Katzensitzen

Meinen Leute sage ich, ich sei zum catsitting gefahren. Das stimmt nur zur Hälfte, denn natürlich besuche ich die Katze in Abwesenheit meiner Eltern, aber die Katze will nicht, dass ich sitze oder mich auch nur in irgendeiner Form mit ihr beschäftige.

Die Katze will was zu beißen.

Mehr als sonst.

Wenn ich nicht wüsste, dass mein Bruder den Kater schon heute mittag reichlich versorgt hat. Wenn der Katzenfressnapf nicht halb voll wäre.  Dann würde ich glaube, dass das arme Tier am verhungern ist. Das Futter von heute mittag ist natürlich ungenießbar. Dazu muss eine Katze von Welt nicht einmal irgendeinen Blick abfeuern. Die Körperhaltung ist eindeutig.

Fülle er den Napf mit frischer Nahrung, nur vom Besten soll’s sein und er möge sich sputen. 

Nachdem das Werk getan ist, trottet das Biest wieder weg, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Zeit für sein Hobby, Ausdemfensterstarren.

Ich liebe Katzen. Ich vermisse den alten Flohsack, sobald ich wieder in Bielefeld bin. Ich weiß nicht genau warum…

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In jedem Jahr ist es dasselbe Spiel mit mir: Ich werde so ungefähr ab der zweiten Hälfte des Septembers sehr, sehr müde und bleibe es auch. Das bedeutet, dass ich unter der Woche nach der Arbeit so erledigt bin, dass ich kaum noch einem ordentlichen Film folgen kann, geschweige denn einem ordentlichen Gespräch oder einer Lesung… oder einem Buch.

Das liegt vermutlich daran, dass ich keine Lust habe, mich abends schlafen zu legen – dafür dämmere ich dann vor mich hin und ärgere mich darüber, dass ich die ganze Zeit so dämlich herumdämmere. Sobald mal etwas Interessantes passiert, penne ich natürlich augenblicklich ein – es reicht schon, wenn mal eine neue Folge How I Met Your Mother kommt – dann bin ich unweigerlich direkt nach dem Vorspann im Reich der Träume angekommen – dorthin habe ich nämlich immer einen Sonderzug gebucht, der in Sofanähe wartet.

Im Grunde sollte ich an Tagen wie diesen Urlaub nehmen und dann so ab Mitte Oktober wieder anfangen zu arbeiten.  Komischerweise scheint sich die Arbeit in diesen Wochen immer geradezu unverschämt zu häufen, also fällt diese Option aus.

Ich könnte natürlich auch mal den inneren Schweinehund plattmachen.

Oder einfach ICQ, Facebook… all die Kommunikationswege zeitweilig ausschalten, bevor ich durch meine Trägheit meinen Mitmenschen auf den Geist gehe.

Ich kann jedenfalls behaupten, dass ich meinen Halb-Winterschlaf im Halb-Winter habe.

In dieser Zeit führe ich so lange Krieg gegen den Schlaf, bis ich vernünftig werde und endlich bedingungslos und glücklich kapituliere, bis ich zur Kaffeezeit wieder aufwache.

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Manchmal braucht man nicht mehr als einen blauen Himmel, einen weiten Blick über die Felder, eine pennende Katze als Gesellschaft und Geschichten die noch aufgeschrieben werden müssen.

Das Leben war schon einmal einfacher und weniger anstrengend, aber heute und hier und jetzt an diesem Ort unter dieser Sonne ist es in Ordnung. Ich lehne mich zurück und warte, bis der Tee fertig ist.

Eigentlich sollte ich Pilze suchen gehen, oder?

Vielleicht suche ich gleich Pilze.

Vielleicht nicht. Ich schaue über das Gebüsch in den Himmel hinauf und speichere den Eintrag.

 

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Man hat mir Murakami schon oft empfohlen.

Wohl nicht ganz ohne Grund – ich habe da dieses Faible für Geschichten, die am Rande des Phantastischen und vielleicht einen kleinen Schritt darüber hinaus stattfinden. Schlaue Leute mit gutem Geschmack hatten schon lange etwas von diesem Herrn aus Japan gelesen und da genau den richtigen Stoff für mich vermutet.

Um dieser Besprechung ein wenig die Spannung zu nehmen: Auch wenn ich fast zehn Jahre brauchte, um dann doch endlich einmal mit Kafka am Strand meinen ersten Murakami zu beginnen… hatten sie doch recht. Empfohlen bekam ich den Autor ausschließlich von Frauen, geschenkt bekam ich das Buch dann von einem Mann. Das hat sicher nichts zu bedeuten.

Was ist zwischen den Buchdeckeln? Eine Ödipus-Geschichte mit allen Schikanen, Regen aus Blutegeln, ohnmächtige Schulkinder, Gespräche mit Katzen, Beethoven, Flucht, Freundschaft Bibliotheken und Sex.

Dazwischen sind ungefähr zwei fast unerträgliche Szenen untergebracht, die mich das Buch erst einmal weglegen lassen wollten… natürlich habe ich es nicht getan. Ich habe einmal tief durchgeatmet, die Augen für einen Moment geschlossen und dann weitergelesen. Die Leute, die mir gegenüber im Zug saßen – die haben sich bestimmt gewundert.

Freundlich, modern und gut lesbar geschrieben, eine gute Geschichte und dann und wann wunderschöne Zeilen… ich glaube, das wird nicht mein letzter Murakami sein

Bitte wartet auf keinen Fall zehn Jahre.

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Wenn man so betrachtet, wie viele Leute nicht mehr auf ihre Blogs schreiben, wie sie in die sozialen Netzwerke umziehen – egal wie die nun heißen mögen, Facebook oder Google Plus und die VZs dieser Welt und diese Welt als kurzen, schnell dahingetippten Wegwerfnachrichten an eine kleine Gruppe von Kontakten… dann muss ich nachdenken und ich frage mich, ob das alles war, warum sie einmal gebloggt haben: Der Klick auf das “gefällt mir”. Ob man damit seinen Kontakten positiven Eindruck und ihre Aufmerksamkeit erregt. Reicht das?

Nun, für mich war das nicht alles.

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Ich würde mich nicht unbedingt für einen religiösen Menschen halten, aber die Idee einer großen, unbestechlichen und sicheren Gerechtigkeit, die irgendwann kommen wird – die finde ich gut und tröstlich. Ich bewundere diese Menschen für ihren Glauben, der nichts mit diesem hässlichen, modischem Zynismus zu tun hat. Das vor nicht langer Zeit zu erleben hat mich sehr berührt. So dass mir die Worte fehlten.

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Die merkwürdigen Fehden verschiedener (Kommunikations-) Elektronikfirmen und ihrer Fans erinnern mich immer mehr an aggressive Fangruppen im Stadium, die unbedingt voneinander ferngehalten werden müssen. Denn sonst könnte es knallen. Da muss man schonmal aufpassen, welches Mobiltelefon man öffentlich zeigt. Noch eine Gemeinsamkeit mit Hools: Ihre Muttis würden sich schämen – die der Samsung-, Apple-, und Google Chefs und so weiter… und die ihrer fanatischen Kaufsklaven sowieso.

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So. Nun kann ich meine Spülmaschine ausräumen.

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Bahnbrechendes aus der TV-Beilage.

Erst durch dieses Fundstück in der Küche alter Bekannter ist mir ein wichtiges Detail offenbart worden: Wir Stiere scheinen uns gelegentlich zu häuten. Vor allem, wenn die alten Muster feststecken.
Kein Wunder, wenn man sich die stierische Haut als eine Art lederne Tapete vorstellt. Wenn die runter muss, kann das in Arbeit ausarten.

Einige Fragen stellen sich mir: Hat der Stier eine berufliche und eine private Haut? Ist der Stier – und das würde alles ändern! – ein Reptil mit regelmäßigen Häutungen oder doch eher das Larvenstadium eines prachtvollen, vielleicht insektoiden Lebewesens? Wenn aus der Raupe nach der Häutung ein wundervoller Schmetterling wird – was schlüpft dann nach der Verpuppung aus dem Kokon eines Stieres?

Will ich das wirklich wissen? Interessante Bilder entstehen in meiner Hochleistungsphantasie…

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