Ich habe mich vor einiger Zeit mit dem Gedanken getragen, mit dem bloggen ganz aufzuhören und machte eine (sehr) kurze Pause, später kamen noch ein paar Beiträge, in denen ich von nicht eingeplanten unangenehmen Ereignissen die Rede war, über die ich mich aber nicht weiter äußern konnte/wollte. Die Sache sollte nun erledigt sein und ich kann zumindest ein paar gute Ratschläge fallen lassen.
Es ist mir genau das passiert, das schon einigen Bloggern vor mir passiert ist und wohl auch jedem von uns irgendwann fast unausweichlich Haus steht: Die erste Abmahnung. Bei mir kam es nicht dazu, weil ich einen bösen, bösen Link zu etwas absolut Illegalem gesetzt hätte. Nichts, was ich selbst hier geschrieben habe, war in irgendeiner Art und Weise Teil des Sachverhaltes: Ich hatte einen Beitrag über den meiner Ansicht nach überaus zweifelhaften Broterwerb einer ganz bestimmten Sorte von Abmahnern (!) geschrieben und einer der die daraufhin eingeschlagenen Kommentare hat einem Abmahner (!) nicht gefallen, der im Text erwähnt wurde.
Natürlich alles mit einer extrem kurzen Frist über das Wochenende, die es mir vollkommen unmöglich machte, mir bis dahin auf normalem Wege rechtlichen Beistand zu organisieren, was natürlich nur reiner Zufall sein konnte. Zum Glück hatte ich den auch schon mal auf ausgesprochen derbe Weise betroffenen Sven zur Hand1, außerdem gab es unbezahlbaren Rat von Bruder Simon. Ich will nicht die gesamte Geschichte erzählen – aber ein paar kleine Tipps will ich loswerden.
- Reagier in der angegebenen Frist. Abmahnung einfach ignorieren – hmhm. Würde ich nicht tun. Ein Fax o.ä. reicht auch aus, ebenso eine Bitte um Fristverlängerung. Auf gar keinen Fall einfach so irgendwelche vorformulierten Sachen unterschreiben, in denen du dich für zigtausend Sauereien verantworten sollst. Sei kein Idiot. Auf Rettet das Internet gibt es eine ganz gute Checkliste und jede Menge lesbares(!) Material zum Thema, das auch eher für die Bloggende Zunft hilfreich ist als für die Situation am Arbeitsplatz.
- Nimm das beanstandete Material von deiner Seite. Sorg dafür, dass es auch wirklich nicht mehr zu finden ist.2 Bei der Gelegenheit solltest du auch gleich schauen, ob du Impressum usw. korrekt eingerichtet hast. Man will ja nicht noch mehr Angriffsfläche bieten, oder?
- Wenn du einen Kommentar auf deinem Blog hast, der dir spanisch vorkommt – lösch ihn sofort vollständig! Nicht dazu Stellung nehmen, nicht kürzen, all das kann dir als “zum eigen machen” dieser Aussage ausgelegt werden.
- Sorg für eine Moderation von Kommentaren. Bei mir ist es so, dass ich die jeweils ersten Kommentare von neuen Besuchern freischalten muss. Schalt sie notfalls ab, wenn du mal eine längere Zeit nicht am Blog arbeiten kannst: Man könnte versuchen, dich verantwortlich zu machen.
- Wenn du ein armer Schlucker bist – das gilt für absolut alle meiner studierenden Freunde – dann hast du womöglich Anspruch auf Beratungshilfe. Das bedeutet, das deine Anwaltskosten übernommen werden, maximal kann man dir dann den ganzen Spaß für €10 in Rechnung stellen, die meisten fordern aber diesen Anteil gar nicht erst ein. Du gehst zum Amtsgericht und bekommst einen Beratungsschein ausgestellt, mit dem du dann zum Anwalt deiner Wahl spazieren kannst. Für NRW-Bewohner gibt es beim Justizministerium online Formulare und Hilfstexte. Wirklich sehr hilfreich.
- Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die ganze Sache lange nicht so dramatisch ist, wie es im ersten Moment aussieht. Deshalb die allerwichtigste Sache: Keine Panik.
Die meisten dieser Abmahner sind Profis und lassen nicht so schnell locker – ihr Ziel ist es nicht, zu einem Prozess zu kommen, sondern deine bitter verdienten Kröten abzugreifen. Oft sind ihre Schreiben mehr als nur ein wenig wackelig, schlecht formuliert und rechtlich zumindest zweifelhaft – ernstnehmen sollte man sie trotzdem. Bei Privatpersonen kann es sein, dass man sich auf einen langen Papierkrieg einstellen kann, mit immer neuen Fristen – irgendwann wird das genervte Bloggerwesen doch nachgeben und zahlen, wär doch gelacht! Ich habe am Ende dann doch einen Anwalt beauftragt, der mal zurückgeschossen hat – dann kam ganz schnell ein Friedensangebot. Das habe ich dann angenommen und eine relativ geringe Summe gezahlt – das schmerzt meinem angeschlagenen Gerechtigkeitssinn ganz erheblich. Aber: Ich habe keine Schuld zugegeben und alle Forderungen sind nun vom Tisch. Das war mir meine Nachtruhe wert, die tatsächlich sehr unter dem Papierbombardement gelitten hatte.
Was habe ich davon gelernt? Freie Meinungsäußerung in Deutschland? Ist gefährlich. Als Privatperson vielleicht noch mit Rechtsschutzversicherung denkbar. Auch wenn ich noch relativ glimpflich davongekommen bin, werde ich mir auch überlegen, wie ich das Geld wieder hereinbekomme. Werbung auf Gorgmorg? Buttons für Spenden? Ich denke wirklich darüber nach.
Aber ich höre natürlich nicht wegen solcher Angriffe auf. Darauf könnt ihr euch verlassen. Auch darauf, dass ich das nächste Mal etwas leichtere Kost serviere. Ich bin die ernsten Worte satt.
- Ich habe auch am Ende dieselbe Kanzlei beauftragt, mit ganz guten Erfahrungen. Aber ich greife hier vor. [↩]
- Den Beitrag z.B. in WordPress einfach auf “Entwurf” zu schalten, hilft oft genug nicht, wenn das Ding vorher schon publiziert war. Mit direkten Links auf den Beitrag kommt man hin und genau den haben die Suchmaschinen garantiert schon parat. Der Abmahner findet sie leicht und wird dir einen Strick daraus drehen. [↩]
Schlagworte: Abmahnung
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Gruselig… und erschreckend, wie schnell es einen treffen kann.
Aber dann andererseits gut, wenn man auf einen kompetenten Rechtsbeistand zurückgreifen kann.
Kopf hoch, und lass dir den Spaß am Bloggen nicht nehmen… Diese Wesen dürfen nicht gewinnen…
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Wieso kommt nicht mein Avatar nicht bei dir? Schütz du dich auch vor dem;-)?
Ich mache den Spagat zwischen zwei Ländern…und langsam verstehe ich, warum mir alle Deutschen sagen…Ohhhhhhh die Schweiz, wie gern wäre ich da…spinnst den du, nach Deutschland zu kommen? In den deutschen Kindergärten darf man z.B. kein Foto schießen, von seinem eigenem Kind, wenn noch zwei fremde Kinder drauf sind…da muss man anscheinend die Eltern vorher um Erlaubnis bitten..??????lg Hispace
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