Arbeit

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Level Up!

Seit einer Weile habe ich eine Nebenaufgabe aufgetragen bekommen: Ich bin dafür zuständig, dass die Drucker bei mir auf der Arbeit immer fleissig weiterdrucken und niemand einfach so Pausen begründen kann. Zweifellos eine verantwortungsvolle Rolle. Ich war also der Druckerbeauftragte und fühlte mich mächtig und prachtvoll.

Meine Herrschaft über Toner und Drucker würde streng, aber gerecht sein.

Doch dann stellte ich fest: Ich hatte gar nicht die notwendigen Rechte bekommen, um auch die verbrauchten Seiten pflichtgemäß in die Dokumentation zu tippen. Ich bekam sie vom Chefoberbossherrscher.

Seitdem hat sich mein Titel in Druckerbeauftragte geändert. Offenbar bedeutet das genau dasselbe, nur mit richtiger, echter Macht.

Ich habe offensichtlich ein neues Level erreicht. Außerdem bin ich die neue Kollegin.

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Ich rede nicht vom Burn Out. Nein, was ich am beunruhigendsten bei Menschen im Sozialwesen finde, ist eine ganz andere Diagnose: Zwanghaft positives Denken… oder besser gesagt: Zwanghaftes, rücksichtsloses Gutfinden und Es-auch-mal-positiv-sehen. Das macht mir vor allem deswegen Sorge, weil ich selber auch schon davon befallen war… oder: Ich bin es vielleicht immer noch. Aber ich habe es akzeptiert und kann nun hoffentlich dagegen vorgehen.

Ich heiße Denis und ich bin Schönredner.

Egal, welche persönlichen Schicksalsschläge, Katastrophen und Niederlagen einem Menschen auch widerfahren mögen, der Sozialarbeiter wird immer noch eine positive Sichtweise dazu finden. Ihr könnt euch darauf verlassen. Beliebt ist zum Beispiel:

“Sie haben den Job nicht bekommen? Nun, da haben sie endlich Klarheit über ihre Außendarstellung bei Einstellungsgesprächen.”

Oder auch:

“Ihr Mann hat sie verlassen? Nun, jetzt haben sie endlich Gelegenheit, ihr eigenes Leben selbst zu gestalten. Sehen sie das gute darin! Wie, der Gedanke kam ihn noch gar nicht? Sie lieben ihn? Naja… also, wenn sie mal bedenken… bla bla…”

Mal ganz abgesehen von den fürchterlichen Grausamkeiten, die man über straffällige, drogensüchtige, verprügelte oder prügelnde Kinder und Jugendliche sagen kann. Ich kann euch garantieren: Ich kann euch zu jeder Lebenslage eine Erwiderung liefern, die es mir ermöglicht selbst auf keinen Fall etwas nah an mich heranzulassen und ganz, ganz sachlich und produktiv zu bleiben.

Das ist manchmal praktisch und auch notwendig.

Aber manche Leute (ich) haben ab der ersten belastenden Zeit im Beruf angefangen… auch im Privatleben so vorzugehen. Ich merke erst jetzt, wie unerträglich ich geworden sein muss – wenn jedes tiefer gehende Gespräch in zweckorientierten Smalltalk mit klar ausformulierten Zielvorstellungen münden muss, nur weil ich nicht ertragen kann, dass mir etwas zu nahe geht. Klar, ich will immer nur helfen. Das stimmt wohl.

Aber manchmal muss man nicht “helfen wollen”, vor allem dann wenn man es einfach nicht kann. Manche Dinge sind schlimm. Manche Dinge sind schrecklich und sie hinterlassen Narben und niemand kann dagegen etwas tun. Manchmal sollte man nicht produktiv und zielorientiert und handlungsfähig-distanziert bleiben.

Sondern Freund.

Oder mehr.

Zugeben, dass man mitleidet. Da sein.

Es tut mehr weh. Aber ich habe es vermisst.

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Ein Monat im neuen Job und ich fühle mich schlauer als vorher. Nicht unbedingt weil ich so viel neues gelernt habe – und das habe ich – sondern weil ich wirklich das Gefühl habe, besser denken zu können. Wenn ich mal nicht längere Zeit konzentriert an einem Projekt arbeite und dabei neue Sachen lerne… dann werde ich langsam dämlich. Vielleicht ist das eine frühe Form von Verkalkung: Ich war faul und glücklich und fühlte mich lieb gehabt – so versumpfte ich geistig immer mehr. Eigentlich habe ich ziemlich wenig verstanden, was mir erzählt wurde.

Aber ich war eben auch glücklich. Heute fühle ich mich eher effektiv und “gut in meinem Job”.

So eine Kombination aus “Sich glücklich und geliebt fühlen” und “trotzdem geistig auf der Höhe zu sein” – das wäre doch mal was, oder?

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Wer hat wohl so detailverliebt vor meinem derzeitigen Arbeitgeber diese Räumlichkeiten verwendet? So etwas habe ich ja noch nie gesehen.

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Ich habe schon in vielen Büros gearbeitet und nicht immer bin ich mit allen Kollegen gut ausgekommen. Genauer gesagt kann ich mich an einige wirklich unangenehme Charaktere erinnern, die scheinbar den ganzen Tag vollends damit ausgelastet waren, ihren Mitmenschen das Leben zur verkomplizieren. Aber selbst wenn man ganz allein im Büro zu sein scheint, es gibt immer eine boshafte Präsenz. Sie geht nichts ans Telefon. Sie macht keine Pause. Sie belegt nie das WC. Niemals plündert sie den Kühlschrank oder drückt sich vor dem Einzahlen in die Kaffeekasse.

Man könnte glauben, wir hätten es bei dieser Präsenz mit einem wertvollen Mitarbeiter zu tun. Sie lauert nur darauf, bis ihre Chance kommt. Sie hat ihren eigenen festen Arbeitsplatz und tut so, als wäre sie nützlich. Das tut dieser stille Feind nur solange, bis wir uns in Sicherheit wiegen… währenddessen werden wir schon mit einem giftigen Gas geschwächt.

Aber dann ist der Moment da und unser  Feind zeigt sein wahres Gesicht.

Wir reden natürlich vom Kopierer, aber das haben meine geneigten Leser und Leserinnen sicher schon lange vermutet. Ihr hattet Recht, Hurra! Aber es wird euch nichts nützen, denn es ist viel zu spät. Wir haben keine Chance gegen die unsäglichen Gemeinheiten, die der mechanische Schurke gegen uns ins Feld führt.

Ich brauche nur den “Automatischen Einzelblatteinzug” zu nennen, der in Wirklichkeit nur einen Zweck hat: Unersetzliche Originale zu zerfetzen. Beim Hersteller nennt man diesen Teil aus genau diesem Grund auch “Schredder”, was ich passender finde. Papierstaus kommen grundsätzlich nur dann vor, wenn man es wirklich eilig hat und diese Kopien unbedingt jetzt braucht.  Dann aber staut es richtig. Es ist erstaunlich, wo es überall Papierstaus geben kann und wie kompliziert es sein kann, diese zu beheben. Nicht einfacher wird es durch die absichtlich verwirrende Anleitung zur Behebung dieser “Fehlfunktion” (ha!) – genau wie geplant.

Denkt mal darüber nach, wie groß ein Fotokopierer ist und trotzdem nicht mehr kann als eine dieser Kopierer-Scanner-Fax-Drucker Kombinationen, die man für etwas 100€ kaufen kann – eher viel weniger. Er ist nicht etwa nur ein großer, stinkender Haufen veralteter Technologie, der  einmal in Schwung gebracht auch einen robusten Sachbearbeiter flach wie ein Mauspad walzen kann. Nein, es ist ein Zentner aus 100% purer, Ozon verströmender Bosheit. Ich habe keine Ahnung, was noch an tückischen Fallen in seinem scheußlich aufgeblähten Körper lauern.

Er sieht eigentlich harmlos aus, viereckig und beige. Aber er ist dein Untergang. Erst vernichtet er deine Arbeitszeit,  danach zerstört er deine Kleidung durch Toner (vermutlich auch giftig), dann zerstört er deinen Ruf und zuletzt will er dein Leben, daran kann jetzt kein Zweifel mehr bestehen.

Sagt später nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

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Das hätte ich eigentlich nicht erwartet: Ich fuchse mich viel schneller in eine radikal andere Arbeit ein als ich mir je träumen ließ.  Zwar bin ich immer noch Sozialarbeiter und habe immer noch mit benachteiligten Menschen zu tun, aber das waren auch die einzigen Gemeinsamkeiten. Allerdings, wenn man es genauer betrachtet… ein übergänge sind schon fließend: Früher hatte ich in erster Linie mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die Förderschulen besuchen – heute habe ich mit Leuten zu tun, die aus Förderschulen (und so weiter…) kommen und beim Eintritt ins zauberhafte, funkelnde Regenbogen-Arbeitsleben begleitet werden.

Ach ja, ich muss sie auch unterrichten.

Ohne die Chance, meine Tagespläne fast jedes Mal mit einem unterrichtsgestählten Profi gegenzuchecken, wäre ich tausend Tode gestorben. Einfach nur um zu hören “ob das ok ist”. Heute mache ich das auf eigene Faust und sterbe meistens … tausend Tode – da ich aber immer wieder  aufs Neue den Tag überlebe, gewinne ich allmählich mehr Sicherheit. Was ich so alles kann… erstaunlich.

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass all meine Teilnehmer in der einen oder anderen Form lernbehindert sind … so wahnsinnig viel Stoff kann ich mit denen gar nicht durchnehmen und das was ich schaffe, geschieht sehr langsam. Das kommt meiner eigenen Lernkurve gerade ganz gelegen. In ein paar Wochen fange ich an, sie in Praktika zu vermitteln – dort werde ich sie dann weiter begleiten, besuchen und für ein paar Tage im Monat auch noch beschulen.

Das also geht leichter als erwartet. Weniger lässig ist der Papierkram, der ganz klassisch auf Papier in zig dicken Leitzordnern in streng festgelegter Art und Weise vonstatten geht – die muss ich alle anlegen und bestücken. Nebenbei läuft alles natürlich auch noch parallel am PC. Und ich dachte, Berichtswesen wäre meine Stärke…

Aber das schaffe ich auch noch, liebe Leute.

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