ausgehen

Artikel mit dem Stichwort ausgehen.

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Da machen ein paar gute Leute mit und ich gehe da sicher auch hin. Falls ihr noch nicht Bescheid wusstet.

Kostet 4€.

Hier mehr.

Ich pack das auch ins Blog, weil ich den Flyer so putzig finde.

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Freitagabend?

Seltsam: Ich habe noch gar nichts vor an diesem Freitagabend. Das ist nicht üblich, normalerweise habe ich eine ganze Handvoll verschiedener Zerstreuungen zur Auswahl.

Könnte sein, dass heute auch eine Menge los ist.

Bin aber zu faul zum Nachschauen.

Vielleicht bin ich ja alt geworden?

Och ne. Ich würde es anders ausdrücken: Ich bin anspruchsvoll geworden. Jedenfalls heute. Nicht, dass ich nicht ausgehen würde – aber ich bräuchte schon eine ganz besondere Gesellschaft, dann ist mir eigentlich auch fast schon egal, was man unternimmt. Oder eben gar nichts außer dem Sofa und etwas Wein und etwas Bier und Inspiration aus der Stratosphäre oder der Funkelnden Inneren Welt.

Netter Gedanke. Andererseits…
… ich habe nur noch drei Flaschen Bier und dabei handelt es sich noch dazu um Oettinger Pils – welches wie bereits mehrfach erwähnt nicht von mir angeschafft wurde. Mal ganz nebenbei: Das da – diese nur den ersten Blick bierähnliche Flüssigkeit – soll das beliebteste Bier Deutschlands sein? Wir stecken tiefer in der Krise als ich mir bis jetzt eingestehen konnte.

Ach, vielleicht gehe ich doch lieber aus. Und vorher kaufe ich vorsichtshalber ein.

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So ist das heute in bestimmten Läden mit einer Klimaanlage; entweder kann man nicht atmen oder man fröstelt sofort, wenn man nur etwas herumstehen oder -sitzen will. Also begebe ich mich in Richtung der Tanzfläche. Tänzer sondern unter anderem auch Wärme ab und es zieht hier nur selten so sehr wie vor der Theke.

Außerdem bin ich hier sicher vor dem Kartoffelmann. Der hatte mich vorher aus der Menge herausgepickt, um mir von seinen verschiedenen Plänen zu berichten, die alle das gleich Ziel haben: “Deutschland zu ficken!” Einer davon hatte mit der Entwicklung der THC-Knolle zu tun, einer gewagten Kreuzung von Marihuana mit einer gewöhnlichen Kartoffel. “Weißt du, wie das Reh heißt, Reinecke Fuchs? Das Reh? Kartoffelbrei! Das ist nämlich ist hier angesagt, wenn ich Deutschland ficke.” Der Kartoffelmann hatte eine hässliche rosa Sonnenbrille von der Sorte auf, die sonst nur graue Herren mit teuren Geländefahrrädern und engen Hochwasserhosen in der Fußgängerzone tragen. Der Kartoffelmann trinkt maßlos und mit großer Geste.

Er quatscht erbarmungslos und ungezielt jeden an, der nicht schnell genug den Ernst der Lage entkommt und ihm nicht direkt Schläge androht. Wir verkriechen uns von der Tanzfläche in eine lauschigere Ecke, aber er findet uns und berichtet, wie er sich mal seine Clavicula gebrochen hat. “Gut zwei Promille und plötzlich haben die so getan, als wäre ich schuld!”, berichtet er über seinen letzten Verkehrsunfall, der ihm finanziell nicht gut getan hat. Seine Stimme dröhnt plötzlich nicht mehr wie eben beim Mitbrüllen der Liedertexte und er sinkt in sich zusammen. Seine Klamotten aber sehen wirklich teuer aus. So eine schreckliche formlose Designermütze kostet bestimt Unsummen.

Irgendwann geht er weg und quatscht weiter, vielleicht war ihm das Geschichtenmaterial ausgegangen. Irgendwann noch später stehe ich etwas verloren allein herum und kultivierte eine dezente Gänsehaut; vielleicht nicht ganz ohne Zusammenhang mit den unverschämten Getränkepreisen – ich hatte die Karte eben genauer angeschaut. Sonst steht da keiner an der Theke, hinter der die beiden blonden Bedienungen müder werden. Ich stelle mir plötzlich vor, dass sie vor eben dieser Theke säße und ich merke wie ich bei der Vorstellung lächle, wie immer wenn ich an sie denke – vielleicht ist es unsichtbar für andere – es beginnt in der Mitte meiner Lippen und kriecht langsam hoch bis in die Mundwinkel – aber es wärmt mich, obwohl es nicht einmal ihre Stadt ist und auch sonst, ach unmöglich das sie hier sein kann, aber so kalt ist mir nicht mehr. Aber es macht auch keinen Sinn zu bleiben, ich gehe also.

Draußen ist es wirklich kalt, die Jacke kann ich zumachen, aber der Wind scheint direkt durchzuwehen. Es ist sehr still, abgesehen von den Schlagern in den miesen kleinen Kneipen auf dem Weg, mit der Angewohnheit weit die Straße hinabzudröhnen.

Eines dieser 25 km/h Dinger für Verkehrssünder ohne Führerschein knattert die Straße hinab. Darin zwei Typen, eng zusammengepfercht; der Fahrer hat seine rechte Schulter vor die linke seines Passagiers geschoben. Er schaut grimmig entschlossen nach vorn, der dick bebrillte Mitfahrer starrt scheinbar peinlich berührt gen Himmel. Ich höre das Knatterding noch lange, grinse und bedaure, kein Notizbuch dabei zu haben.

Also muss ich noch schreiben, bevor ich pennen gehe. Nun kann ich vielleicht einschlafen.

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Endlich bin ich mal wieder unter Leute gekommen, meine Hustenanfälle waren zurückgegangen und ich durfte hoffen, mich mit etwas Glück unerkannt unter Nichterkälteten bewegen zu können.

Wie immer nach längerer Abwesenheit fragte ich mich nach den ersten 20 Minuten, ob ich nicht vielleicht völlig fehl am Platze war. Ich hatte nicht einmal eine auffällige Frisur, dabei ist es doch das, womit man in dieser Szene scheinbar sein persönliches Statement an die Öffentlichkeit trägt. Zwar ist es immer dasselbe Statement – “Ich bin anders! Schaut her, meine Haare!“, aber meine Frisur hat der Welt leider überhaupt gar nichts zu sagen. Kein Wunder, dass man sich da minderwertig vorkommt – böse Zungen behaupten, ich hätte gar keine Frisur, sondern nur schlichtes Haar.

Sie hatten in meiner Abwesenheit umgebaut. Ich ziehe es vor, dass meine bevorzugten Ort sich niemals ändern, weil ich immer Monate und manchmal Jahre brauche, um mich neu an sie zu gewöhnen, oft gelingt es mir nie und ich muss dann leider wegbleiben.Die Neuerung: Eine großartige Maßnahme zum Nichtraucherschutz1. Da scheut man weder Kosten noch Aufwand:

Man hat einfach eine Glaswand mitten durch den Saal gezogen. Mit einer Glastür, auf der “Raucherbereich. Bitte geschlossen halten” steht. Ich habe beschlossen, diese Tür “Checkpoint Charlie” zu nennen.

Für mich ist diese Entscheidung ein Geniestreich. Man bedenke die Alternativen, die gerüchteweise im Gespräch waren:

  1. Eine Überdachung vor dem Eingang. (Wirksamer Nichtraucherschutz, unglückliche und verkühlte Raucher)
  2. Gar nichts, einfach nur ein Schild mit “Bitte nicht rauchen”. (Exakt dieselbe Wirkung. Die Leute kommen aber trotzdem. Wetten?).

Man bedenke, wie großartig sich die heutige Lösung dagegen ausnimmt. Von außen sieht der Raucherbereich aus, als hätte jemand großzügig Kunstnebel hineingepumpt. Die Besoffenen rennen schwungvoll vor die Glaswand – nennen wir sie “Anti-Nikotin-Schutzwall” – und unterhalten die Nüchternen genauso wie ihre Freunde. Eine spaßige und so bewährte wie deutsche Lösung. Herzlichen Glückwunsch dazu, Forum! Ich verneige mich in Ehrfurcht vor dieser wirksamen2 Maßnahme.

Ich bin nicht so recht fähig, mich an der Theke bevorteilen zu lassen, vor allen wenn es unabsichtlich geschieht und sich die Bedienung zu meinem Gunsten verrechnet. Erst recht bei der sehr, sehr hübschen Bedienung. “Du bist sehr ehrlich”, murmelt sie zu mir und huscht weg. Ich mag den Gedanken, dass sie später hin und wieder zu mir herüber gelächelt hat. Vielleicht habe ich mir das nur eingebildet, egal – ich fühlte mich gar nicht schlecht dabei.

  1. Zugegeben: Ich bin ganz froh, wenn ich nicht total durchgeräuchert nach Hause komme. Einzelne Raucher sind für mich aber überhaupt kein Problem. Ich kann auch Raucherinnenküsse toll finden, ehrlich. Kommt auf die Raucherin an. []
  2. Komischerweise bin ich selten so durchgeräuchert nach Hause gekommen wie nach dieser Nacht. Hmmm. []

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Das Leck

Es hatte etwas zu bedeuten, wenn die Katze nicht an einem warmen Platz liegenbleibt, sondern aufsteht und immer wiederkommt. Normal wäre, wenn sie aufsteht und geht. In diesem Fall: Ein Rohr im Katzen- und Heizungskeller war undicht und die Fliesen waren mit einer dünnen Wasserschicht bedeckt; nicht besonders viel Feuchtigkeit, aber genug um den Kater von einem Besuch des Katzenklos1 abzuhalten. Er schätzt nasse Pfoten nicht.

Nun, das Leck: Es tropfte nicht sehr, trotzdem erfordert es sofortiges Eingreifen der Technischen Hilfskräfte. Ich dachte, nach einen halbstündigen Einsatz wäre alles wieder in Butter bzw. abgedichtet. War es auch, für einen Tag.

Da wacht man morgens2 auf und will tatsächlich duschen, aber es kam nur blrrg blrrg splfff und dann endlich Wasser, in einer Temperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt, so knapp über dem Gefrierpunkt dass es eigentlich zählflüssig sein sollte.  Die Dusche und sonstige Generalreinigung wurde also großzügig verschoben.

Es kommt gelegentlich vor, dass man vor dem Ausgehen etwas Schlaf nachzuholen gedenkt und wirklich kurz davor steht, die Pläne in die Wirklichkeit umzusetzen. So war es heute. Nun, dachte ich mir, wenigstens sollte ich sauber in die Federn steigen; nicht nur der Hygiene wegen, sondern auch um danach erfrischt und startklar in die bereitliegenden Klamotten zu steigen und mich den Herausforderungen und unirdischen Genüssen des Nachtlebens wohlgewappnet zu stellen. Gut so, dachte ich mir, ein wenig durchgefröstelt war ich eh und malte mir eine angenehmes, überlanges, überwarme Duschsession der Verschwendung aus.

Das Wasser sei nämlich endlich wieder warm. Hatten sie gesagt. Endlich.

Wasser an, tatsächlich war es angenehm, dampfend, genau so warm wie ich das in Erinnerung hatte.  Sehr gut. Unter der künstlichen Wasserwand könnte ich Stunden verbringen, das ist so eine Art Meditationsort für mich. Ohren voller Wasser, Augen zu … ein rauschender Ort der Einkehr und der Besinnung, jawohl.

Shampoo in die Haare und … ein eisiger Schwall fiesester Kälte kam über mich, so dass ich mich nur mit einem halsbrecherischen Sprung retten konnte. Mit intaktem Hals testete ich die Temperatur und bereute es gleich. 

Es wurde auch Minuten später nicht wärmer, dasselbe galt für meinen Körper. Die Zähne klapperten noch nicht, kündigten aber entsprechende Maßnahmen für die nächste Zeit an. Klap, Klap, klp, klp, klack. Ich bekam eine Gänsehaut, die eine durchschnittliche Strukturtapete vor Neid erblassen lassen würde, wären Tapeten nicht im allgemeinen schon eher bleich.

Das Shampoo, wie immer reichlich davon, lief mir in die Augen. Half alles nichts – ich wappnete mich, drehte das Wasser an und … oh ja, es war überaus kalt. Ich stelle mir solche Prüfungen in den geheimen Schulen der Ninja vor, als letzte Herausforderung, die man entweder zu einer unbesiegbaren Kampfmaschine der Nacht gestählt oder schockgefrostet und leicht entsorgbar verläßt.

Ich, liebe Leser, bin eine unbesiegbare Kampfmaschine der Nacht. Leider kann ich so erfrischt auf keinen Fall mehr vorschlafen, was den Einschüchterungsfaktor doch deutlich abschwächt. Eine müde blinzelnde, gelinde besiegbare Sofabeschwerungsoption des späten abends.

  1. Alles auf der anderen Seite der Katzenklappe []
  2. Mittags, an einem Samstag []

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Nun hatte ich schon Jahre vom Café Glocksee gehört und war nun das erste mal dort; man schafft es ja nur so schwer, die gewohnte Umgebung zu verlassen – soziale Verpflichtungen, meine Geneigte Leserschaft wird das verstehen.

Heerscharen von durchgebibberten Rauchern auf dem spiegelglatten Hof. Meine Güte, ihr habt es auch nicht leicht – denke ich, und grinse vielleicht ganz dezent vor mich hin – nicht, dass ich noch meine rauchenden KommentatorInnen dumm von der Seite anschreibe, bevor ich überhaupt an der Bar angekommen bin.

Dort angekommen, expertly hingesetzt, die in freundlichen Kreidebuchstaben an die Tafel gekritzelte Karte studiert, Cider gefunden und erfreut bestellt. Die Bedienung scheint so viel freundliches Lächeln auf Lager zu haben wie Tattoos und sie ist lückenlos illustriert, soweit ich sehen kann und ich sehe eine Menge. Das Zeug in der Flasche – es ist “Strongbow” – erinnert mich an England und wie immer muss ich daran denken, dass ich bald wieder hinfahren sollte, nur nicht allein und das denke ich schon 8, 10 Jahre? Lange jedenfalls. Der erste Schluck ist wie immer etwas laff, aber dann passt es. Das fängt ja gut an. Mein Fahrer gibt mir seine Jacke zum bewachen und geht tanzen, ich nehme noch einen Schluck, stütze die Theke lässig mit meinem starken Rücken ab und schaue mich um.

Das Volk ist ganz schön jung und es gibt mehr teure Streetwear und Schminke als ich erwartet habe, dafür ist es eine bunte Mischung von Typen, das ist fast immer gut, weil es die Sache entspannter macht. Die Musik ist gut aber auch nichts Neues, Indietronic; man tanzt unter Raumschiffen. Meinen Fahrer sehe ich nach wenigen Minuten nicht mehr und ich beginne, einfach zuzuschauen und zuzuhören. Vor einem Jahr würde nun nun deprimiert werden und spontan und akut vereinsamen, aber heute … bin ich immer noch Single, immer noch nicht stinkreich und immer noch kein erfolgreicher Romancier. Es ist trotzdem in Ordnung, ich habe mehr als all die Spinner hier und anderswo verstehen können; ich habe noch nie so in mir geruht, ohne wirklich zufrieden zu sein. Fühlt sich gut an.

Neben mir steht stützt sich einer auf der Theke, der ist schon älter, außerdem dick und wacklig. Die ältere angefaltete Frau hinter der Theke redet auf ihn ein, er nickt ganz leicht und sinkt etwas in sich zusammen. Ich bin froh, kein Wort mitzubekommen. Dann gibt sie ihm ein Bier, sein mühsam zusammengesuchtes Kleingeld nimmt sie nicht. Er schwankt sehr langsam zur Musik. Als ich mich später wieder zu ihm drehe, ist er schon weg.

Teenager sind da, die so derb auf underground und understatement geschminkt sind, dass sie nur noch einen Kussmund hinbekommen, ihre Mimik ist schmollbetoniert und sie tragen alle dieselben Frisuren und Klamotten von H&M; überall ist es dasselbe. Das beruhigt mich irgendwie.

Exotische Situation ist das inzwischen für mich, niemand begrüßt mich hier, keiner hinter der Theke, den ich irgendwie kenne. Keine kostenlosen Getränke auch, aber die Preise sind fair. Ich mag schrecklich trinken, aber dafür bin ich klar zu allein. Geht schon.

Da ist ein Paar, das sich angefuselt auf mich lehnt. Sie ist wundervoll, sie überstrahlt die Musik – eine große Frau mit romantischer Nase; nicht mein Typ, aber das hindert sie nicht am strahlen. Sie kuschelt sich an einen Typen mit kalkuliert schiefsitzender Burberry (das steht drauf) Mütze. Er ist irgendwie überwältigt und zeigt Fluchttendenzen. Du hast keine Ahnung, wie glücklich du gerade bist, Mann.

Ich denke an warme Lippen auf meinen rissigen und ich bin plötzlich anderswo.

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