frauen

You are currently browsing articles tagged frauen.

Ich glaube, ich war in der dritten Klasse und wie die meisten kleinen Jungs gab es irgendeinen anderen Jungen, den ich bewunderte. Mein Vorbild hieß Dirk und war etwas größer als ich. Viel wichtiger als das war die Tatsache dass Dirk gewohnheitsmäßig redet wie ein Polier und einen Vater hatte, der mehr wie ein Metzgermeister aussah als die meisten Metzgermeister die ich bis heute gesehen habe. Dirk konnte gehen wie ein Bauer mit Hüftschaden und allein das hätte ihn schon unermesslich cool gemacht.

Einmal waren Dirk und ich unterwegs auf der Nachbarstraße in unserer Siedlung, da donnerte es. Begann zu nieseln. Zu stürmen. Ihr kennt das ja, diese warme Windböe vor dem ersten Donner, die schwer über die Hügel rollt und einem einen kleinen Schweißausbruch beschert.

Die ersten dicken Tropfen fielen und durchschlugen die Baumwolle unserer zu weiten T-Shirts.

Uns entgegen kam jemand den Weg hinabgelaufen. Es war eine junge Frau, die es mächtig eilig hatte. Sie schien sich im Gegensatz zu uns nicht über die kühlenden Regentropfen zu fühlen, sondern rannte eilig nach Hause. Einiges unter ihrem Shirt kam dabei in Bewegung und natürlich – schließlich waren wir kleine Jungs – starrten wir hin.

Dirk sah skeptisch aus, er runzelte sichtbar seine Stirn und sah komplett unzufrieden aus.

“Die Frau da, die sollte nicht rennen.”

Das verstand ich nicht recht.

“Frauen dürfen nicht rennen. Die werden sonst krank, hat meine Mutter gesagt.”

“Wirklich? Die sieht doch ganz gut aus.”

“Meine Mutter hat so was schonmal gesehen und sie hatte dann sofort schlechte Laune.”

Er starrte noch eine Weile mit mir hinter dem Teenager her, bis sie in einem Eingang verschwand. Dirk nickte kurz, um sich selbst ein wenig Bestätigung zu geben.

“Frauen sollen nicht laufen. Vor allem so junge nicht.”

Das habe ich nicht ganz verstanden. Aber Dirk war viel zu cool, um seine Meinung in Zweifel zu ziehen.

 

Tags: , ,

In der letzten Zeit habe ich einige interessante Bekanntschaften gemacht. Einige davon fanden auch über das Internet statt und ich muss sagen, in diesem Bereich bin ich inzwischen deutlich vorsichtiger als noch vor einigen Jahren. Einige der spannendsten und zuverlässigsten, wahrhaftigsten und … speziellsten der Menschen in meinem Leben fand ich über das Internet, ja, aber heutzutage… ich weiß nicht so recht. Entweder bin ich seltsamer als in der Vergangenheit oder das Internet ist anders oder aber die kontaktfreudigen Menschen darin haben sich in entscheidenden Punkten verändert.

Ich glaube, ich verzichte lieber erst einmal darauf, mir auf die letzten offenen Fragen Antworten zu suchen.

Diese eine Dame also hatte mich angemailt und wo sie schon gerade dabei war, mich einigermaßen charmant auszufragen… über Job, Familie, Lebensmittelpunkt, Verfügbarkeit und Einkommen und so weiter… beschloss sie, mich zu besuchen.

Sofort.

Auch dass ich eigentlich gerade an einem Text zu schaffen hätte, wäre ihr nicht wichtig. Ich sollte eben weitermachen, sie erschiene trotzdem. Davon war ich nicht so begeistert, was sie verwunderte… schließlich würde sie sicher nicht stören. Das sei es nicht, war meine Antwort. Es wäre mir unangenehm, wenn ich mich nicht um meinen Besuch kümmern könnte – und jetzt gerade müsste ich eigentlich eher meinen Text zuende tippen und nicht weitere Nachrichten beantworten, ehrlich und nicht ohne Bedauern gesagt. Nein, das wäre keine gute Idee.

Ach, sie würde sicher nicht nutzlos herumsitzen und sich langweilen. Sie könnte einfach mal… ordentlich meine Wohnung wischen und danach mal so richtig aufräumen. Sie wollte WAS?… ich konnte es kaum glauben. Nein, meinte ich. Das wäre sicher lieb gemeint, aber eine noch schlechtere Idee: Den Hausputz schaffte ich vielleicht nicht so oft wie ich wünschte, erledigte das aber doch lieber selbst. Ich sei aber komisch, informier sie mich. Ihr Ex hätte so etwas nie gesagt. Sie würde das seit Jahren einfach ganz automatisch machen, das wäre ja auch kein Aufwand für sie. Ich gab zu, einige dringende und aktuell unbefriedigte Bedürfnisse zu haben, aber… nein, die große Putztour sollte sie bitte in jedem Fall unterlassen. (Eigentlich reichte mir ja schon ihre Ausfragerei, aber das sagte ich nicht). Warum ich denn so zickig reagiere? Ich sei nicht zickig, versicherte ich ihr. Das wären meine Sachen und meine Wohnung und … sie sei ja nicht meine Mutter, die meine Wohnung übrigens auch nicht wischt.

Sie war erstaunt. Ob denn meine bisherigen Liebschaften so etwas nicht getan hätten?

Die hätten mir mal einen erzählt, wenn ich sowas verlangt hätte und mir vermutlich mal entspannt die Haut abgezogen, wenn ich selbst ungefragt in deren Wohnung den Wischmop in Anschlag genommen hätte. Nein, hätten sie nicht getan. Ich hätte sie ja auch niemals darum gebeten. Das fand sie… total komisch und unentspannt. Ich armer Kerl! In dem Fall sollte ich es doch mal mit ihr probieren… sie sei so neugierig… aber sie wunderte sich nicht, dass ich Single sei…

Ich habe dann nicht mehr zurückgeschrieben, weil ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich nun lachen oder es mit der Angst zu tun bekommen sollte.

(War das jemand von euch Wertvollen und Speziellen, der sich mal einen richtig guten Scherz erlauben wollte?)

Tags: , , , ,

Zwölf Uhr. Ich denke an Mittagessen, für das ich keine Zeit haben werde – die Banane in meiner Tasche ist Gegenstand sehnsüchtiger Phantasien. Mein Magen rumort aufdringlich und ich beschließe, mich durch hochprofessionelle Klientengespräche abzulenken.

“Magst du sie denn immer noch?”, frage ich den Neunjährigen, der hinter mir im Auto sitzt. Der Verkehr ist unerträglich dicht und ich kann komme endlich dazu, ein paar Sachen zu fragen, bei denen man mir besser nicht ins Gesicht schauen muss. Wir haben ja ein paar Minuten.

“Manchmal. Ich liebe sie aber noch so.”, sagt er, gar nicht neunjährig. Und “Sie ist so hübsch. Sie ist nämlich ganz hell blond und hat lange Haare, weißt du?”

Ob er glaubt, dass sie ihn überhaupt mag?

“Sie mag mich wohl. Aber sie mag auch meinen besten Freund, der findet sie auch toll. Der war mal mit ihr zusammen; wenn er das noch einmal tut, dann mache ich ihn fertig. Sie macht das nur, um mich zu ärgern.”

Er war mit ihr eine Woche zusammen, von einem Freitag bis zu einem Freitag. Eine Woche. Vor Jahren, sagt er.

Er macht eine Pause. Ich biege ab und ordne mich dann links ein; bald werden wir ankommen. Wir fahren eine Weile geradeaus, dann räuspert er sich geräuschvoll.

“Ich muss oft weinen wegen ihr. Manchmal echt lange, auch mal in der Schule.”

“Im Unterricht?”

“Ja. Ich muss dann einfach weinen. Es hört fast nicht wieder auf.”

Er hilft mir einen Parkplatz zu finden, wir steigen aus, er hilft mir dabei, die Kinderschale im Kofferaum zu verstauen und seine Sporttasche wieder herauszuholen. Er hat es nicht weit.

Als an seiner Tür geklingelt habe, höre ich ihn neben mir noch einmal tief durchatmen.

“Heute, im Sportunterricht, da hat sie mir gesagt, dass sie mich immer noch liebt. Sie ist nur so verwirrt.”

Bevor ich etwas sagen kann, ist seine Mutter an der Tür, er huscht unter ihrem Arm hinein, ruft “Bis nächste Woche!” und ist weg. Ich höre, wie er seine Zimmertür hinter sich zuknallt, wie jeder andere Neunjährige. Mir bleibt nur übrig, einen neuen Termin zu machen und mich dann zu verziehen.

Ich muss schlucken, als ich endlich allein bin, dann atme ich tief durch und bin heilfroh, sofort zum nächsten Termin zu müssen.

Was um alles in der Welt hätte ich ihm sagen sollen? Was soll ich dem erzählen über Liebe und Frauen und die Welt und das Verwirrtsein?

Bin spät dran, behauptet mein Navigationssystem. Die Banane wird warten müssen.

Tags: , ,

Tubisten

Ich glaube ich kannte mal eine Frau, die wollte einen Tubisten für sich. Die kräftigen Lippen. Und so viel Gefühl. Dazu die kräftigen Schultern, der lange Atem. Fähig und willig, auch dazu eine Menge an Edelmetall zu putzen. Nicht zu vergessen: Diese gutmütige Ausstrahlung.

Tubisten (meinte sie) seien gemeinhin und außerdem ganz zu Unrecht weit unterschätzt.

Ich schaute sie an und überlegte, ob ich sie wohl dieses Mal beeindrucken könnte. Letzte Woche hatte ich erst Harfe gelernt und hatte mir so einige Chancen ausgerechnet. Und nun waren es Tubisten! Langsam gingen mir die Optionen aus. Etwas blieb mir noch: Blockflöte spielte ich ein wenig und das auch noch schlecht.

Tags: , ,

Eigentlich wollte ich grade vor einer Stunde über den fürchterlich miesen Eiskaffee im Mindener Ratscafé schreiben – wie ich in meiner Naivität vorausgesetzt hatte, dass ich hier mit einem Kaltgetränk zu rechnen hatte – oder über die Ungerechtigkeiten in der Geschlechterfrage. So die Tatsache, dass der klassische Partyhorror “Schau, Schatz, aber unauffällig: Die da drüben hat dasselbe Kleid an wie du.”bei Männer komplett harmlos oder sogar eher erheiternde Wirkung hätte. “Herr Kollege, sie haben aber ein tolles Hemd! – Danke, ihres gefällt aber auch!”

Natürlich könnte das auch der Grund sein, warum viele Männer bei offiziellen Anlässen per Pinguinmethode von vornherein in Uniform auftreten. Prävention. Ihr versteht.

Gestern Abend plante ich noch, über die Beerdigung zu schreiben, die für morgen geplant ist. Aber an die muß ich gerade gar nicht mehr so sehr denken wie in den letzten Tagen, mich hatte die Sache fast jede wache Minute beschäftigt. Nun dreht sich wieder alles in meinem Kopf, nun allerdings um eine andere Neuigkeit:

Seit ein paar Minuten weiß ich, dass ich bald wieder in Vollzeit arbeite. Ich habe genau die Stelle bekommen, die ich haben wollte und werde bald sehr bald wieder in der Zivilisation mein Lager aufschlagen. Die erste positive Nachricht seit langem und ich gedenke sie zu genießen, so sehr es mir möglich ist.

Tags: , , , , ,

Natalie

In irgendeiner elenden Disco, in die ich halb gegen meinen Willen geschleppt worden bin und dann verloren gegangen war. Ich wartete an der Theke auf mein alkoholfreies Bier; ich war natürlich der Fahrer, wie damals üblich. Der Rücken neben mir sah einer vertrauten Rückseite zum verwechseln ähnlich, daher starrte ich ihn minutenlang an, während ich auf die Bedienung wartete. Ich bekam mein “Bier” und wartete darauf, dass die Frau neben mir sich umdrehen als völlig Fremde enttarnen würde. Aber nein. Sie schaute mich an und zeigte ihr Halbstrahlen. Sie hatte sehr rote Lippen, viel zu rot für diesen Laden. Genau richtig.

Du?
“Du?”

“Du! Ich bin so sauer. Diese Scheißmusik! Dieser Scheißladen!” Natalie. Sie umarmte mich und hielt mich sehr fest, wie es immer tat; mehr als ein Jahr hatten wir uns nicht gesehen und sie legte alles in die Umarmung. Es fühlte sich viel zu gut an; das letzte Mal war ihr Freund dabei gewesen und die Umarmung war ein wenig anders. Sie fragte nicht lange, sie nahm einfach meine Hand und zog mich quer durch die schauerliche Disco zu einem der vielen freien Polstermöbel; der größte Teil der Besucher war knapp über 18 und stand bewegungslos und grenzenlos besoffen auf der Tanzfläche herum. Sie ließ sich fallen (dabei zog sie mich mit) und seufzte theatralisch. Sie klang dabei immer wie Marge Simpson.

Natalie fand sich zu alt. Natalie fand sich immer schon zu alt. Sie sah tatsächlich immer fantastisch aus, sie war außerdem mit Sicherheit nicht so betrunken wie es schien, was ihrer ganz natürlichen Trampeligkeit zuzuschreiben war und sie hatte eine unglückliche Vorliebe für 80s Hairmetal, den angeblich keiner mehr hören wollte; sie sei eben altmodisch. Außerdem stinke es auf der Tanzfläche nach Scheiße, fügte sie hinzu.

Während sie klagte, legte sie einen Arm um meine Schultern, um mir direkt ins Ohr zu flüstern. Sie fühlte sich viel weich und viel zu warm und viel zu nah an, um mich nicht auf absolut gefährlich Gedanken zu bringen. InsOhrFlüstern ist nicht ganz einfach für mich, wenn ich die Flüsterperson so sehr mag und sie so fürchterlich einladende Lippen hat. Ich mochte diese Flüsterperson mehr als es für einen von uns beiden gesund war. Ich bekam eine fürchterlich angenehme Gänsehaut, als sie von ihrer neuen Wohnung und den angeblich nicht funktionstüchtigen Geräten im Keller erzählte, die nur ein wenig Liebe bräuchten und dann sicher wieder ihren Job täten. Wenn sie sich doch bloß nicht so an mich lehnte! Andererseits: Sie sollte doch bitte nicht sofort damit aufhören. Nur noch ein paar Minuten. Sie hatte so ein enges, weiches Samtkleid an und ich konnte ganz genau erahnen, was sich darunter befand. Es gefiel mir. Manche Frauen fühlen sich einfach gut an, Natalie gehörte dazu. Sie fühlte sich unglaublich warm an, ohne auch nur eine Winzigkeit zu schwitzen. Ganz im Gegensatz zu mir; ich hoffte, sie würde das nicht bemerken.

Wenig später fand ich mich auf der Tanzfläche wieder, um – ausgerechnet – zu Alice Coopers “Poison” zu tanzen. Dieser schreckliche, unglaublich blöde Song… war ganz großartig, wenn einem dabei diese Augen anstrahlten und nicht daran dachten, auch nur wegzusehen. Sie lächelte; ich lächelte zurück, während sich der bekannte Kloß im Hals aufbaute. Es lag in der Luft, aber es passierte nicht. Sie nahm meine Hände und drückte sie; wenigstens ihre Hände schwitzten, kaum spürbar – ich bekam eine Gänsehaut. “Küss mich doch endlich!”, dachte ich. “Tu es doch, verdammt noch mal.”… und fühlte mich schuldig. Das änderte nichts. Diese roten Lippen!

Sie kam ganz nah an mich heran und ich roch ihr Parfüm mehr als je zuvor… sie drückte meine Hände, beide gleichzeitig.

“Ich glaub, ich fahr mal.” Weg war sie, nur einen Augenblick sah ich sie noch, bevor sie zwischen den schwankenden Gästen verschwunden war. Meine Gänsehaut blieb.

Tags: , , ,

« Older entries

Switch to our mobile site