Musik

Artikel zum Thema Musik.

Fundstück

2010-02-10 16.02.44

Was man in Wohnungen aus unendlich fremden Bundesländern zugezogener, bislang vollkommen unbekannter Menschen alles finden kann, ist erstaunlich. Nicht, dass ich so besonders oft zum Suchen käme – aber ich nehme an, man stößt eher selten auf eine Demokassette von der Sorte, die man selbst vor fast 15 Jahren für die damalige Band meines Bruders beklebt und am heimlichen Doppelkassettendeck überspielt hat. Ein paar hundert Stück davon haben wir gemacht und überallhin in die Republik verschickt. Das war eine Höllenarbeit. Wir haben alle Kassetten genommen, die wir gefunden haben. Wurden plattgemacht und gnadenlos überspielt. Trotzdem:

Wirklich, es waren nur 500 Stück. Wie viele es davon wohl noch gibt?

Und son Stück Punkrock der geschmackssichersten Sorte findet sich in einer nicht wenig spießigen Wohnung von Leuten, die ich bei der Arbeit treffe. Die punkrockferne Schicht. Ich hoffe nur, sie hören sich den Kram niemals an. Der kann normale Sterbliche lässig umbringen.

Die Band gibt es übrigens immer noch, wagemutige und belastbare Neugierige finden sie unter der geschmackssicheren Adresse www.ausbomben.de.

P.S.: Wir (und damit ist vor allem mein Bruder gemeint) haben 500 Kassetten von Hand kopiert?

Hilfe!

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Benefiz

Ich gehe freiwillig zu Fuß obwohl es eine halbe Stunde dauern wird. Die eisige Luft gefriert scheinbar in meinem Gesicht und unter der Haut spüre ich das Prickeln; ich bin also doch noch lebendig. Schau mal einer an.

Das Wetter ist so widerlich, das man den Weg ohne Musik im Ohr nicht schaffen könnte, denn nur so bekommt man je nach Stück den richtigen Schwung, um mit großem, halb geschmeidigen Schritt die großen Pfützen Tauwasser und die Berge aus Schneematsch zu vermeiden und dabei noch unverschämt lässig auszusehen. Leider sieht das niemand, die Leute fahren aus gutem Grund lieber mit der S-Bahn oder sogar mit dem Bus, manche mit dem Taxi.

Der Matsch liegt auf einer Rutschbahn aus festgetretenem, wiedergefrorenem Schnee, ich spüre es glatt unter meinem Füßen und konzentiere mich, zuerst auf das Gleichgewicht, dann auf die Musik aus meinen Ohrhörern.

Die erste Band ist gerade fertig; ich bekomme noch mit, dass der Sänger “unkontrolliert” singt und die Band so gar nicht danach klingt. Leider.

Das übliche Publikum treibt sich herum, ein paar jüngere und ein paar ältere Archetypen, schließlich handelt es sich um ein Benefizkonzert:

- Der hastige ältere Herr in Cashmere-Mantel und passendem Schal, der rastlos seiner Dame einen Weg durch die Massen bahnt, was eigentlich gar nicht notwendig ist, schließlich macht jeder bereitwillig Platz. Er scheint nicht ganz zu wissen, was hier seine Rolle ist, auf jeden Fall fühlt er sich nicht wohl: Die Situation ist nicht unter seiner Kontrolle und er hasst es sichtlich. Vor allem, weil seine Frau es merkt.

- Der langhaarige, große Typ mit dem leeren Blick. Seine haare sind offen, seine viel jüngere, viel kleinere Freundin schmiegt sich an ihn und scheint ihm etwas zu erzählen, aber er hört ihr gar nicht zu und der Musik schon gar nicht. Manchmal schaut er in ihren viel zu tiefen Ausschnitt. Das Mädchen hält ihn, die Arme hinter sich, seine eigenen hängen einfach nur herab.

- Die Frau mit dem Strickponcho, der bestimmt aus fair gehandelter Alpakawolle gemacht ist. Man sieht das Geld und sie ist sonst nie hier. Sie lächelt ständig.

- Die kleinen Nachwuchsrocker und Nachwuchspunker und Nachwuchsindiepenner, die mich an mich erinnern, wild und besoffen und total lustig sein und alles besser wissen und total behämmert noch dazu. Als ich mit Konzerten anfing, bekam ich allerdings schon Bier, das war anders.

Die Musik war eben so, wie man das bei solchen Gelegenheiten gewohnt ist – nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich gut, so nebenher. Man geht ja sowieso eher hin, um Leute zu sehen und möglicherweise von ihnen auch wahrgenommen zu werden.

Einer tritt auf die Bühne und erzählt, wie toll das Publikum ist, weil man die 5 Euro bezahlt hat und dass man auch recht viel trinken soll, damit Haiti mehr Spendengelder bekommt. Haiti wieder heil saufen, das ist mal ein Konzept.

“Ihr seid so super!”

Ich habe Leute gesehen, die sich gegenseitig auf die Schulter geklopft haben. Wirklich. Wörtlich. Körperlich.

Natürlich hätte man auch den enormen Beitrag von 5 Euro einfach spenden können und danach zu einem Konzert von einer der kleinen Bands gehen können, die auch mal etwas Geld brauchen.

Dann kam so eine Band, von der ich überall hörte, sie wäre “lustig” und “Kult”, beides Alarmsignale höchster Stufe. “Lustig” bedeutet meistens das genaue Gegenteil und “Kult” bedeutet fast immer “nicht besonders gut, aber die Leute wollen es einfach gut finden und das solltest du besser auch, wenn du dazugehören willst.”

Aber ich sage ja nichts. Wenn man nicht drüber lachen kann, fühlt man sich sowieso wie auf einem anderen Planeten als die amüsierte Menge, das reicht schon aus.

Danach kam Reggae mit einem Sänger von hier, der in gestelztem Patois über seine Fähigkeiten als Liebhaber sang. Immer wieder.

Reggae macht mich jedes Mal müde.

Und ich habe mich verzogen, wieder raus in die Kälte.

Wenn der graue Matsch wieder gefroren ist und das Licht aus den Straßenlaternen im richtigen Winkel darauf fällt, dann funkelt er wie ein Schatz aus abertausenden Diamanten. Vielleicht sind es auch erstarrte Sterne. Wusstet ihr das?

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Auf eine bestimmte Weise ein Nick-Cave-Tag. Dazu ewig vor mir hergeschobene Abrechnungen. Eigentlich genau der richtige Tag für so etwas: Wenn man schon auf gar nichts Lust hat.

Außer auf…

P.S.: Nun, ich bin fertig und schaue mir nun ‘Ghost Rider’ an, weil ich an meinen Lieblings-Nikolaus-Cage-Fan denken musste. Volles Haupthaar am Cage – nur in diesem Film. Das darf ich nicht verpassen.

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Kleinigkeiten

Der weiße Prinz auf 500beine ist großartig und ihr solltet das auch lesen. Tut ihr wahrscheinlich schon, aber für den Fall der Fälle…

*

Keyboard Rebel und ne:o

Die fabulösen Keyboard Rebel und ne:o haben gestern im Plan B gespielt und das hat eine Menge Spass gemacht – übrigens beides Bands, die auf Aaahh! Records veröffentlichen – was unter anderem bedeutet, dass man für Musik zahlen darf, aber nicht muss. Geht doch mal hin, wenn ihr die Chance bekommt, sie zu sehen.

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Ich kann nicht zum Barcamp OWL hier in Bielefeld kommen, wäre aber wohl auch sonst nicht erschienen. Ich fühle mich schlicht von der ganzen Kiste nicht angesprochen – schließlich bin ich weder Techniker oder Werber und schon gar nicht BWLer und die Selbstdarstellung der Veranstaltung war für mich bestenfalls Grund zu wiederholtem gähnen. Irgendwie hatte ich die Barcamps anders in Erinnerung als “Wir duzen uns und lassen den Schlips mal zuhause und abends saufen wir uns alle einen im Stadtpalais” und ich hatte mich eigentlich auf eins in der Nähe gefreut. Vermutlich bin ich jetzt wieder total unfair, aber mehr Offenheit gegenüber nichtkommerziellen Webaktivitäten hätte ich mir gewünscht.

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Ich weiß gar nicht, was ich mir zu Weihnachten wünschen soll – eigentlich habe ich ja alles und die Sachen, die ich wirklich gern hätte, kaufe ich mir lieber selber oder sie sind nicht käuflich. Oder keine Sache. Sondern Person.

Da fällt mir doch noch was ein: Ich wünsche mir, dass Meriche ganz schnell eine großartige Wohnung findet. Bei der Gelegenheit könnte man auch gleich mal ihr Auto wieder in Ordnung bringen und versorglich gut panzern. Verdammte Russenmafia!

Wenn es schon mal nach mir geht, können wir vielleicht dann den Dezember gleich überspringen und in den Januar einsteigen? Da hab ich was vor.

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stemwede2009.jpgWenn du vom Festival kommst, hast du einen Kater. Egal ob du nun viel oder wenig oder auch rein gar nichts getrunken hast, Kater ist unvermeidlich. Wenn das Festival gut war, entstammt der Kater einer gewissen Wehmut, dass es vorbei ist und ganz sicher niemals etwas so wundervolles vorkommen wird. Wenn das Festival schlecht war, dann hat es mehr mit einer angehenden Erkältung, Halsschmerzen, Rückenschmerzen und wehen Füßen plus einer ganz bestimmten sexuellen Frustration zu tun:

Sie hat einen anderen geküsst/gebumst/dich nicht erkannt/oder so getan/Ihr Neuer hat dich verhauen oder es probiert.

Das hat alles noch nicht viel mit Musik zu tun, aber darüber schreibe ich lieber nicht allzuviel, schließlich haben Jennifer Rostock gespielt, über denen hohe Ansprüche an den Komfort auf einem “Umsonst und Draussen” Festival schon am Vortag zahlreiche Gerüchte umherschwirrten. Die Fans verstopfen die Zufahrten und sie haben eine nervige Art auf der Bühne. Ich bin dann einfach weg gegangen.

In Stemwede war ich schon oft und ich kenne dort viel zu viele Leute. Man hat schon genug Mühe, all die Netten zu finden und gleichzeitig unheimlichen Erscheinungen aus der dunklen Vergangenheit auszuweichen. Davon allein könnte man sich einen Kater einhandeln! Meine Vergangenheit ist entschieden dorf.

Am Ende habe ich mal wieder in alter Tradtion ein paar Leute nach Hause gebracht; ich hatte den Wagen voller Frauen, die ich alle dereinst einmal zu unterschiedlichen Zeiten ganz fantastisch fand und immer noch mag. Man bewegt sich eingehakt in wankende Weiblichkeit über das Stoppelfeld und weidet sich an den neidischen Blicken der Geschlechtsgenossen. Einmal konnte ich nicht an mich halten und grinste genauso  wie der Typ zurück, der mir “Du bist ja echt nen ekliger Aufreißer, Mann” hinüberbölken musste.

“Mein Werk beginnt erst jetzt Mann. Du kannst dich ja ausruhen.”

Das tat gut. Das war das selberfahren fast wert gewesen.

Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, wie recht ich hatte: Ich hatte deutlich die Ortskenntnis und die Pegelstände meiner Mitfahrerinnen unterschätzt. Es würde noch eine gute Stunde dauern.

“Wohne ich hier? Ne. Doch nicht.”

P.S.: Mein Kopf dröhnt, aber ich muss an den letzten Sonntag zurückdenken und wie sehr ein kleiner Chat nebenbei inspirieren kann. Da war ich auch nicht fit, aber… ich habe sicher das vierfache in der Hälfte der Zeit geschrieben.

P.P.S.: Schau an, es ist nicht mal ein richtiger Kater: Ich habe etwas Fieber. Ich lasse den Text einfach mal als Dokumentation meines Zustands stehen.

Na gut, jetzt kann ich es ja sagen: Ich habe Michael Jackson nie gemocht. Genauer gesagt habe ich seine Musik nie gemocht; ihn kannte ich ja nicht. Diese seltsamen Quietschlaute und all die Tanzerei, ne, das musste ich nicht sein. “Bad” war das Album, das mir zuerst bewusst aufgefallen war, auch wenn natürlich die Singles von “Thriller” dauernd im Radio liefen, als ich noch ein Kind war. Aber da hatte ich ihn nicht damit in Verbindung gebracht. Irgendwie habe ich ihm das “Bad” Cover und das Video nie abgenommen – der sah gar nicht gefährlich aus. Ich wusste nicht, was ich von dem Typen halten sollte.

Trotzdem konnte einem Jackson einfach nicht egal sein, denn beinahe alle Leute um mich herum hatten entweder einen ausgeprägten Hass auf “Michael!” oder verehrten ihn wie eine Art Messias. Keiner nannte ihn “Jacko” – “Michael” ohne Ausrufungszeichen konnte zu dieser Zeit aber auch David Hasselhoff alias Michael Knight bedeuten. Bei dem war ich mir auch nicht sicher, ob ich ihn cool finden sollte oder nicht1.

Leute kamen von den Konzerten und waren verändert, vielleicht hatte man sie auch gegen JacksonBots ausgetauscht. Sie wären sicher gern im Moonwalk zur Schule getanzt, wenn man sie gelassen hätte.

Ein paar Jahre später fing man dann an, sich über den seltsamen Jackson und seine seltsamen Fans lustig zu machen, das war noch vor dieser üblen Sache mit den Kindern. Ich war es einfach bald leid, von ihm zu hören und zu lesen, aber es gab kein Entkommen. Die Musik wurde außerdem nicht gerade besser – das machte die Situation nicht einfacher. Trotzdem:

Ich bin ziemlich sicher, dass es nie wieder einen wie ihn geben wird.

  1. Ich entschied mich für das Auto []

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