Arbeit

Artikel mit dem Stichwort Arbeit.

… und der letzte Bericht ist geschrieben, die letzte Abrechnung ist getippt und der letzte Übergabebogen übergeben. Dafür, dass ich nur zwei Wochen lang Urlaub haben werde und nicht einmal wegfahre, sorgt man schon gut dafür, dass ich besagten Urlaub auch wirklich brauche – völlig unnötig übrigens: Ich bin in jeder Hinsicht erschöpft.

Komischerweise macht die Arbeit in den letzten Tagen besonders viel Spaß, obwohl ich kaum noch dazu komme, irgendetwas anderes zu machen; die paar hastigen Zeilen im Blog und eine oder zwei Mails, mehr habe ich gar nicht geschafft und schon gar nicht irgendeine Art von Hausarbeit.

Ihr ahnt nicht, wie es hier aussieht…

… aber das ist ja auch egal, hoffe ich.

Bevor ich in mich zusammenfallen kann, werde ich noch zwei Tage interner Fortbildung in einem fernen Waldgebiet ohne irgendeine Art von Internet überleben müssen. “Leitbildschulung” inklusive. Das klingt so schwer nach einem finsteren Kult… ob wir etwas Unaussprechliches beschwören werden und den Planeten schon sehr bald unterwerfen?

Bald mehr. Viel mehr. Wenn ich schon kaum noch Kommentare1 und fast keine Emails mehr bekomme – warum fragt ihr mich nicht in der Zwischenzeit etwas? Oder schreibt mir einen Kommentar? Damit ich lerne, dass noch eine Außenwelt existiert, in der man an mich denkt und die es wert ist, verschont zu bleiben.

Muahahahha.

Ach. Ob ich noch so etwas wie ein Leben habe? Ob es jemanden interessiert? Ob mich wer sehen will? Wird sich zeigen.

  1. Außer ich drohe an, das bloggen ein wenig zu bremsen. []

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22:06, Dienstag: Ich seit halb neun fast ununterbrochen gearbeitet und endlich ist … Feierabend.

Aufpeitschende Musk, Streicher vielleicht? Spannung wird aufgebaut, etwas schreckliches wird über die Idylle hereinbrechen.

(Denis geht schlurfenden Schrittes auf den Kühlschrank zu. Man sieht ihm an, dass er seine letzten Kräfte mobilisiert.

Denis: Mhhhrrr…

(Seine Hand am Kühlschrank. Er öffnet.)

Denis: Urrrrrgh!

(Er wendet sich ab und schaut sich die Bierkiste neben dem Kühlschrank an: Nur Leergut. Er sucht trotzdem.)

(Er sinkt kraftlos in sich zusammen, um sich danach einmal aufzuraffen, man sieht ihn schwanken.)

(Zoom out: Sein Haus. Weiter: Die Skyline des nächtlichen Bielefeld.)

Denis (unerträglich laut): NEIIIIIN!

Das Bier ist alle. Er hat vergessen, Bier zu holen.

*

Geneigte Leser, dieser aufwühlende und überhaus wahre Szene ist heute nicht alles! Nein, es gibt auch noch eine…

Sonderbeilage: Das gelegentlich nachgefragte Rezept für meinen mehr oder weniger berüchtigen Schafskäsedip.

Man nimmt eine Packung Schafskäse (200g), den man mit einer Gabel zerdrückt, dazu zwei ebenfalls zerquetschte Knoblauchzehen und 300g 10% fettigim Joghurt, das alles vermischen und mit Ölivenöl, Pfeffer und Salz abschmecken. Ist absolut genug für die übliche WG-Party.

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Frisch verbunden.

Ich verliere eindeutig zu viel Blut in letzter Zeit. Ist mein Job etwa gefährlicher als man gemeinhin annimmt?

Das ist einfach nicht meine Woche – heute dieser Überfall mit einem sehr scharfen Brotmesser1 und dann dieser Rammstoß mit einem Einkaufswagen voll in die Achillessehne, ganz zu schweigen von dieser Sache mit der Bowlingkugel von letzter Woche.

Bei mir geht alles schief. Dabei war ich vor drei Wochen noch so glücklich. Aber ich ahnte damals schon, dass ich dafür bezahlen würde. Glücklich sein, nur für ein paar Momente, das ist einfach nichts für mich – so scheint es jedenfalls. Wenn ein solcher Moment, kommt, dann versuche ich ihn ganz auszukosten und vielleicht nerve ich dabei endlos, aber… das ist mir vielleicht nicht egal, aber ich glaube nicht, dass sie verstehen.

Je mehr Mühe ich mir gebe, desto mehr geht scheinbar alles den Bach herunter. Ich kann zuschauen und versuchen es aufzuhalten, aber es macht keinen Sinn, fürchte ich. Oder doch?

Warum sollte das alles so düster sein müssen?

Du setzt dich hin und schaust dir an, was für einen Scheiß du eigentlich in letzter Zeit zusammengeschrieben hast; das Geschriebene ist ja so etwas wie kristalline Zeit, es kann eine Stimmung einfangen kann wie Bernstein eine Ameise.

Was mache ich eigentlich falsch? Wann bin ich so ein anstrengendes Arschloch geworden und seit wann ist jede Funkstille böse gemeint?

Warum kann es nicht wieder leicht und wundervoll und romantisch und sexy und lustig werden? Ist es schon lange her, dass all die Tränen nur aus Rührung kamen und es war gut?

Allerdings verdiene ich seit einem Monat deutlich mehr Geld, das passt zeitlich beunruhigend gut. Beruflich geht’s insgesamt super, natürlich – wie immer in solchen Tiefs. Egal: Ich würde gern eine Rückbuchung machen, bitte sehr. Und dafür möchte ich diesen wundervollen November und die drei ersten Wochen Dezember zurück.

Oder reagiere ich am Ende total über und ich bin überarbeitet und wenn die Arbeit vorbei ist, allzu uninspiriert und gelangweilt und … ich sollte vielleicht einfach mal nützlicher für meine Leute sein anstelle herumzujammern?

Morgen ist ein neuer Tag und unglaublicherweise kann ich ausschlafen und habe auch über Mittag frei. Ich würde gern eine Hilfe sein, aber die Chance kann ich mir nicht selbst geben. Ich würde mich freuen.

Unter dem Pflaster puckert es noch etwas, aber ich glaube es heilt. Ich kann etwas tun.

  1. Ich war gewarnt, es handelte sich nämlich um mein eigenes Messer in fremder Hand. []

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Streugut

Die Städte haben also nichts mehr zum streuen – das habe ich auch gemerkt, ohne dass das im Radio verbreitet wird, könnt ihr mir glauben.

Ich habe bestimmt heute an die 20km quer über die Fahrbahn rutschend verbracht, und vor einer guten Stunde bin ich dann endlich zuhause angekommen.

Mit einem (wieder) arg lädierten rechten Außenspiegel.

Und ohne Nerven. Das war heute wirklich lebensgefährlich. Dann habe ich noch eine lebensgefährliche Mail geschrieben. Und – lange nicht so schlimmer, aber immerhin – einen der selbstgebrannten Schnäpse meines Alten Herrn probiert.

An verschwundene Menschen gedacht, Leute die nicht mit mir sprechen. Nicht mehr können oder… ach.

Fühle mich leer. Und rätselhaft hoffnungsvoll.

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Na gut, es ist fast zehn – gestern war es dafür noch später. Du merkst es kaum, dass die Arbeit mit all den Vertretungen deine Freizeit fast komplett aufgefressen hat; natürlich müssen all die Berichte auch mal geschrieben werden.

Dir tun Gelenke und Knochen weh, deren Existenz du schon viele Jahre lang vergessen hattest. Oh, das ist auch noch da? Autsch. Gilt der Kopf als Gelenk? Nein? Dann auf jeden Fall als Knochen, das Dings fühlt sich ausnahmsweise nicht hohl, sondern massiv an.

Natürlich wird es nicht immer so sein. Aber du bist einfach nur noch so entsetzlich müde. Es war im alten Jahr genauso viel, aber du hattest das fast jeden Abend jemanden gehabt, dem du so viel erzählen konntest. Oder über irgendetwas reden. Das machte es viel besser. Geht im Moment nicht.

Das einzig gute daran ist, dass du wirklich eine Erkenntnis nicht länger vor dir selbst verstecken kann:

Du brauchst Urlaub. Mehr als nur ein paar Brückentage, Sportsfreund.

Ich glaube, den bekomme ich sogar, den Urlaub. Nur was mache ich dann?

P.S.: BONUS FEATURE:
Das “Nic Cage as Everyone” Blog. Viel Spaß mit der heutigen Sonderbeilage.

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Je mehr ich blogge, desto verrückter spielen die Leute um mich herum. Vor allem die Klienten. Die Kunden.

Es ist kalt und das welke Aushilfsfahrzeug, welches für mein endlich zum Ausbeulen beurlaubtes Kriegspony eingesprungen ist, hat beschlossen komplett einzufrieren. Alle Schlösser verweigern die Mitarbeit. Halt, nicht alle: Die Heckklappe! Zum Glück kann man ja die Rückbank umlegen und mit Tasche, Notebook und all den Ordnern von hinten reinkriechen und entspannt den Zündschl… moment: Scheiben zugefroren. Also wieder auf demselben Weg wieder raus und enteist.

“Ich komme zu spät”, puckert es durch mein schuldbewusstes Hirn.

“Termin muss leider abgesagt werden”, lautet die SMS, die zwei Minuten nach Abfahrt bei mir einschlägt.

Grrr.

Kurz vor Weihnachten Eltern davon zu überzeugen, dass sie ihre Grundschulkindern auf gar keinen Fall mit lebendigen Kuscheltieren überraschen sollten, das ist eine meine meistverhassten Situationen. In diesem Jahr ist das besonders populär; Meerschweinchen sind ja auch deutlich günstiger als ein Nintendo DS.

- Haben sie darüber überhaupt schonmal mit den Kinder geredet?

- Nein, das soll doch eine Überraschung sein!

- Das Nachbarskaninchen hat ja nun auch einiges durch ihre Kinder einstecken müssen, erinnern sie sich?

- Ja, schon… aber…!1

Ich sage, sie sollen ihren Nachwuchs lieber selber mal ein wenig kuscheln, halte aber meine Chancen auf Kleintierrettung für höchstens Fifty-Fifty.

Wenigstens schaffe ich es, zu Mittag ein paar Scheiben Brot im eigenen Heim einzuwerfen, bevor es weitergeht. Ich packe meine Sachen und ziehe wohlgenährt und hochmotiviert die Tür hinter mir zu. Klack. Ein verdammt befriedigendes Geräusch.

Die Sonne kommt raus und ich fühl mich allmählich entspannter.

Zwei beschwingte Schritte später fällt mir ein, dass die Schlüssel – alle Schlüssel – noch auf dem Tisch liegen.

In solchen Momenten fühlt man sich so richtig alt, bis man durch ein elektronisches Signal darin unterbrochen wird.

Das Diensthandy erinnert mich nachdrücklich – ich habe noch 15 Minuten, die 4,6 km bis zum wichtig-wichtigen Termin… zu laufen.

Na, dann mal los.

  1. Dieser Dialog ist natürlich rein fiktiv []

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