“Du sollst dein Butterbrot nicht zur Unzeit schmieren”, hörte ich eine mahnende Stimme durch meinen geliebten und einzigen Schädel dröhnen. Sie hatte ordentlich Hall aufgelegt, damit auch auch dieser biblischen Pathos voll rüberkam und zudem kam sie mir bekannt vor – schließlich waren es meine eigenen Stimmfalten, über die mein rebellierendes Gewissen soeben das Kommando übernommen hatte.
Sie hatte ja recht, die so sonore wie wohlbekannte Stimme.
Butterbrote sind in einer Notlage zu produzieren, man hat hungrig und inspiriert zu sein und man habe eine möglichst verlockende Mahlzeit in Aussicht, die als Belohnung dienen wird. Dann – und nur dann – produziert man Kniften für Kenner, Stullen für Schöngeister und wohl auch Brote der wertschaffenden Zunft, denen selbst ein verbitterter Agent der Sozialen Arbeit ein anerkennendes Mundwinkelzucken nicht verweigern kann.
Nein, man kann solcherlei Werk nicht mit satten Magen tun. Du musst Brote schmieren, als ginge es ums nackte Überleben. Nur dann kommt auch die Inspiration für gewagte Wunderwerke der Stapelkunst, die nicht nicht nur den Magen zufriedenstellen sondern auch den Feinschmecker in ihrer Mannigfaltigkeit immer wieder begeistern.
Schmiere Brote! Das Knurren deines Magens weise dir den Weg.


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