Pleasuredome

Artikel mit dem Stichwort Pleasuredome.

Zu sowas wie “Revivalparties” zur Wiederbelebung lang verstorbener alter Stammläden halte ich ja nicht viel, trotzdem tauche ich immer wieder dort auf, weil ich rücksichtslos mitgeschleppt oder zum hingehen erpresst werde.

Einige von euch werden inzwischen mitbekommen haben, dass ich vom Land komme, ich bin also einiges gewöhnt, was bizarre bis lebensgefährliche Anfahrtswege angeht. Man hat immer eine warme Decke im Wagen und für den Fall der Fälle Schneeschuhe, eine Signalpistole zum Signalisieren sowie Hai-Abwehrmittel zum Haie abwehren.

Aber dann, am Ende einer eisbedeckten unbeleuchteten einspurigen Straße in der tiefen Nacht, da brennt ein Licht. Das sind die Autos, die keinen Platz mehr auf dem Parkplatz gefunden haben und nun zurück müssen. Das bedeutet, wir müssen auch zurück – im Rückwärtsgang zusammen mit allen anderen Wagen, die zwei Kilometer hinter uns stehen. Der Fahrer klagt über Nackenschmerzen.

Aber wir haben das geschafft und waren dann doch noch auf der Party. Die sah so aus, als wäre noch eine Vorveranstaltung für die Eltern der eigentlichen Gäste im Gange. Ich konnte kam jemanden erkennen. Einer hat mich erkannt. “Siehst aus wie immer, nur fetter”. Offensichtlich hatte er sich auch nicht geändert. Da musste ich nichtmal hinschauen.

Mit der Zeit wurden die Leute jünger, die älteren gingen – oder das hatte vielleicht etwas mit dem Alkohol zu tun, den man unbedingt trinken musste, um die Situation ertragen zu können.

Am Ende finden sich dann die ungefähr vier Leute, die man sowieso öfter sieht und man schafft es, das possierliche bis lüsterne Tun der älteren Leute mit ein wenig Distanz zu betrachten und das Ganze unterhaltsam zu finden.

Irgendwann geht man dann nach Hause und stellt fest, dass es viel glatter geworden ist, weil man nämlich im Minutentakt auf dem Hintern landet – vielleicht hatte das etwas mit dem Alkohol zu tun, den man unbedingt trinken musste, um die Situation ertragen zu können. Vorbei an Autowracks ohne linke Frontscheinwerfer und linken Kotflügeln, welche den Heimweg für die Parkplatzparker sicher ein wenig komplizierter gestalten sollten. Über solche gemeinen Gedanken kann man sich zwischen den Stürzen großartig amüsieren, müsst ihr wissen.

Aber dann ist man doch endlich am Wagen und freut sich, doch noch knapp vor acht Uhr ins Bett zu kommen.

Wenn nicht Mitfahrerinnen feststellen, dass ihre Handtaschen ganz sicher nicht mitgekommen sind. Alles zurück.

Wird ja keine Ewigkeit dauern, oder? Nun, jedenfalls dann, wenn die Straße nicht spiegelglatt und voller Autowracks steht, über deren Lästigkeit man sich vor gar nicht langer Zeit amüsiert hatte und die sich nun als mindestens doppelt so lästig erweist, wenn man selber aufgehalten wird.

Außerdem habe ich einen Kater.

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Closing Time

Nun, heute ist der letzte Tag für meinen alten Stammladen, den Pleasuredome in Oppenwehe. Ich werde nicht da sein. Aber ich war es einige Male in den letzten beiden Wochen, so auch gestern.

Meine sentimentalen Gefühle, die sich natürlich nach 15 jahren.. ogott, 15 Jahren? … einstellten, sind wieder weg. Genau nach Plan übrigens. Ich dachte mir, wenn ich mich nur lange genug der Gesellschaft von weinerlichen Langweilern aussetze, die aus sympathischen Leuten mutierten – dann werde ich auch ganz gut mit dem (sicher nicht endgültigen) Ende der Stemweder Landalternativdissen-Institution klarkommen.

“Oh, ich werde den Laden echt vermisssen. Wie schade…” sagen meistens die Personen, die am längsten nicht mehr dort anzutreffen waren.

“Dich habe ich ja nicht nicht mehr gesehen, wie schade…” sagen meistens die Personen die genau wissen wie ich zu erreichen bin, und immer zu erreichen war. Meine Güte, ich stehe im Telefonbuch. Und wenn man meinen Namen in Google eingibt, wird man mich wohl auch finden. Genug Webkrams habe ich ja nun wirklich verbrochen.

Und dann die partielle Oldiebeschallung. Es gab den Dome vielleicht 18 Jahre, aber nicht 40. Vielleicht ist das für die graubärtigen Lehrertypen gedacht, die da mit ihren blondierten, leicht welken Weibchen an der Theke hängen und Selbstmitleid mit ein wenig Arroganz verbreiten, und die nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Menschen, die zu ihrem eigenen ehemaligen Feindbild geworden sind. Ich gehöre nicht mehr wirklich dahin, denke ich mir. Und ich treffe eine gar nicht mal so alte Bekannte, die mich nach meiner Nummer fragt. Ich freue mich, und gebe sie ihr.

“Ich melde mich.” sagt sie.

“Wirklich?”

“Vielleicht.” sagt sie.

“Nein, mit Sicherheit nicht.”, sage ich mit einer mich selbst überraschenden Überzeugung.
Sie fragt mich ob ich ihr böse wäre. Nein, bin ich nicht. Und dabei lüge ich nicht einmal. Ich weiss nun einfach wieder einmal besser, wer wirklich meine Freunde sind. Ich weiss besser, wem wirklich etwas an mir liegt. Das ist doch eigentlich ein verdammt gutes Gefühl, findet ihr nicht? Meine Freunde sind toll. Ob sie nun aus diesem Laden stammen, oder woanders her. Das Jetzt ist nicht so übel, und allemal ehrlicher.

Die Gegenwart tritt noch allemal den faltigen Arsch der Vergangenheit.

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