Leben

Meine Abenteuer. Außerordentlich spannend.

Wenn man wie ich krank geschrieben ist, kann man gefahrlos Sachen behaupten und sie nach der Genesung wieder dementieren wenn sie mit Fackeln und Forken vor meiner Wohnung aufkreuzen, die bedauerlicherweise im Erdgeschoss liegt. Sachen wie:

“Ich mag Gisberg zu Knyphausens Musik nicht. Seine Liveshows sind lieb, aber absolut farblos und komplett überraschungsfrei. Ich war dabei. Ich bin beinahe eingeschlafen. Im Stehen. Kein Wunder, dass der so viel Erfolg hat.”

“Ich habe ein iPhone und will darüber nicht diskutieren.”

“Ich beginne, den Unterhaltungswert von Adam Sandler komplett neu zu bewerten. Das geht besonders leicht, wenn man vor einem seiner Filme einen Trailer z.B. von “Kokowäh” gesehen hat.”

Tötet mich nicht. Ich bin fiebrig und nicht voll schuldfähig.

Dachswetter.

So kurz vor Weihnachten, wenn das Wetter kalt und nass und die Arbeit schlichtweg zuviel wird, da buddel ich meine Gänge tiefer unter die Erde, weit unter den geschäftigen Westen Bielefelds – tiefer und tiefer, bis man die Geschäftigkeit der Welt dort oben kaum noch mitbekommt. Weil ich da unten ein bequemes Sofa, solides Internet, Kekse, Whisky und Ingwertee habe, ist der Weg hoch zum Tageslicht nicht besonders erstrebenswert. Ich bleibe lieber hier drin, kuschelig eingegraben.

Ist ja eh ekelhaft da draußen. Wer will schon da raus?

Ich jedenfalls nicht, soviel steht fest.

Na gut, für auserwählte Dachse und Spezialmenschen mache ich Ausnahmen. Außerdem kann ich mal darüber nachdenken, zu Weihnachten die Nase an die Luft zu stecken und probeweise ein paar Schritte in die Öffentlichkeit zu wagen.

Nun, falls ihr etwas Leckeres vor dem Bau wedelt, dann… nun, das könnte auch von Erfolg gekrönt sein. Aber gebt euch Mühe: Dieses Sofa hat große Macht über mich und sein Zauberbann ist nicht leicht gebrochen.

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Ich persönlich habe nichts gegen geregelte Arbeit und schon gar nichts gegen ein regelmäßiges Einkommen.

Arbeit – jedenfalls meine – ist nicht immer wahnsinnig intellektuell fordernd (gelegentlich schon, versteht mich nicht falsch). Tatsächlich habe ich eine Menge geisttötender Verwaltungsaufgaben zu überstehen und nach dem zwanzigsten Bericht zeigt sich diese Wirkung ganz, ganz deutlich. Man trinkt den entsetzlichen Bürotee und lenkt sich damit ein wenig ab, aber… nun… ich will so gegen 16 Uhr lieber keinen Intelligenztest machen. Wenn ihr mich versteht.

Ich fahre nach Hause und erledige die allernotwendigsten Sachen – Schuhe ausziehen und Tee kochen zum Beispiel – und lande auf dem Sofa. Dort bleibe ich dann und beschäftige mich mit möglichst wenig fordernden Aufgaben. Ich will ja eigentlich die Kurzgeschichte schreiben, die ich schon in Stichpunkten durchgeplant habe, ich will ja gern so richtig anspruchsvolle Literatur lesen… aber wenn ich dann im Bett lande, dann habe ich vielleicht noch TV Total geschaut, das wars in der Regel. Oder ich spiele am Computer oder per Playstation – nur nichts Forderndes. Das liegt bestimmt an der Arbeit – die macht mich träge…

Oder an meiner Faulheit.

Oder an meiner mangelnden Fitness.

Die Arbeit wird hoffentlich weniger heftig im neuen Jahr, da habe ich Grund zur Hoffnung – aber ich schreibe hier schon einmal den guten Vorsatz #1 für 2012 nieder. Erstens:Was für meine körperliche Fitness tun und zwar regelmäßig. Zweitens: Endlich, endlich mal einen Text zuende schreiben und meinem persönlichen Lektorat überantworten.

Zusammengefasst: In meiner Freizeit endlich mal an mir arbeiten. O Himmel, wo soll das nur hinführen?!

 

Ihr seid meine Zeugen.

 

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Vor ein paar Wochenhabe ich wieder einmal einen Anhalter gesehen. Er war etwa 20 Jahre alt, hatte blonde Dreadlocks und einen Kinnbart. Er trug eine Kordhose, einen offenen Parka voller Buttons, darunter ein buntkariertes Flanellhemd und ein Palästinensertuch um den Hals gewickelt. Solche Leute hatte ich das letzte Mal vor mehr als 10 Jahren gesehen und damals waren es traurige Relikte einer vergangenen Epoche – der Zeit, in der Kurt Cobain noch am Leben war und man sich regelmäßig darüber stritt, ob nun Hole oder etwa die Stone Temple Pilots der Untergang der Grunge-Szene wären.

Halb hätte ich erwartet, dass auf seinem Wellpappenschild “Wer nimmt mich mit zu Soundgarden nach Köln” stand. Wenigstens war es aus Wellpappe, die großen Buchstaben mit blauen Kuli darauf gekritzelt. Er wollte nach Berlin, aber ich musste nach Gütersloh abbiegen, gleich an der nächsten Kreuzung.

Ich hätte mich eh nicht getraut, ihn mitzunehmen, obwohl er so freundlich aussah. Es wäre zu herzzerreißend gewesen, wenn sich der merkwürdige junge Mann wie eine Fata Morgana aus 1994 vor meinen Augen in Nichts aufgelöst hätte…

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Nebelzeit

Der blaue Himmel ist wie eine unendliche azurne Weite, die meine Gedanken fortziehen lässt, weiter und weiter. Die Sonne wärmt mein Gesicht und ich muss blinzeln.

Nun ist der blaue Himmel nur ganz selten zu sehen, viel öfter ist es dort oben grau und ich kann blinzeln wie ich will, gewärmt werde ich nicht. Aber das ist auch in Ordnung.

Der Nebelhimmel ist wie eine Leinwand, wie Büttenpapier für die Feder meiner Phantasie. Auf die Unendlichkeit kann man nicht schreiben, aber das hier ist wie gemacht für Geschichten.

Ich werde wieder mehr schreiben.

Der Nebelhimmel ist schon ganz zugekritzelt mit Notizen. Ich muss sie nur noch abtippen.

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Katzensitzen

Meinen Leute sage ich, ich sei zum catsitting gefahren. Das stimmt nur zur Hälfte, denn natürlich besuche ich die Katze in Abwesenheit meiner Eltern, aber die Katze will nicht, dass ich sitze oder mich auch nur in irgendeiner Form mit ihr beschäftige.

Die Katze will was zu beißen.

Mehr als sonst.

Wenn ich nicht wüsste, dass mein Bruder den Kater schon heute mittag reichlich versorgt hat. Wenn der Katzenfressnapf nicht halb voll wäre.  Dann würde ich glaube, dass das arme Tier am verhungern ist. Das Futter von heute mittag ist natürlich ungenießbar. Dazu muss eine Katze von Welt nicht einmal irgendeinen Blick abfeuern. Die Körperhaltung ist eindeutig.

Fülle er den Napf mit frischer Nahrung, nur vom Besten soll’s sein und er möge sich sputen. 

Nachdem das Werk getan ist, trottet das Biest wieder weg, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Zeit für sein Hobby, Ausdemfensterstarren.

Ich liebe Katzen. Ich vermisse den alten Flohsack, sobald ich wieder in Bielefeld bin. Ich weiß nicht genau warum…

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