Nur eine gute Woche lang nahm ich mittelschwere Schmerzmittel und natürlich denkt sich das Leben und vor allem das Arbeitsleben allerlei unterhaltsame Katastrophen aus, damit man auch ja nicht vergisst, gerade jetzt weniger belastbar zu sein. Vor allem wenn man sich nach der Arbeit mal gern so richtig auslasten möchte, zum Beispiel am Wochenende – wenn ihr versteht, was ich meine. Versteht ihr natürlich – oder? Meine geneigte Leserschaft ist scheinbar durchaus dem regelmäßigen gelegentlichen Exzess zugeneigt, was ich sehr sympathisch finde.
Dann kommst du nach Hause und du bist kaum in der Lage, Blogposts zu lesen, geschweige denn Bücher zu lesen. Prosieben ist genau das richtige. Das Programm ist für Leute, die unter Schmerzmitteln stehen, absolut das richtige – Schonkost fürs Gehirn, zu der man entspannt aus dem Mundwinkel tröpfeln kann.
Aber! Ich habe ja versprochen, nicht mehr über körperliche Gebrechen und erst recht nicht mehr über Körperflüssigkeiten zu schreiben und das habe ich auch nicht vergessen – man wird mich erinnern, aber vorher möchte ich doch um ein wenig Gnade bitten und einige weitere Absätze niederschreiben. Hier geht es nämlich nicht um Krankheit.
Hier geht es ums Gesundwerden.
Wenn man die verdammten Pillen absetzt und man endlich wieder normale Nahrung zu sich nehmen kann, womit nicht nur geistige Nährstoffe gemeint sind, dann ist das ein Gefühl, als hätte man einen Zentner überflüssiges Gewicht abgeworfen und im Austausch dazu einige Kilo an purer, tatkräftiger Muskelmasse zugelegt. “Meine Güte”, denke ich, “da hat aber jemand beschlossen, endlich mal das Licht anzuknipsen und nicht etwas nur draußen vor dem Fenster, sondern auch im Kopf: Wo vorher die Welt im blässlichen Stil des DDR-Fernsehens dahinvegetierte, da hat man nun scheinbar auf Technicolor umgestellt; alles ist so komplett unrealistisch und großartig bunt. Wow!”
Und abends kommst du nach Hause und die lädierte Schulter tut endlich mal nicht ernsthaft weh, sondern man bekommt so etwas wie Hoffnung, dass es bald mal wieder ganz normal sein könnte, dass es vielleicht ein paar Tage lang gut gehen könnte, dass es vielleicht wirklich immer gut gehen könnte. Du kannst einen Text lesen, ohne dass dir die Zeilen vor den Augen verschwimmen. Du kannst einem Chat folgen und vergisst nicht gleich, was du am Vortag gesagt hattest.
Allerdings bin ich etwas beunruhigt, die alten Texte und die alten Chatlogs zu lesen und die alten Freunde zu fragen, was ich so gesagt habe, in der letzten Woche. Ich will gar nicht daran denken, was ich so auf der Arbeit getextet hatte. Bisher keine Beschwerden, nun ja. Aber das schiebe ich gekonnt – denn das kann ich auch wieder – beiseite und denke:
Wochenende.
Ich wünschte, ich hätte Besuch – zum Teilen.
Ich denke an jemanden.
Mir ist so egal, dass es gerade regnet.


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