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Meine Güte, Michael: Es ist schon weit gekommen mit dir. Sogar Marianne weiß nicht mehr weiter und muss im Fernsehen um Hilfe rufen.

Schlimm.

Wenigstens ist er nicht von so langweiligem Zeugs abhängig wie andere Leute –  Alkohol, Koks, High Heels oder Sex. Die Sparschäler sind tatsächlich neu – ich dachte immer, man könnte sich mit den Dingern nur unangenehm Haut von den Fingern schnippeln. Zweifellos habe ich sie unterschätzt.

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Der Kontrollierer sah mich neugierig an und gab vor, sich für den Klappentext meines dicken Taschenbuches zu interessieren. Tatsächlich hatte ich so eine Ahnung, was seine wahren Absichten anging und sie erfüllte mich mit unaussprechlichem Grauen: Er wollte vermutlich mein Ticket sehen, welches ich nicht vorlegen konnte. Das wäre mein Ende und ich würde mich in die lange Reihe seiner Opfer einreihen. Aber ich war noch nicht bereit zu sterben: Ich hatte noch niemals einen ordentlichen Hasenrücken zubereitet.

“Ich ware gerade auf dem Weg zum Bahnhof und da passierte es”, begann ich die so aufregende wie wahre Geschichte. Er lauschte gebannt und so war ich gezwungen, mein Garn ein wenig kreativer weiterzuspinnen. “Ich schlenderte auf meiner so besonders elegante Weise über das Pflaster und das geschah barfuss – aber das ist eine andere Geschichte. Plötzlich verlor ich den Boden unter den Füßen – und schrie überrascht aber keineswegs angstvoll auf. Ein Gullideckel hatte ich vor mir geöffnet, wie es die Art der heimtückischen Lauerjäger ist. Zu spät. Ich fiel und fiel… ich überschlug mich und zeigte einige bisher unbekannte Flugmanöver, die an die paar Kellerasseln als Publikum vollkommen verschwendet waren.

Es war dunkler als im Innern einer Calzone. Aber ich fühlte etwas unter meinen Füßen. Es fühlte sich nicht wie die gefährliche Krokohandtasche meiner Großtante an, aber es war nah dran: Ich stand auf einem kapitalen Krokodil und konnte nur aufgrund meiner unvergleichlichen Geschicklichkeit das Gleichgewicht halten. Ich zündete mein stets bereites Sturmfeuerzeug und  verschaffte mir einen Überblick: Ich befand mich nicht etwa in einem der üblichen Kanäle, sondern das Krokodil schwamm in einem ausgedehnten unterirdischen Fluss. Zu meinem Missvergnügen musste ich feststellen, dass mein Krokodil nicht nur begann sich zu räkeln – es war wohl kitzlig oder hungrig- noch dazu war es nicht allein: Die Wasserfläche war nicht etwa von Baumstämmen bedeckt, sondern von den schuppigen Rücken weiterer Panzerechsen.

Was tun? Ich fasste mir ein Herz und sprang… von einem Krokodil zum nächsten… immer weiter, bis ich am Ende des Tunnels schließlich ein strahlendes Licht verortete. Ich strebte darauf zu und mit einem großen Satz erreichte ich…”

Wir hatten die erste Haltestelle erreicht und der Blick der unerschütterlichen Servicekraft senkte sich in meine unerschrockenen Augen. “Nun, das ist nicht die letzte Geschichte…” sagte ich. “Solange suche ich auch weiter mein Ticket… ich erzähle sie, damit ihnen beim Warten nicht langweilig wird, in Ordnung?”

Er sagte nichts. Er starrte. Die Türen schlossen sich. Der Zug fuhr los.

Fortsetzung folgt.

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Denken wir uns einen milden Sommerabend, über Spanien heraufdämmernd, wenn eben der Flimmerschein des Laubes in dunkleren Farben erlischt, der Himmel im Westen geheimnisvoll hell ertönt und sich im Osten verfinstert. Denken wir uns Spaniens Goldenes Zeitalter, nach seinem herrlichen Zenith zum Ausklang gen Westen sinkend.

(The Charwoman’s Shadow, 1926)

Ramon Alonzo vom Turm und zum Felsenwald versucht seinem wenig fleissigen Vater Geld und seiner Schwester Mirandola eine angemessene Mitgift zu verschaffen und sucht sich daher einen zwielichtigen Lehrer in Sachen Goldherstellung. Der möchte als Lohn am liebsten Ramon Alonzos Schatten…  ein Handel, vor dem die uralte Scheuermagd in des Meisters eindringlich warnt. Natürlich vergebens, denn sonst wäre die Geschichte ja schon zuende. Das wäre sehr schade.

Ich glaube, dieses Buch geht wohl als “ziemlich obskur” durch – es ist sowohl ein Märchen aber auch eine Romanze und außerdem ironischer Abgesang auf das goldene Zeitalter Spaniens, welches Dunsany gern in seiner eigenwilligen Version beschrieb und es hier nicht zum letzten Mal als Bühne für seine Geschichten verwendete. Der Stil ist gewohnt blumig, reich an Schnörkeln wie auch die Handlung – nichts für ungeduldige Leser allerdings, die Hochspannung erwarten. Wer Dunsany bislang nicht mochte, wird auch hier nicht glücklich.

Ein feiner Humor zieht sich durch das Buch und machte es mir leichter, gewisse Längen zu verzeihen – das Ende hingegen ist berührend, angemessen märchenhaft und voller Wehmut.

Mit der letzten Seite nämlich endet nicht nur diese Geschichte, sondern auch das Goldene Zeitalter ist für immer vorbei.

Für mich ist Der Schatten der Scheuermagd eines der schönsten Bücher für die letzten glänzend warmen Tage vor dem grauen Spätherbst. Wenn ihr es finden könnt, dann lest es.

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Nebelzeit

Der blaue Himmel ist wie eine unendliche azurne Weite, die meine Gedanken fortziehen lässt, weiter und weiter. Die Sonne wärmt mein Gesicht und ich muss blinzeln.

Nun ist der blaue Himmel nur ganz selten zu sehen, viel öfter ist es dort oben grau und ich kann blinzeln wie ich will, gewärmt werde ich nicht. Aber das ist auch in Ordnung.

Der Nebelhimmel ist wie eine Leinwand, wie Büttenpapier für die Feder meiner Phantasie. Auf die Unendlichkeit kann man nicht schreiben, aber das hier ist wie gemacht für Geschichten.

Ich werde wieder mehr schreiben.

Der Nebelhimmel ist schon ganz zugekritzelt mit Notizen. Ich muss sie nur noch abtippen.

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Ein erfahrener Kollege hat mir einmal nahegelegt, möglichst schlecht erreichbar zu sein – nur das würde mich vor einem Burn-Out bewahren. Wer es wirklich ernst meine, würde im Zweifelsfall anstelle eines Sozialarbeiters andere Stellen anrufen:

  1. Die Feuerwehr
  2. Die Polizei
  3. Den Rettungwagen
  4. Die Krisennummer des Jugendamtes
  5. Batman

Da hatte er vielleicht nicht ganz unrecht. Ich habe mich aber nicht daran gehalten. Bis jetzt.

Nur dass ich in letzter Zeit gar nicht für meine schlechte Erreichbarkeit konnte, das waren die verschiedenen Telekommunikationsunternehmen.  Bis vor etwa sechs Wochen wohl bekannt wurde, dass ich kündigen wollte. Alles. Kabel, Mobilfunk, Internet, Festnetz. Ich wollte Geld sparen und bin darum… äh, zu einer Firma gewechselt, die für eine so beunruhigende wie unerklärliche Vorliebe für Magenta bekannt ist. Wirklich? Wirklich. Nur ein weiteres unschönes Beispiel für meine komplexen Vertragsverhältnisse.

Natürlich begannen so erst die Probleme. Aber das habt ihr ja schon geahnt, nicht wahr?

Ich rede jetzt nicht davon, dass die Anbieter nicht einfach eine Kündigung akzeptieren.  Nicht dass sie sich weigern. Aber sie wollten vorher “noch ein paar Details in einer Beratungssituation” klären.  Ich kann auf Kommando sehr dumm und sehr wütend wirken – “ich verstehe das nicht, das regelt besser mein Anwalt für mich” – das hat dann gewirkt.

Dann fiel mein DSL Anschluss aus. Der Supportmitarbeiter half mir treuherzig über die lange Warteschleife hinweg – “Ach, die ist doch kostenlos für unsere Kunden.” Wie schade, dass ich gerade auch den Ausfalls meines Telefonanschlusses melden wollte, der lief ebenfalls über das Internet. Das sei aber schade und sicher auch teuer per Handy.  Meinte der. Die Störung nahm er aber nicht auf. Das sei bald wieder gut, in 1-2 Stunden. War es aber nicht. Natürlich nicht. Der dritte Supportmitarbeiter nahm dann die Störung ‘korrekt auf’, die vorher hätten irgendwie “Mist gebaut”. Nach 10 Tagen  bekam ich die Nachricht, dass sie nun die Meldung an den Netzbetreiber weiterleiten würden, sie bräuchten lediglich noch Informationen über die Art der Störung. Der Techniker kam zwei Tage später. Es lief, dann fiel es wieder aus. Nach zwei Wochen hatte ich wieder DSL. Gut, dass ich bereits gekündigt hatte.

Was meinen Mobilfunkvertrag angeht – die Kündigung “würde noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen”, teilte man mir mit. Das überrascht mich natürlich nicht. Denn die Vertragslaufzeit wird laut Webseite so angegeben:

In diesem Sinne: Ich hoffe, wir verlieren – auch in Zukunft – nicht den Kontakt.

 

Katzensitzen

Meinen Leute sage ich, ich sei zum catsitting gefahren. Das stimmt nur zur Hälfte, denn natürlich besuche ich die Katze in Abwesenheit meiner Eltern, aber die Katze will nicht, dass ich sitze oder mich auch nur in irgendeiner Form mit ihr beschäftige.

Die Katze will was zu beißen.

Mehr als sonst.

Wenn ich nicht wüsste, dass mein Bruder den Kater schon heute mittag reichlich versorgt hat. Wenn der Katzenfressnapf nicht halb voll wäre.  Dann würde ich glaube, dass das arme Tier am verhungern ist. Das Futter von heute mittag ist natürlich ungenießbar. Dazu muss eine Katze von Welt nicht einmal irgendeinen Blick abfeuern. Die Körperhaltung ist eindeutig.

Fülle er den Napf mit frischer Nahrung, nur vom Besten soll’s sein und er möge sich sputen. 

Nachdem das Werk getan ist, trottet das Biest wieder weg, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Zeit für sein Hobby, Ausdemfensterstarren.

Ich liebe Katzen. Ich vermisse den alten Flohsack, sobald ich wieder in Bielefeld bin. Ich weiß nicht genau warum…

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