Fenster

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Ich wohne im Erdgeschoss; mein Wohnzimmer hat große Fenster , die einen guten Blick auf die Straße liefern. Der Fußgängerweg führt unter den beiden Fenstern hinweg, gerade so viel tiefer, dass man die obere Hälfte des Kopfes eines relativ normalen Fußgängers sehen kann, gerade genug um eine beginnende Glatze zu diagnostizieren.

Ich schaue aber selten raus und gleichzeitig herunter, weil ich den Himmel mehr mag als Glatzen oder Frisuren oder die meisten Hüte. Die Leute schauen wohl nicht so viel hoch, jedenfalls bemerken sie meine Fenster scheinbar kaum. Sie unterhalten sich laut und sind sich wohl sicher, unbeobachtet zu sein. Dabei verstehe ich komischerweise selten einzelne Worte, aber ich bemerke doch in welcher Stimmung man ist, worum es geht.

Wie man sich dort streitet! Wie man lacht und über jemanden lästert, der ganz sicher gerade nicht in Hörweite ist. Wie man einfach so lacht – das gefällt mir viel besser.

Vor ein paar Tagen hat Arminia gewonnen und nicht am selben Abend kam einer an meinem Fenster vorbei, tief in der Nacht, der hat gesungen, wohl einen Schlachtgesang der Mannschaft in Blau, von denen ich keinen kenne. Er war sehr betrunken und lallte mächtig, dafür war er aber laut und das Schwanken in der Stimme klang wie das Schwanken auf seinen Beinen.

Und dann das metallische Klonk!, als er mit Schwung gegen die Straßenlaterne vor meiner Haustür gerannt war.

Danach stilles Murmeln und Murren. Er tat mir etwas leid, mir in meinem mucksmäuschenstillen Wohnzimmer, in dem ich auf jemand wartete, der wohl eingeschlafen war und mir fehlte und trotzdem lächelte ich wohl. Ich hatte so viel davon, dass ich etwas für den Sänger mit dem wehen Schädel mitlächeln konnte.

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Vor meinem Schlafzimmerfenster bietet sich kein besonders großartiges Panorama. Wenn man hier einen Western drehen würde, dann jedenfalls nicht in Cinemascope und es wäre auch eher ein Einpersonenkammerspielwestern. Dafür kann ich aber auch leichtbekleidet nackt herumlaufen, ohne einen Aufruhr zu verursachen. Versucht das mal in Hollywood.

Außerdem gibt es Efeu. Etwas Efeu ist jedenfalls noch geblieben. Und die freundliche Ockerfarbe. Eher ein blasses Ocker, aber immerhin.

Waiting for Greatness.

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