Die meisten meiner bisherigen Freundinnen waren etwas schräg, oft mochte ich sie auch genau aus diesem Grund. Ich bin nie besonders mit Durchschnittspersönlichkeiten ausgekommen, in keiner Hinsicht – und das obwohl ich sicher kein Paradiesvogel bin. Meine Beziehungen waren oft kurz, vielleicht auch weil die liebenswerten Macken meiner Freundinnen sich in einer Beziehung oft gar nicht mehr so charmant anfühlten wie in den ersten paar Tagen; vielleicht weil ich auch nicht gerade perfekt bin und genug Schwächen für ungefähr drei weitere Weblogs auf Lager habe. Nun gut, nicht alles läuft immer gut und man lernt, um hoffentlich ein besserer Mensch zu werden. Oder so. Etwas, das nicht ganz so pompös klingt.
Aber darum soll es gerade gar nicht gehen.
Meine Beziehungen waren in meinem Familien- und Bekanntenkreis steht eher umstritten. Selten gab es da eine Verbindung, die mir gefiel und gleichzeitig meinem Umfeld. So gar nicht. Immerhin waren meine Freundinnen schwierige Charaktere. Mit Sicherheit war ich eine schwieriger Charakter. So ganz leicht ist es mir nie gefallen, öffentliches Missfallen über die Wege meiner Liebe zu ertragen, das hat ja auch viel damit zu tun, dass man mein scheinbar in Liebesdingen imkompetentes und für monumentalen Liebeskummer anfälliges Selbst vor sich beschützen will. Ich will aber nicht beschützt werden. Ich will den Karren selbst in den Dreck fahren und dafür respektiert werden. Jawohl! So stelle ich mir das vor.
Da war mal eine Band, die ich toll fand, als ich klein war. Prefab Sprout . Die hatte einen Text auf ihrer Comeback Platte. Na, ein Stück davon. Ihr müsst euch das mit der sehr sanften Stimme des Sängers gesungen vorstellen, der angeblich mal Tankwart war und später fast erblindet ist.
They say the spirit moves in mysterious ways
Sometimes the way it moves looks plain berserk
But two things you should be slow to criticize
A mans choice of woman and his choice of work
Das wurde eine Art Mantra für mich. Mein Paddy McAloon-Mantra. Mein “Vertrauen sie mir, ich weiß was ich tue.”-Mantra. Mein “Ich weiss, dass es schiefgeht und das ich leiden werde, aber ich muss das tun, denn ich liebe sie.”-Mantra. Mein “Vielleicht geht es gut, das wäre so wundervoll”-Mantra. Na, ihr denkt vielleicht, das ich gerade traurig und trübsinnig bin, oder?
Nein, bin ich nicht. Ich überlegte nur, wie meine Freunde und Familie wohl darauf reagierten, wenn ich einmal mit “Everybody’s Darling” auftauchen würde, was eher unwahrscheinlich ist, immerhin entspreche ich dieser beschreibung selbst nicht – trotz meiner meist schlagartigen Beliebtheit potentiellen Schwiegermüttern. Ich sehe scheinbar nur so aus: Schwiegersohn. Oder? Ich hoffe nicht. Gestern hörte ich von einer Frau, ich sähe “zart” aus. Hilfe!
Vermutlich würde ich meine Freunde damit umbringen. Herzinfarkt. Tot. Der Schock, Sie verstehen. Es war zuviel für sie. Daher, weil ich euch auch liebhabe, suche ich mir weiterhin schräge, wundervolle, tiefsinnige, zum steinerweichen schöne, dramatische, kluge und schwierige Frauen aus. Die Sorte, die mich locker unter den Tisch trinken kann und dann lacht wie eine Piratin, nein, wie ein ganzes Schiff voller Piraten.
Aus Rücksicht.
Kommentare