Vermutlich wusstet ihr noch nicht dass ich ein ebenso portables wie bisher geheimes Archiv mit mir herumtrage. Egal wohin ich auch gehe, es geht mit mir. Es besteht aus Zetteln, die sich manchmal in Notizbüchern befinden, manchmal auch nicht. Gelegentlich tippe ich deren Inhalt in mein Smartphone, damit die kostbaren Wörter darauf niemals verliere. Diese Wörter sind Namen.
Viele meiner Freunde schreiben auch auf die eine oder die andere Weise und oft beklagen sie sich darüber, dass ihnen keine Namen einfallen wollen. Deren Problem habe ich überhaupt nicht.
Mir fallen ständig alberne oder tolle Namen ein, manchmal sogar tolle alberne Namen. Ich muss sie unbedingt notieren, damit ich sie nicht wieder vergesse. Einmal vergessen kommen sie fast niemals zurück. Sie sind also kostbar und müssen unbedingt festgehalten werden.
Vielleicht notieren meine schreibenden, Namens-armen Freunde einfach nicht so viel wie ich.
Ein wenig kniffliger ist es allerdings, zu den Namen passende Geschichten zu finden. Einige illustre Gestalten warten in meinen Notizen, um irgendwann eine Person zu finden, auf die sie gewartet haben. Sie gelten als schwer vermittelbar. Aber sagt ihnen das nicht ins Gesicht.
Manche haben schon eine Gestalt, wie Krallburga – zweifellos eine Katzendame mit der ihr zustehenden Würde. Sie schämte sich bestimmt sehr, wenn man ihren Namen als “vielleicht etwas albern” beschriebe.
Wieder andere haben schon den richtigen Klang für eine bestimmte Rolle wie Costeau Schmidt – der hat einen gewissen Schwung, oder? Wohl einer der Guten, aber sicher nicht ohne eine Neigung zur Arroganz… nein, nicht wirklich. Leute, die so etwas sagen, die verstehen ihn einfach nicht richtig.
Vielleicht habe ich eines Tages sogar Zeit und Muße, um den glorreichen Düsengrafen in der richtigen Geschichte unterzubringen.
Wo ich jetzt darüber nachdenke: Nicht vielleicht. Mit Sicherheit sogar. Ich sehe sie schon vor meinem inneren Auge entstehen: Erst, wie er aussieht, nämlich bärtig – schnauzbärtig – und dann die Geschichte, die nicht etwa über den Wolken spielt, sondern…
Oh, ich sollte nicht immer so müde sein.