Mysterium 101

Gesammelte Kuriositäten.

Wenn mir irgendwelche kommerziellen Angebote auf Twitter “folgen”, dann gehen sie auch das Risiko ein, dass ich sie mir mal genauer anschaue. Das galt auch für dieses Exemplar, ein Internetshop für erotische Lifestyleprodukte, der sich “be inflamed” nennt. Moment, da war doch was? Ich erinnere mich noch an eine Menge Spass mit diese Wort in meinen Übersetzerzeiten.. aber nein:

Entdecke allein oder zu zweit, wie sanfte und fordernde Vibrationen, federleichte Berührungen, zarte Fesseln, erotische Fotos, stimmungsvolle Musik und warme Öle deine Sinne entzünden. Lass dich entflammen – be inflamed.

Sinne entzünden. Hm. Nun, das passt ja noch, auch wenn ich recht weiß, was sie damit meinen. Aber “lass dich entflammen”? “be inflamed”? Nein. Nun ist es ja leider so, dass “to inflame” so gar nicht bedeutet, was die Betreiber des Kölner Dildohandels sich scheinbar darunter vorstellen. Das mit dem entzünden stimmt ja, aber damit sind eher eiternde Wunden und schmerzende Mandeln oder brennende Bindehäute oder noch viel fürchterlichere Entzündungen viel weiter unten gemeint.

Tut mir leid, Jungs und Mädels: Ich habe ganz ehrlich ein wenig nachgeschlagen, aber auch renommierte Wörterbücher kommen zum selben Ergebnis wie Leo.

Natürlich will ich keineswegs andeuten, man könnte sich da etwas unerfreuliches holen, das Angebot sieht ja durchaus unterhaltsam aus. Ich habe mich da natürlich erstmal schlau gemacht. Aber so ein ganz klein wenig besorgt bin ich schon. Dieser Wunsch im Namen des Unternehmens… ob die wirklich mein Wohl im Sinn haben? Noch wichtiger: Hat denn niemand auch nur eine Sekunde daran gedacht, den Begriff man nachzuschlagen, der ja nun so überhaupt rein gar nichts mit Feuer zu tun hat? Da hat doch sicher auch mal eine Werbeagentur oder ein Webdesigner die Finger im Spiel gehabt.

Geschenkt: Einiges wird sicher brennen, aber dazu braucht es keinerlei Funken – das schafft auch eine ganz einfache bakterielle Infektion. Warum den Shop nicht alternativ “lass jucken” nennen? Das ist dann sogar in deutsch und absolut volksnah.

Wie schreibt man da noch im Twitter?

Wir sind nicht gruselig, aber geil.

Nun…

… da bin ich mir noch nicht so sicher.

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Wie ich seit einiger Zeit beobachten muss, habe ich ein Wanderbett: Es bewegt sich über den Holzfussboden, wenn es sich gerade unbeobachtet fühlt. Das könnte daran liegen, dass der Untergrund glatt ist und dazu einlädt, wenn es schwungvoll bestiegen oder benutzt wird, vielleicht ist es aber auch das Werk einer verschlagenen und heimlichtuerischen Intelligenz.

Ich brauche eine Bettbremse. Ein Bremsbett oder noch besser etwas Besseres.

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Zweimal an diesem Morgen ist es mir aufgefallen und ich kann nicht länger schweigen, auch wenn mir so ein Schicksal Schlimmer Als Der Tod zuteilwerden könnte – Männer mit rasierten Beinen in kurzen Hosen unterwandern unsere Städte. Im Winter haben sie sich noch notdürftig in schlabbrigen Hosenbeinen tarnen müssen. Nun haben sie ihre Coming Outs.

Blasse, krumme, Häkelnadelbeine. Unbestrumpfte Füße in Slippern. Viel zu kurze Hosen.

Ein Exemplar wankte an der Straße entlang, die Haare fettig hinabhängend, aber die O-Beine akurrat enthaart.

Das andere legte erst vor der Bank etwas vorsichtig in einen dunklen Winkel. Er sah suspekt aus, mit seinem Sparkassen-Kinderregenponcho mit “Knax” Schriftzug. Ich habe einen Blick in den dunklen Winkel geworfen: Da lag eine brennende Zigarette, neben einem halben Dutzend halbgerauchter kalter Exemplare; offensichtlich verzichtet der Mann – ich brauche seine dünnen, blaugeaderten, säuberlich rasierten Beine nicht extra erwähnen – darauf, sein Rauchwerk nach erledigten Finanzgeschäften wieder aufzunehmen.
Ich bin sicher, es gibt noch mehr von ihnen. Aber ich weiß nicht was sie sind.

Ich muss wachsam sein. Wir müssen wachsam sein.

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Auch wenn ich siech bin, kann ich mich langweilen, sogar ausgesprochen gut und ich fange bei solchen Gelegenheiten an, Sachen zu tun, zu denen ich sonst nicht neige. Seit einiger Zeit bekomme ich Kataloge von teuren Designversendern zugeschickt, voller “Schöner Dinge”, von denen die sinnvollen anderswo billiger zu haben sind und die restlichen von einer beeindruckenden Nutzlosigkeit sind. Sehen wir mal von wichtigen Errungensschaften wie Grapefruitlöffeln oder kunsthandwerklichen, aus täuschend steinähnlichem Plastik hergestellten Wasserspeiern, Gnomen und Drachen. Oder kostbaren Papierkörben aus Bullenleder.  Ich denke da eher an mundgeblasene Vogelhäuser (damit sich singende Zeitgenossen ansiedeln) oder Philosophenbänke (damit sich denkende Zeitgenossen ansiedeln) oder Gartenruinen für Ungeduldige, denen es mit dem Verfall der eigenen Anlage nicht schnell genug gehen kann. Die salbungsvollen Produktbeschreibungen machten das Ganze doch ganz unterhaltsam. Ich war entzückt. Doch dann fand ich das hier und ich musste doch grinsen.

Schilfstoepsel

Augen auf Artikel Nummer 6 und vor allem auf die dazugehörige Skizze.

Um mal ganz ehrlich zu sein, fand ich schon die Idee, ein alleinstehendes Stück Plastikschilf in der Wanne vorzufinden nicht besonders aufregend. Nun gut, ich gebe zu: So blieben die Hände trocken, wenn man das Wasser ablassen will. Nur ist man zu diesem Zeitpunkt doch eher selten trocken, oder? Nun gut. Wer weiß. Vielleicht habe ich andere Badegewohnheiten.

Selbst wenn man diesen Punkt beiseite lässt: Ich würde mich ein wenig unwohl fühlen, wenn beim baden ein langes, grünes Stück Schilfimitat stolz zwischen meinen Beinen empor ragen würde.

Teichatmosphäre. Soso.

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Aufgrund einer Meldung in der Tageszeitung habe ich meinen Beruf verfehlt und sollte schnellstens ein Wirtschaftsstudium hinterherschieben, um endlich reich genug zu sein – ich wäre endlich in der Lage, Wohnungen mit Kamin überall der Welt zu haben.

Mein Ringfinger ist nämlich länger als mein Zeigefinger.

Laut einer völlig repräsentativen Studie1 aus England haben Männer mit prominentem Zeigefinger klar mehr Profit an der Börse gemacht. Weil sie während der Schwangerschaft mehr männliche Hormone abbekommen haben, was sie wiederum zuversichtlicher und motivierter gemacht hätte.

Ich würde ja gern mal die Finger von diversen führenden Bänkern vermessen. Vielleicht wäre mit mehr Ringfinger die Finanzkrise verhinderbar gewesen.

Ach ja, umgebt euch mit mir – ich werde euch reich machen.

  1. Teilgenommen haben satte 44 Börsianer – genau, alles Männer. Ich bin sicher, dieses Studie ist nicht von Frauen gemacht worden. []

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Manchmal habe ich das Gefühl, dass Leute, die ich wirklich mag, gar nicht von hier sind. Als wären sie nur Gäste, gut getarnt und auf den ersten Blick kaum von normalen Menschen zu unterscheiden. Man kann sie aber erkennen, auf den zweiten Blick.
Vorausgesetzt, man weiß, wie man ein ganzwenig auf eine besondere, geheime Art die Augen zusammenkneifen muss – dann sieht man es auch. Sie sind vielleicht da, aber sie scheinen so etwas wie einen unsichtbaren Raumanzug zu tragen, der ihnen erlaubt, auf dieser fremden Welt herumzuspazieren, als wären sie hier zuhause und und nicht auf einer exotischen Welt, die dieser täuschend ähnlich sieht. Verloren.

Ich weiss das ziemlich genau, weil ich wohl einer von ihnen bin, auch wenn ich hin und wieder meinen Spacesuit vergesse und mich heimisch fühle, in guten Momenten. Aber so richtig dazu gehören? Nein. Da ist diese Raumanzug-dünne Distanz.

Manchmal, da kommen sie wie zufällig zusammen und schrauben sich diskret ihre unsichtbaren Helme ab. Können sich gar nicht erklären, warum sie sich so wohlfühlen. Bis sie irgendwann die Augen zusammenkneifen.

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