Baden

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Auch wenn ich siech bin, kann ich mich langweilen, sogar ausgesprochen gut und ich fange bei solchen Gelegenheiten an, Sachen zu tun, zu denen ich sonst nicht neige. Seit einiger Zeit bekomme ich Kataloge von teuren Designversendern zugeschickt, voller “Schöner Dinge”, von denen die sinnvollen anderswo billiger zu haben sind und die restlichen von einer beeindruckenden Nutzlosigkeit sind. Sehen wir mal von wichtigen Errungensschaften wie Grapefruitlöffeln oder kunsthandwerklichen, aus täuschend steinähnlichem Plastik hergestellten Wasserspeiern, Gnomen und Drachen. Oder kostbaren Papierkörben aus Bullenleder.  Ich denke da eher an mundgeblasene Vogelhäuser (damit sich singende Zeitgenossen ansiedeln) oder Philosophenbänke (damit sich denkende Zeitgenossen ansiedeln) oder Gartenruinen für Ungeduldige, denen es mit dem Verfall der eigenen Anlage nicht schnell genug gehen kann. Die salbungsvollen Produktbeschreibungen machten das Ganze doch ganz unterhaltsam. Ich war entzückt. Doch dann fand ich das hier und ich musste doch grinsen.

Schilfstoepsel

Augen auf Artikel Nummer 6 und vor allem auf die dazugehörige Skizze.

Um mal ganz ehrlich zu sein, fand ich schon die Idee, ein alleinstehendes Stück Plastikschilf in der Wanne vorzufinden nicht besonders aufregend. Nun gut, ich gebe zu: So blieben die Hände trocken, wenn man das Wasser ablassen will. Nur ist man zu diesem Zeitpunkt doch eher selten trocken, oder? Nun gut. Wer weiß. Vielleicht habe ich andere Badegewohnheiten.

Selbst wenn man diesen Punkt beiseite lässt: Ich würde mich ein wenig unwohl fühlen, wenn beim baden ein langes, grünes Stück Schilfimitat stolz zwischen meinen Beinen empor ragen würde.

Teichatmosphäre. Soso.

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Der Tag ging heute nicht besonders gut los, aber ich kann ja entlaufene Klienten genauso ertragen wie … nun, eine ganze Menge anderer Unerfreulichkeiten. Die Grenze war erreicht, als ich zum zigzwanzigsten Mal einen Schlag vermutlich statischer Energie durch mein Kriegspony verpasst bekam, das sonst als Gorgmobil oder auch als “VW Golf III tdi” bekannt ist. Das war nicht eine dieser kleinen, zickigen Entladungen, das war ein machtvoller Blitz, der auch durch die dicke schwarze Wolle meines Ärmels fetzte und … unangenehm war. Ich empfand das als undankbar – erst recht nach der kostspieligen Organtransplantation letzten Monat.

Es galt etwas zu tun und das war der Testeinsatz des Indischen Maharadja Bad, das ich kürzlich geschenkt bekommen hatte. Kein Moment konnte richtiger sein als dieser.

Ich briet mir ein paar Eier mit Speck, um akutem Frust beizukommen. Ein Bier später war die Wanne voll. Ich schaute mir die Flasche mit dem Indischen Maharadja Bad an, die ich aus der Umverpackung (“Bäder der Welt”) geschält hatte. Etwas zu dunkelrot, um beruhigend zu wirken, fand ich. Aber noch hatte ich es ja nicht einmal ins Wasser gegossen. Das holte ich nun nach.

Es roch gar nicht mal schlecht. Erhaben und etwas wie Yogi-Tee, nur ohne Milch und Honig natürlich. Die Färbung überzeugte mich nicht recht, die erinnerte mich an Hagebuttentee. Nur Mut. Denk wie ein Maharadja, Denis. Ich versenkte mich.

Holla. Das war echt gut.

Das entspannte noch viel besser als es roch. Ich fühlte mich irgendwie bedröhnt und war augenblicklich sehr zufrieden mit der Welt. Was für ein wohlbedachtes Geschenk, sowas kann man mir immer geben. Ich grinste und erzählte es meiner üppigen, aber leider imaginären Geliebten:

“Das ist echt gut. Baby. Komm doch rein.”

Weil sie imaginär war, konnte sie mir leider nicht beim Abtrocknen helfen. Ich war erfüllt von ruhiger Würde, wie ein Fürst aus dem geheimnisvollen Indien. Die Beschriftung war voll tiefer Wahrheit. Und ich roch gut. Verdammt. Ja.

Das würde ein sehr entspannter Abend sein. Ich hüllte mich in mein Abendgewand und betrat meine Ruheräume, um mich unterhalten zu lassen. Es gab nur noch eines zu tun. Mein unbarmherziger Blick traf den verachtenswerten Abwasch, der sich bisher feige seiner Erledigung entzogen hatte. Ein rasches und entscheidener Vollzug würde meinen Abend nur entspannter machen. Entschlossen drehte ich den Wasserhahn in der Spüle an.

Leider hatte ich die weiten Ärmel meines Abendgewandes außer Acht gelassen. Der Linke wurde gerade gründlich durchtränkt; der lange, geschwungene Wasserhahn hatte sich verstohlen in den Ärmel geschlichen. Tief in mir verpuffte die Entspannung in einem entsagungsvollen, wohlriechendem Seufzer und machte innerlichen Zähneknirschen platz.

(Wie gut, dass meine üppige Geliebte nur imaginär war. Das wäre doch etwas peinlich gewesen.)

“Bei Bedarf tägliche Anwendung.” Hmmm …

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