Tag-Saga, Teil 2

Na, ich bin bei dieser Herausforderung gescheitert: All meine Tags in einem Text von 800 Wörtern unterzubringen. Es sind knapp 3000 geworden und mein Hirn ist wie Rührei. Liebe Auftragstellerin – diese Kopfschmerzen kannst Du dir nicht vorstellen. Nichtmal nach dieser Klausur. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, das ich schon 642 Tags zu verteilen hatte – da wären 800 Wörter etwas knapp. Und: Nicht lesen. Das Ergebnis ist wirklich grausam.1 Bitte zuerst den ersten Teil lesen.

Sie schreckte auf. Sie hatte doch nicht etwas mit dem Einsatz von WindowsLiveWriter zuviel digitalen Kalk in den Beitrag über Matt Ruff gebracht, der nun schon GoogleReader den Ärger des Papstes hervorrief? Schon den Post über ihren alten Kopierer hatten nur 25peeps gelesen, das hatte Dead Moon nicht zu einer Reunion gebracht, geschweige denn zur Anschaffung einer MySpace Seite, so wie Lampshade sie haben.

„Meebo!“ macht ihr Samsung-Telefon – es war der Doktor. “Doctor-Who?” werden meine Leser fragen, aber da kann ich nur sagen, schaut mehr TV und denkt nicht soviel an Drucker oder an iPods oder an eure Geheimzahl, die ihr bei der anstrengenden Abendplanung sicher eh vergessen werdet. Wer sich das PC-System in einem Forum zusammenstellen läßt und dabei ein echtes edgy Gehäuse wählt, sollte sich nicht wundern. Auf der N73 Richtung Rinteln Bahnhof PHP etc, gab es Unfälle mit Hirnschnecken, die bei fortgesetzem Open-Air Schwachsinn oder CDU-Mitgliedschaft sowie Kopf-Kino auslösen könnten. Das passierte schon vielen in der Politik sowie sogenannten Popstars in casting-shows und war auch am Kyrill-Orkan schuld. Ein Stromausfall sorgte dafür, dass alle Elektrogerät ausfielen und Frau Müller aufwachte. Meine Güte! Was für ein Trip! Sie stöhne unerfreut. Der Spam in ihrem Mac war wohl schon schlecht gewesen. Ihr war schwindelig und in ihrem Magen rumorte es, aber es war trotzdem Zeit zu gehen.

Auf mit dir, Frau Müller. Es gibt zu tun.

Sie trat vor die Tür und in die nächste Bahn, die so leer war, das sogar ein Dinosaur jr noch Platz gehabt hätte. Diese verdammten Feeds machten sie noch geisteskrank, genau wie diese seltsamen Keskse auf der letzten Totenkopfparty. Da war bestimmt viel E90 drin. Sie sah aus dem Fenster und dachte nach. Sie sollte nicht mehr so viel Telefonieren, das war schon Ende 2006 ein guter Silvestervorsatz gewesen. Sie schaute auf die Cugel ihres Bauches. Ein Beispiel für einen anderen guten Vorsatz, den sie dreist gebrochen hatte. Wie Stromberg. Sie ertrappte sich beim Bohren und der Club of Gore im Nachbarabteil grinste ihr dreist zu. Die Herren in Schwarz hatten ihr wohl schon eine Weile dabei zugesehen. Sie waren sehr aufmerksam und genau, wie David Caruso, dessen Rollennamen in Miami, CSI Miami sie ständig vergaß. Nicht das sie die Serie je anschauen würde. Schon eher Monrose. Wer war das noch? Sie klopfte auf ihre Schläfe – die Linke, von ihr auch Touchpad genannt. Sie hätte jetzt gern einen Jack Vance, pur. Diese ganze Dying Earth Fantasy machte sie fertig. Sie schloss wieder die Augen und lauschte dem Geräusch der S-Bahn, die wie ein Traktor klang. Wie ein Notebook Trecker, verbesserte sie sich: Schlanker, flacher, leiser, Blöder. Und halb englisch. Sie musst husten, ihre Bronchitis meldete sich unangenehm zurück, ein Klumpen [Zensiert] löste sich mit einem POP und musste an der nächsten Haltestelle am Wald auf das Pflaster draußen entsorgt werden. Yeah, das waren schon Tage, an denen man viele Dire Straits hören könnte, wenn man ein Langweiler war, oder Southern Rock, oder Bruce Springsteen, alles auf einem Atari ST oder Amiga abgespielt. Herrlich. Oder die Lost Patrol Band. Dean Dirg! Nseries nochmal! Da hatte doch glatt ein Lokalpatriot einen NRW-Smiley auf den Hintern der Passantin dort drüber gemalt. Sehr passend, dachte Müller und wagte es nicht, einen Mucks zu sagen, aus Furcht, die Frau damit über ihren Kunstwerkstatus aufzuklären. Dieser Anblick war mehr Wert als ein Haufen Klappräder. Und es wären schon eine menge Brutal Knights notwendig, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Na gut, vielleicht hätte ein Pony etwas bewirkt. Aber nur vielleicht.

Da stieg ein Mann ein. Der hatte ein Indie-Knie, das bemerkte Frau Müllers geschultes drittes Auge gleich. Solchen Leuten trugen gern coole Hüte, egal ob sie oben nun Haare oder Glatze vorzuweisen hatten. Das hatte sie im Newsreader oder in ihrem iGoogle gelesen, keine Ahnung. War ja auch nicht wichtig. Die letzte Schlägerei im Damenklo hatte schon gereicht – sie hatte einfach nur „Gr… hust.. reu..“ und „Raubkopien“ im großen Hörsaal gebrüllt und hatte sich dorthin vergebens verzogen. Oh, der Schmerz. Immer diese Gewalt. Voll auf dem Musikantenknochen hatte sie diese serbokroatische Transe gehauen.

Sie sollte sich mehr Schlaf gönnen, da war sich Müller sicher. Und endlich die Taz abonnieren, die in ihrem Kampf gegen Abmahnung wirklich Unterstützung brauchen konnte. In den Knast mit diesen Typen, die sich gegen den Verbraucherschutz vergangen hatten! Vorwärts, NRW! Außerdem – mehr Porno! Mehr Männer! Mehr Fliegenpilz beim Erntefest! Bukowski und Henry Miller hätten sich gefreut über ein Päckchen. Wer würde nicht gern etwas halluzinogenen Pilz in der Post finden? Sicherlich nicht die Leser der Tag-Saga. Cyriak! Sang der schwarze Vogel, der 2D-animiert durch den benebelten Geist der Müllerschen krächzte. Ihre ganze Egoload lastete schwer auf ihr, wie wordpress-2.3 ohne wp-amazon. Cleland hätte Fanny Hill nicht interessanter das männliche Geschlechtsorgan umschreiben können wie ihr Hirn gerader ihre Realität. Oder war das eher ein Metaplace hier? Irgendwie fühlte sie sich in der S-Bahn-Sitzbank wie mitten in der Menüleiste von Mac OS – wie ein Leopard, der in seiner Kindheit zu viele rohe Hallimasch Pilze gegessen hatte, die er tragischerweise mit Steinpilzen verwechselt hatte. Nun fühlte er sich macbook. Wie auf einem klassischen Blind Date, bei dem die Conversation sich plötzlich von erotischer Literatur -apps! – zum Zigarrenmachen wendete. Wozu sonst hatte man eine Yacht?

Meine Güte.Sie fühlte sich wie ein Stück aus dem Museum, lange her seit ihre letzte Abifete vorbeigeging – Sauftour! Saufen! Ovi! Kneipe! Kneipentour… und danach die Kings of Convenience, vor allem den mit dem flauschigen Haar. Etwas Kultur sozusagen. Sie träumte sentimental vor sich hin.

Ihr Nokia meldete sich. Hm – Gleich war sie da. Noch einen Blick auf die Maps – alles klar. Sie war smart2go. Ihr Gürtel hatte das richtige Design, schlechte geschenke erzeugten schlechte Emoze, pushten Mail an die Familie und regten möglicherweise eine schreckliche Doku auf RTL2 an. Sie achtete lieber auf Stil, sie konnte auf Kommentare negativer Art verzichten. Lieber Neil Gaiman Lesen. Oder ihre Blogroll. Selbst wenn sich da nur eine Anleitung für Mittagsschlaf fand, die Frau Müller inzwischen doch eher für überflüssig hielt. Außer nach Bohnen.Und wenn man sich versehentlich Adidas Hemden gekauft hatte. Selbst 500beine würde da zustimmen. Sneakers? Danke, nein. Allein schon die Lavendel Schnürsenkel, die heute Standard waren. Peinlich!

„Speck statt Kinderarmut!“ schrie sie in die Welt hinaus, sie hatte genug von Armut, fand aber Allrad nett. Auch wenn es das ein paar Tausender kostete. Was solls, dann spart man halt den nächsten Jahrmarkt ein, dachte sie. Nach der Kirmes hat man ja eh nur Mitesser und landed schlimmstensfalls im ALG2. Zeit für ein paar nette Erfindungen, die dann in den Bewerbungen landen würden. Nein danke. Sie war das Fake-faking leid.

Sie kam an der Disco vorbei, in der sie abends als Terminator arbeitete. Akne, Pickel, Freundschaft, Brie, Stereo und Sucht – all das erlebte sie immer wieder. Das machte einen krank – sie litt unter Bubblewrap Addiction. Um diesen Job zu ertragen, brauchte es einen Superhelden. Er machte so einsam.

Ihre Suchbegriffe waren Küssen, Knutschen, Kuss und Zungenkuss, wenn sie besonders mutig war. Was sie bekam waren plattgefahrene Igel, Fotos von Klinsmann und Bücher über den Großen Ctulhu. Ein Gefühl wie an Weihnachten. Der Gedanke daran ließ sie strahlen wie einen Beamer. Aber der Mangel an Romantik ließ sie wütend werden. Wütend wie der Punisher des Web! Wie der Ultimate Tag Warrior würde sie wüten! Ihr Hosting würde erzittern! Ein Wiki würde erstellt! Harry Potter, erschauder! Alle RSSreader, freeware oder nicht, sogar der yahoomessenger würde im nächsten Winter vor Furcht erbeben! Link Wray würde den Soundtrack machen. Na gut, der war tot. Also Pink Floyd. Die Story konnte sie danach an ein Webzine verticken. Oder auf Millarworld publik machen. Sale! Sale!Sale!

Oh, reich würde sie werden und immer noch wütend sein. Ein Süsswasser Aquarium voller Buntbarsche – eine Suppe würde sie daraus machen! Eine Französische! Eine wahre World of Warcraft. Cichlidensuppe. Mit Citrinellum. Amphilophus delikat. Ein Flirt, Dating mit Fisch. Aquaristik a la Carte. Sie fühlte sich wie ein Red Devil, Cichlasoma bad. Ein Beatpunk, einer aus Osnabrück. Eine echte Räuberhöhle war das, kein Ender Error. Electroclash, bis der Installateur kommt. Jede Nacht. Fast so schlimm wie im AJZ das beer und die Hotknives der Kriminellen in der nächtlichen Stadt.

Sie fühlte ihre Wut abebben. Kein Wunder, sie war vor einen Laternmasten gelaufen, der ihren Vorwärtsdrang entschlossen bremste. Zeit für Zitate, aber ihr fielen keine ein. Du bist der UTW! dachte sie, aber sie blieb ruhig. Ihr Kopf tat sehr weh. Die Laterne ging nicht weg. Sie würde um einen Schritt zur Seite nicht herumkommen. Die Interviews fallen für heute aus, dachte sie. Ich bin auf Batreisen. Das würde sie der Agentin sagen und ihr eine tagcloud ins Gesicht pusten.

Müller wünschte sich den Coffee! Kaffee! Ihrer Eltern. Der war so fantastisch, das er ins Reich der Mythologie gehörte, wie Zentauren oder die Wartezeit auf die Aerial-Platte von Kate Bush. Ihre Egotronic lief an und sie dachte an den Ostbunker, wo ihr gesichert der kopf platzen könnte. Ein Gedanke an Prussianblue und sie entschied sich zum Weiterleben und später platzen. Sie brauchte noch einen echten Hellboy für die Nacht, nicht wieder wieder solche Posies wie letztes mal. Die bauten so schnell ab!FESTOON .. sie musste niesen. Aber der Gedanke blieb. Hm. ja. Die hatten so kleine, niedliche tools – ob man die widgets nannte, wie im Google Desktop? Nein. Besser, sie würde den Kopf bald free bekommen. MMOG! Lautstark schneuzte sie ihre Nase. Monty Python würde ihr Leben gefallen, dachte sie. Wenn nicht.. verdammt, sie dachte an Scortum.

Müller drehte Calexico lauter und versuchte nicht weiter an die Partnersuche und sonstigen Webkram zu denken. Australien! Vielleicht konnte man eine Reise in einem Quiz gewinnen? Ihr wissen über Pflanzen war groß. Ipomoea? Süßkartoffel! Gar kein Problem. Sie sah schon den Monitor vor sich und dahinter Günther Jauch. Die Manöverplanung hatte begonnen.

Später, am Schreibtisch. Müller benqte The Organ auf die Fundsachen. Bruno? Tot. ASCII? Langweilig. JJ1? Vergessen. Themafindung für das Quiz war wie Solitaire. Armes Deutschland. Vielleicht lieber am Minesweeper Worldcup teilnehmen? Warren Ellis fragen? Die Größe seiner Cups checken? The Canvas is still blank. Kopete schwieg. Star Wars? Nicht schon wieder. AMD64? Wen interessierte das? Spumco? Nein. Morissey? Drama. Oeming interviewen? Ihr fehlten klar die Clienten. Geld fehlte und Ideen. Es wäre gut, Psi-Fähigkeiten zu haben. Ob Kevin Smith so etwas auf Lager hatte? View Askew.. hm.. klingt verdächtig. Aber dann wäre Clerks 2 nicht passiert. Sie brauchte einen Router für die Routen ihres Lebens. Communities. Sie war immer die Gringa Loca, selbst in ihrem Pleasuredome. Sie sah nie die ganzen Movies des Lebens, sie bekam immer nur die Trailer mit. Der Nickname war ihr Leben. Silvester? Bambix, Penelope Houston. Supabond. Punkrock! Und erst ihre Schuhe! Ihre Göttinen, die ihr gesungen hatten. Der Internet Explorer verusachte Geräusche wie ein Songbird. The Avengers – wo waren sie jetzt? Im Lidl hatte sie drängende Fragen, und keiner antworte auf Email! Google Talk. Y!? Nutzlos.

Niemand mochte sie. Nichtmal Tiere. Keiner hatte Lust auf ihre Spiele. Warum gab es da nie jemandem beim matching? Kein Schnee? Keine Geschenke? Flock you all. Sie wollte endlich mal aufeinander liegen, mit jemandem aus dem Webchat und Google Analytics mit ihm treiben. Danach Ren & Stimpy. Dapper Spider-Man. Animationsfilme rockten. Amarok würde laufen, die alte Mike Oldfield Scheibe. Man würde sich ein Netzwekr aufbauen, das Forum in Bielelfeld besuchen, bei Microsoft KDE einführen, einen Weekendplanner einstellen, nett essen und Windows 98 CDs beim nächsten Konzert live per Skype dem tödlichen Shardreader überantworten. Yahoo! Plemo spielen, seine software vor der Webcam abhärten, dann Grog bei der Siesta. Ach ja. Das würde ein Dorfkind glücklich machen, das wäre Liebe. Referrer zu ihr! Calvin Klein oder nicht, sie würde ihn nehmen, so technosexual-peinlich er auch sein mochte, sie brauchte einen Mann zum eingehenden Studium. Für ihre Gesundheit. Bielefeld würde in den Grundfesten erschüttert. Erotische Architektur in Helsinki wäre nichts dagegen. Vergiss die Agentur für Arbeit. Lord Blaubeere würde sich kleinlaut in seine PC-Suite verkriechen und grillen. Borat schauen vielleicht. Ein Aksimet Festival, mit einem Youtube plugin für sein Blog, das er in seinem Iphone anschauen würde? Nein, der würde sich eher für katzenkrankheiten interessieren. Darüber gab es sicher mehr auf Flickr. Mobitelefonie. SEX! Irc Browser. MSN sogar, und vor allem Sushi weblogs. Tags, nachts dann Beta Prosa LIVE! Frauen! Alles auf dem Nokia N95, seinem Handy. Müller musste Husten und stellte fest, das sie sich verlaufen hatte. Zeit zum Schlafen wie eine Katze auf gebundener Literatur. Auf einem Lager von RSS S60 Stöckchen nach neuester Norm. Vorsicht, da ist E65 drin, ein Geschmacksstoff, naturidentisch. It’s a Marvel and very PC. Sie träumte von Doktor Bastardos Chatweisheiten, kleinen Pixies. Und von Fussball. Comics und Cartoons.. .vor Gericht. Party! Schreiben!

Gute Arbeit, Müller. Dafür hast du ein Paar Rezepte verdient.

  1. Aber ich habe es geschafft, immerhin. Was kriege ich dafür? []

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4 comments

  1. caesar’s avatar

    Kann man irgendwo Vorschläge für den Online-Pulitzer einreichen?

    “Der Gedanke daran ließ sie strahlen wie einen Beamer”

    Hammer, selten so herrlich gelacht, das rettet den trüben Tag gleich zweimal. Auch wenn mein Kopf sogar vom Lesen schon raucht.

  2. Denis’s avatar

    Danke sehr. Aber ich garantiere dir, Du hast keine Ahnung, wie sich mein Kopf beim Schreiben angefühlt hat. Die Person, die mich dazu angestiftet hat, wird sich etwas Gutes als Belohnung ausdenken müssen. Jawohl.

  3. Meriche’s avatar

    Bei Wort 2164 verzweifelt gescheitert, aber selten so herrlich gelacht beim verzweifelten Scheitern.

    Zeit zum Schlafen wie eine Katze auf gebundener Natur.

    Na, danach musste natürlich wieder etwas platteres ran. Obwohl, es war ja das Gegenteil von platt.

  4. Denis’s avatar

    Verbindlichsten Dank, meine Dame: Wünsche ein gutes Nickerchen.

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