Darf man das noch, Blog schreiben über sein Leben?

Ich schreibe gern Episoden aus meiner jüngeren oder älteren Vergangenheit, die allermeisten meiner Lieblingsweblogschreiber tun das auch. Wenn man über sein Leben schreibt, dann kommen da auch andere Leute vor, deren Wege man mehr oder weniger freiwillig kreuzt. Das ist absolut unvermeidlich und letzten Endes auch ein ganz wichtiger Faktor dessen, was bloggen für mich so unterhaltsam und oder suchtgefährlich macht.

Murmeltiertag hat einen interessanten Beitrag über Maxim Biller und seinen Roman “Esra”, der nun niemals erscheinen darf, weil der Autor nämlich bescheuert genug war, zuzugeben, das reale Personen im Buch vorkommen: Nur unter anderem Namen. Dummerweise kam das nach einer unerquicklichen Trennung nicht so gut an, eine bestimmte Person klagte – die Titelheldin- und bekam Recht. Wie zu erwarten. Nun steht das Urteil da, schwarz auf weiß, für alle Ewigkeit.

Danke, Herr Biller, für diesen Präzedenzfall und ihre unermessliche Dämlichkeit. Das wird anderen Autoren und Weblogszene noch viel Freude bereiten, die eh durch die Heerscharen von Abmahnern gebeutelt wird, die hier bereits eine Goldgrube gefunden hat. Die nächste tut sich gerade auf. Kann man da noch über sein Leben schreiben, ohne neben allen Figuren (das mache ich ja schon lange so) sich selbst soweit zu anonymisieren, dass man definitiv nicht erkannt werden kann?

Klar kann man. Wenn man ganz, ganz doll aufpasst. Und wenn man vorher von allen Personen aus seinem Umfeld Einverständniserklärungen einholt. Nicht das die sich wiedererkennen und später mal beschließen, mich nicht mehr zu mögen/mal etwas Knete brauchen zu können. Vielen Dank, Herr Biller.

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4 Kommentare

  1. just4ikarus’s avatar

    horror. dann könnte ich neon wilderness einstellen. hmpf. da gehts ja um mich und alle anderen rund um mich. danke, herr biller. hmpf.

  2. Denis’s avatar

    Man sollte vielleicht noch erwähnt haben: Biller hat wohl ausgesprochen derb über seine Ex hergezogen, die auch ganz offensichtlich als sie selbst zu erkennen ist, was er auch noch mehrmals öffentlich gesagt hat. Daher ist das Urteil wohl nicht das bloggersche Damoklesschwert schlechthin, weil wir das eigentlich alle eher selten tun. Wir sind ja freundliche Zeitgenossen. Meistens.

    Aber das Leben wird dadurch natürlich nicht gerade einfacher.

  3. just4ikarus’s avatar

    Meistens. Aber nicht unbedingt immer. Ich erinnere mich an einige Blogtage. Puh. :D

  4. Denis’s avatar

    Ich mich auch. Leider. :P

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