Bahnhof

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Nicht nur ein paar nicht ganz zu Unrecht ziemlich erboste Bürger besetzen nicht ganz überraschend einen Bahnhof, es sind 12.0001 und genau das war abzusehen. Dann kommt es zur Eskalation als man eine Unmenge Polizisten mit Wasserwerfern und all dem anderen Spielzeug dazu schaufelt.

Die Bloggergemeinde ist abwechselnd schockiert, verwundert (“Es sind doch nur ein paar Bäume”, “Es ist nur ein Bahnhof”) oder solidarisch, soweit jedenfalls reicht mein erster Eindruck.

Der zweite Eindruck: Es geht nicht nur um Bäume und ich bin fast sicher: Es geht auch nicht mehr so richtig um einen Bahnhof.

Es geht um die “wir haben doch alles offengelegt” und “da hätten sie mal vor 10 Jahren Einspruch einlegen sollten” und die “alles genehmigt, wir scheißen auf euch” – Denkweisen. Das “Wir können natürlich drüber reden, aber wir machen auf jeden Fall weiter – egal was ihr sagt.”

Ich habe über die Jahre schon eine Menge Demos erlebt und bei einigen war ich auch dabei, schließlich bin ich ein Kind der 80er Jahre mit Wackersdorf, Startbahn West, dem Schnellen Brüter in Kalkar und anderen Klassikern des Genres im Gedächtnis. Erst kürzlich hatten wir besetzte Hörsäle. Ich bin mir sehr sicher, dass auch die verschiedenen Polizeichefs und Innenpolitiker so etwas wie ein Gedächtnis ihr Eigen nennen – ich war damals ein Kind und kann mich genau an die Szenen im Fernsehen erinnern.

Jedes mal wenn eine große Menschenmenge sich zusammenfindet, gab es dafür eine Menge Gründe und der erste davon ist Ohnmacht – schließlich gibt es einen Haufen guter Argumente gegen diesen komischen teuren Untergrundbahnhof, aber “die” machen einfach weiter. Schließlich haben sie die Genehmigung.

Genau so, geneigte Leser – genau so war es damals auch. Es gibt eine friedliche Demo und immer noch keine Bereitschaft seitens der Bahnhofsbauer, eine echte Diskussion zu führen und schon gar keinen Baustopp. Die Demo wird größer und nun beginnt man, den Medien oder verschiedenen politischen Kräften vorzuwerfen, “Schuld” daran zu sein und die Bevölkerung zu instrumentalisieren. Da geschieht der Schritt schon fast automatisch, wenn “gewaltbereite” Teile vermutet werden und mehr und mehr Polizei dorthin beordert wird.

Irgendwer wird wohl die Nerven verlieren. Ganz sicher wird irgendjemand von 12.000 die Nerven verlieren, wenn man sich so einer uniformierten Armee gegenübersieht. Vielleicht sogar ein Polizist. Das sind ja auch nur Menschen, habe ich mal vor Jahren wen sagen hören.

Und dann geht es los.

Aber das hätte ja niemand erwarten können.
Man hatte ja keine Wahl.
Man muss ja Bäume fällen und Bahnhöfe bauen, sofort.
Bei all dieser Gewaltbereitschaft.

  1. Wer mag, kann hier auch einfach “Viele” einsetzen – ich weiß, man streitet sich um die Zahlen []

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Da wollte ich nur schnell mal zur Post und schon in dem Moment des krachenden Tür-hinter-mir-zufallens ist mir bewusst,  dass mir soeben ein Fehler unterlaufen ist:

Meine Wohnungsschlüssel sind in Sicherheit, nämlich in meiner Wohnung selbst aufgehängt. Direkt hinter der Tür die ich eben so entschlossen wie gedankenlos hinter mir ins Schloss gezogen habe.

Ich versuche meinen Schlüsselmeister zu erreichen – jenen würdigen Vertreter einer heiligen Gesellschaft, die den Nachschlüssel zu meinem Sanktum bewachen. Aber der ist nicht da, auch sein Handy scheint abgeschaltet oder gar abgeschafft.  Das werde ich bei seinem Meister erwähnen müssen. Der Gedanken daran schmerzt – nicht einmal mehr auf die Schlüsselritter kann man sich heute noch verlassen. Ich bin betrübt.

Auf die Post kann man sich auch nicht verlassen, stelle ich fest und knurre diese Information einer Katze zu, die das Pech hat in der Gegend herumzulungern. Ihr Blick trieft vor Verachtung.

Bevor ich mich auf den Rückweg mache, durchstöbere ich die Bahnhofsbuchhandlung. Ich finde zwei ungefähr zwei Meter große Leute, die sicher gute Chancen im Modelbusiness gehabt hätten. Wenn nicht diese schrecklick krumme Körperhaltung sie irgendwann dazu zwingen würde, in anderen Branchen Schaden anzurichten. Ich sah diese finstere Zukunftsvision kommen und beobachtete beide rein zufällig bei der Literaturauswahl.

-”Das soll voll gut sein.”
-”Sieht aber komisch aus. So mit dem Bild da drauf.”

Ich darf und kann nicht weiter zuhören. Aber nach einer Weile identifiziere ich das Buch: Generation Doof. Unter dem Titel steht: “Warum sind wir nur so doof?” (Oder so.)

“Ihr vielleicht”, denke ich. “Ich jedenfalls nicht.”

Dann wandere ich heim zu meiner Treppe um dort zu warten und per Handy was für mein Blog zu tippen.

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Diesen Ort sehen ich täglich zweimal und er ist jedesmal gleich spannend, darauf kann man sich wirklich verlassen. Mein neuer Arbeitsplatz ist in der dazugehörigen Stadt, einer wirklich hübschen Stadt mit einer wunderschönen Barockkirche und einer Altstadt aus Fachwerkbauten, ganz ohne Hochhäuser.

Dafür gibt es auch keinen Plattenladen, keinen Konzertschuppen, keine Punks auf den Strassen, nichtmal die üblichen traurigen Gruftis und Metaller, die sich vor den Fantasyregalen im Bücherladen drängeln.

Dieser Ort ist … einfach nur da.


Rinteln Bahnhof Hochgeladen von Moonmoth.

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