zeiten.
  10. Ein Lied, das dich an eine spezielle Begebenheit erinnert:
    Etwas Entsetzliches für das ich mich doch eine Winzigkeit schäme: Music Monks von Seeed. Hab mich selten so beim besoffen Tanzen blamiert und amüsiert – beides gleichzeitig. Außerdem hab ich damals das einzige Mal in meinem Leben jemandem beigebracht, wie man schlecht aber korrekt zu einem bestimmten Song tanzt.
  11. Ein Lied, bei dem du am besten entspannen kannst:
    Eigentlich alles aus der Frühphase von Calexico.
  12. Ein Lied, das für eine richtig gute Zeit in deinem Leben steht:
    Diese ganze erste Fleet Foxes Platte, die ich an einem ganzen Tag zirka 30mal gehört habe und danach nie wieder. Es war ein verdammt guter Tag.
  13. Ein Lied, das momentan ein Lieblingssong ist:
  14. Ah, Remember Today (The Thermals) – der würde ich auch gut unter Punkt 6 passen.

    anything you can break
    you can probably mend
    anything you can feel
    you can feel again

    hold tight
    remember today
    anything you can grasp
    you can easily see
    is just plastic
    (…)

    … ganz groß.

  15. Ein Lied, das du deiner besten Freundin widmen würdest:
    Natürlich There is a Light that never goes out von den Smiths. Weil man erstmal jemand finden muss, der dieses Lied wert ist. Für mich das allerbeste von der Band – manchmal habe ich eben auch langweilige Ansichten.
  16. Ein Lied, bei dem du das Gefühl hast, dass es außer dir niemand gerne hört:
    ich denke, das wäre The Marsist von Frank Black.
  17. Ein Lied, das du vor allem aufgrund seiner Lyrics magst:
    Von der kleinen Scheibe mit The Dirty Three zusammen – Nick Caves Zero is also a Number. Diese Streicher, diese Stimme, diese Geschichte…
  18. Ein Lied, bei dem du dich bestens abreagieren kannst:
  19. Formed a Band von den mächtigen Art Brut!

  20. Ein Lied, das auf deiner Beerdigung gespielt werden sollte:
    Keins, weil ich nicht zu sterben beabsichtige – ansonsten hängt das von der Tagesform ab, ihr solltet mich also rechtzeitig und zeitnah fragen. Jetzt gerade A Pair of brown Eyes von den Pogues. Könnte an der Biersorte liegen, die ich gerade konsumiere.
  21. Ein Lied, das du zu den besten aller Zeiten rechnen würdest:
    Eines? Das ist nicht so einfach. Monkey Gone to Heaven ist einer. Gott, Teufel, Müll, Numerologie. All das und mehr in unter drei Minuten. Das sollen Led Zeppelin mal nachmachen. Egal, irgendwer soll das mal nachmachen, bittesehr.

Das ist alles.

Ich habe hier doch mal wieder gemerkt, dass ich eher ein Albumhörer bin, der Albumbands mag. Aber ich will eure Ansichten auch lesen. Ja?

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“Hey, cooles Hemd, Mann!”

Wer hätte erwartet, dass ich noch einmal modische Akzente setze und tagelange Bewunderung für meine geschmackssichere Bekleidung empfange? Geneigte Leser mögen es vermutet haben: Ich mit Sicherheit nicht.

“Ey Mann, du bist der T-Shirt-König vom Festival. Echt.”

Sagt der Typ, den sie Hoschi nannten. Wer wird das anzweifeln? Ich jedenfalls mit Sicherheit nicht, nicht dass ich mich mit Absicht besonders Festival-tauglich ausgestattet hättet. Das eine Shirt hatte eine Kuh, das andere einen erbaulichen Spruch. Wer kann ahnen, welche Wirkung solches Zeug haben könnte? Vom bewundernden Blicken und Gesprächen mit hingerissenen Bewunderern will ich gar nicht über die Maßen sprechen; man will ja bescheiden bleiben. Als König.

“Ey Mann, aber heute bist du dann echt der T-Shirt King. Weißte.”

Ja, ich weiß Bescheid. Allerdings hätte ich lieber auf einen Tag weiterer Herrschaft verzichtet, um einen kleinen Funken Gutmütigkeit rechtzeitig ersticken zu können – der Moment, in dem ich “Ach, nimm mich mit. Ich muss nie kotzen. Kennst mich doch!” glaubte.

Nie wieder Bier und Pizza aus dem Wagen putzen, das wäre schön gewesen. Dankeschön.

P.S.: Ach ja, was ich nun genau für Shirts anhatte, das verrate ich nur für besondere Gefälligkeiten.

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Wenn ich mich so im Spiegel anschaue – was eher selten geschieht – dann stört mich nicht viel. Die grauen Haare sind mir weitgehend egal, ich find’ sie sogar ganz elegant. Immerhin habe ich noch Haare, was sicher nicht alle Männer in den 30ern von sich sagen können. So im Seitenprofil stört mich auch wenig: Stattliche Züge, edle Nase, eine steile Stirn, die den Hochleistungsverstand dahinter verrät. Wenn man allerdings weiter herunter schaut…

Also, um eine Sache mal klarzustellen: Ich bin nicht dick. Oder fett. Allerdings muss ich inzwischen zugeben, dass sich mein Gewichtssschwerpunkt in den letzten Monaten immer mehr in Richtung Bauchnähe bewegt hat. Ich wollte doch eigentlich die alten Hosen wieder tragen, die mir nicht mehr passen – anstatt dessen muss ich wohl bald mal wieder neue Beinkleider anschaffen. Dabei koche ich mir ja fast immer gutes Zeug – jawoll! – und ich leide auch nicht gerade unter Bewegungsmangel. Manchmal lässt sich Sport ja in meinem Beruf nicht vermeiden.

Ich mag meine Hosen und der Gedanken an eine Trennung schmerzt. Ein paar Kilo dürfen also runter. Nur, wie? ich kann mir doch nicht etwa eine Brigitte anschaffen und die todsichere Diät der aktuellen Ausgabe starten – das bisschen Rest-Stolz will ich nicht auch noch verlieren. Was auch gar nicht geht: Ähnliche Angebote der Men’s Health – ich würde ja nach zwei Wochen aussehen wie diese grinsenden Waschbretter auf dem Cover. Undenkbar. Ein Mann braucht immerhin noch sowas wie Bauchansatz, behauptet die weiseste und gleichzeitig erotischste Frau des Planeten1. Ich bin nicht so töricht ihr zu widersprechen.

Ich werde also versuchen mich etwas zu verknappen. Ich will versuchen, etwas weniger Bier zu trinken – ein schrecklicher Gedanke, ich brauchte ungefähr eine halbe Stunde um den nötigen Mut zum tippen zu sammeln – das schaffe ich schon. Für eine kleine Weile. Außerdem bin ich wohl das, was mein Bruder über einige seiner bissigen tropischen Fische sagt: “Ein gieriger Fresser.” Etwas langsamer und weniger …haltlos zu tafeln, das wäre auch so eine Maßnahme.

Außerdem: Ich hörte, dass allein zu essen extrem dick macht. Bedeutet eindeutig: Ich sollte mich mehr einladen lassen. Hehe. Das klingt immer besser.

  1. Sowas gibt es. Einmal. []

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Regenwege

Wenn ich nachts nach Hause gehe, dann mache ich nur ganz selten Musik an. Das ist so, weil sonst Gedanken keinen Platz mehr haben. Die leisen, späten Gedanken, die sich nur im Dunkeln herauswagen. Schwere, warme Tropfen verirren sich auf meinen Kopf und einer rinnt mir über die Stirn und ich sehe die Straße vor mir nass glänzen. Ich gehe die Steigung empor und lasse die Gedanken heraus.

Solche.

Wenn ich ‘Inspektor Barnaby’ im Fernsehprogramm lese, dann fällt mir unweigerlich ‘Bartleby’ ein und ich bin weit weg vom Fernsehen, in Erinnerungen, auf anderen Kontinenten.

Mir fällt ein, wie ich in auf einem Rücksitz in einem Kombi in einem heftigen Regen nach Minden mitfuhr, um das letzte Mal in meinem Lieblingskino zum dritten Mal ‘Blade Runner’ zu sehen, am Tag nach dem Tod meines Großvaters. Wie taub sich alles anfühlte. Wie ich niemandem davon erzählen konnte.

Der gute Schmerz in meinen Oberschenkeln, weil ich wieder viel zu viel Fussball mit viel zu trainierten Jugendlichen gespielt habe.

Wie die Illusion des Films verfliegt, wie einem die Löcher in der Handlung auffallen, wie unglaubwürdig all das war. Die beruhigende Sicherheit, das nächste Mal wieder all die Logik und all das analytische komplett vergessen zu können, sobald die Trailer beginnen.

Dann bin ich zuhause.

Lücken

Meine Lieblingsperson ist für einige Wochen weit in der Ferne, uns trennen Kontinente und fehlende Internetanbindung. Ich hatte erwartet, das sie mir fehlt und sie fehlt – aber ich dachte auch, dass ich nun ein paar neue Sachen machen könnte, weil ich ja nun doch mehr Zeit übrig habe.

Aber anstatt dessen sitze ich da nur herum und denke an sie. Das andere Zeug macht gar nicht so viel Spass. Zu kochen ist viel besser, wenn man damit bei ihr angeben kann. Zum Beispiel.

Andererseits könnte ich nun vielleicht wieder mehr schreiben, denn zum Schreiben braucht man Lücken – auf dem Papier ebenso wie im Herz und im Leben. Irgendwohin müssen die Geschichten ja auch, die brauchen Platz.

Aber vorher muss ich wohl wirklich mal die Küche aufräumen.

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