Freundschaft

Artikel mit dem Stichwort Freundschaft.

Als Kind haben ich sehr gern Comics gelesen, zuerst Petzi, dann Micky Maus und natürlich Yps1 und wenig später Asterix – das war weitgehend geduldet, weil es den Ruf hatte anspruchsvoll und leicht intellektuell zu sein. Die anderen beiden bedeuteten meistens schräge Blick – die Hefte galten damals noch als Schund und ich schämte mich, große Teile meines Taschengelds für sie auszugeben.

Das lag weniger an meinen Eltern als an meinem Opa, der Comics nicht mochte – um es mal ganz diplomatisch auszudrücken. Mein Großvater war generell eher mürrisch eingestellt und machte nur für Familienmitglieder Ausnahmen; er war aber auch nicht gerade einfach, wurde schnell wütend und war nachtragend wie kein Zweiter. Das bedeutete, dass er für mich automatisch der Größte gewesen wäre, wenn er diesen Rang nicht bereits durch seine Geschichten über heldenhafte Tiere und deren Abenteuer mit selbstgebauten Flugzeugen erreicht hätte.

Die Spinne 191

Exakt dieses Heft.

Bei einem Besuch hatte ich einen geheimen, wertvollen und überaus peinlichen Schatz unter meiner Windjacke versteckt als ich ihn besuchte – nämlich einen Spider-Man Comic, der damals hierzulande noch “Die Spinne” hieß. Noch dazu ein Heft mit einem besonders aufgebläht-muskulösem Covermotiv. Ich half ich beim Nachtanken des Rasenmäher oder etwas in dieser Art, jedenfalls kam ich eine Situation, in der ich nicht unbedingt meinen Schatz aus der Jacke verlieren und mit Zweitaktmischung übergießen sollte – noch dazu vor den Augen meines Großvaters.

Ich war doch schon 14 und sowas von blamiert.

In solch einem Moment zieht vielleicht nicht unbedingt das bisherige Leben vor dem inneren Auge vorüber, aber du merkst schon wie du dunkelrot wirst; dein Gesicht wird so heiß, dass es andere Leute bestimmt merken müssen. Mein Blick senkte sich in Richtung Boden.

Sein Blick auch.

Für eine Minute.

“Hm.”, machte er dann.

“Dann hol ich mal die Verdünnung und wisch das Zeug runter, sonst kannst du das ja gar nicht mehr lesen, oder?”

Das machte er dann auch genau so, wischte jede einzelne Seite mit Nitroverdünnung ab, seinem bevorzugten Reinigungsmittel. Danach stank dann die gesamte Werkstatt und natürlich erst recht das Heft – ob das nun besser oder schlechter als der Fleck war, kann ich nicht genau sagen.

Es gab gar keinen fiesen Spruch, keinen einzigen Blick.

Ein ziemlich gutes Gefühl. Ein großartiges Gefühl.

Das Heft habe ich noch, nehme ich an – es liegt wohl irgendwo auf dem Dachboden meiner Eltern und riecht immer noch nach Nitro.

  1. Yps nur wenn das Gimmick auch wirklich beeindruckend war, natürlich. []

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Es gibt Zeiten im Leben, da hat man das Gefühl, der Boden unter den Füßen wird einem weggezogen und darum ist einem auch so schwindelig; kein Wunder wenn der Globus sich plötzlich viel schneller bewegt als man Schritt halten kann und man sich nur fragt, warum gerade jetzt und warum gerade ich so bewegt werde und ach.

Kein Wunder, wenn einem da schwindelig wird.

Kein Wunder, wenn einem da zwischendurch schlecht wird bei all der Bewegung.

Aber ich, ich täusche mich selten in Menschen, die ich liebe. Auch wenn die schonmal großen Mist bauen, ich weiß schon warum ich die habe und warum ich die nicht mehr hergebe und dass die mich auch nicht mehr hergeben, das weiß ich auch.

Und dann.

Wenn der Globus plötzlich Kohlen schaufelt in die große, stinkende Dampfmaschine Leben und deine Füße in der Luft hängen wie in den besten Cartoons, dann schaust du einfach nicht nach unten und gehst weiter.

Und wenn du fällst.

Und wenn du ins Wackeln kommst. Wenn du taumelst.

Dann kommt der harte Boden dir bestimmt wieder schnell entgegen, nicht ganz so wie erwartet. Wie immer eben. Aber mit dem richtigen Herzen, mit den richtigen Seelen rund um dich…

Dann lernst du bei der Landung einfach ein paar neue Tanzschritte.

Oder einen neuen Stil für dein nunmehr vollkommen unschlagbares Kung Fu.

Oder du lernst, wie jemand noch anders toll sein kann. Obwohl du vielleicht böse bist, für eine Weile. Oder traurig. Obwohl du blaue Flecken auf deiner Seele hast. Die werden nicht so schnell weg gehen. Aber verschwinden werden sie, mit Zeit.

Nur nach dem Mist bauen zeigt sich menschliche Größe in den frühlingshaftesten Schmetterlingsfarben, finde ich.

Jetzt darf der Planet aber gern wieder einen Gang runter schalten.

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Freier Fall

Es gibt da jemand Wundervolles, einen weiblichen Menschen nämlich, der sagte mir, dass es schön mit mir zusammen ist, dass sie sein könnte wie sie wirklich ist und dass sie das nicht so oft fühlt, bei mir aber schon.

Dass sie sich einfach fallen lassen könne.

Wobei ich nämlich genau dasselbe dachte; dass ich mich fallen lassen könnte bei ihr und sie mich fangen würde. Und so oft fühle ich das auch nicht.

Man kann also gleichzeitig fallen und sich zugleich gleichzeitig fangen, dachte ich.

Und ich bin sehr müde und gleich werde ich einschlafen und ich werde dabei sicher lächeln, glaube ich.

Einschlafen ist wie sich fallen lassen und die Augen schließen.

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Caerulea.jpg

Meine geneigten Leser erinnern sich doch sicher an meinen letzten Beitrag, in dem ich meine möglicherweise nicht allgemein gültigen, dafür aber persönlichen Ansichten über

  1. Frösche und
  2. Nicht Ganz Durchschnittliche Frauen

darlegte?

Habe ich mir gedacht.

Nun, ich bin bereit im ersten Punkt einige andere Alternativen zu erwägen – der freundlicher lächelnde und möglicherweise kompromissbereitere Korallenfinger-Laubfrosch ist doch sicher auch ein angenehmer und hilfreicher Hausgenosse, wenn man es genau bedenkt, oder? Nun, ich werde das noch ein wenig länger bedenken – die weitere Alternative “Auf jeden Fall Kaninchen!” wurde mir auch noch zur Auswahl gestellt.

Was einzigartige Frau angeht, hat sich das Vertrauen gelohnt. Wieder einmal. Und sicher nicht zum letzten Mal. Vielleicht spinne ich irgendwann nicht mehr so sehr, wie ich heute bei solchen Gelegenheiten zu spinnen pflege, aber ich will an mir arbeiten. Weißt du.

Und Danke. Fürs da sein. Und fürs wieder da sein. Und für die Freundschaft, vor allen Dingen. Und nun… werde ich genau das tun, wozu mich dieses Foto da oben inspiriert.

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Ich bin ja nicht immer ganz ehrlich zu euch gewesen. Obwohl – das stimmt nicht ganz. Ich war immer ehrlich zu euch, aber ich war und bin nicht immer ganz konsistent: Was ich für mich gut und akzeptabel und wundervoll und generell so sein muss, würde ich ja auf keinen Fall anderen Leuten wie zum Beispiel meinen geschätzten und hoffentlich zugeneigten Leserinnen und auch Lesern empfehlen.

Ich würde ja allen davon abraten, jemanden Wundervolles zu finden und zu kennen, der sich manchmal lange und unangemeldet verschwinden lässt und vielleicht nie wieder kommt – hoffentlich aber doch, irgendwann, bitte. Das ist schwer und ich würde wohl anderen Leuten dazu raten, sich ganz schnell aus so einer Sache zu entfernen – weil’s gesünder ist. Aber ich würde das selber nicht einfach so tun. Ich warte jedenfalls und bin dabei vielleicht mal einsam, aber lange nicht so unglücklich wie ich vielleicht von rechtens sein sollte. Damit muss die Außenwelt eben klar kommen.

Da kannste nix machen. Da gibt’s nicht zu diskutieren. Ist aber auch besser so.

schmuckhornfrosch.jpgIch würde ja auch niemandem empfehlen, ein Haustier zu erwägen, welches sich kaum bewegt und wenn es sich doch bewegt, dann meistens in Richtung Boden – es buddelt gern. Außerdem beißt es und spielt nicht mit Bällen oder Wollknäueln. Allerdings schonmal in eine Maus. Wenn sie in weniger als einem Dutzend Zentimeter Entfernung sehr langsam vorbeihuscht. Ich jedenfalls würde dazu nicht raten. Trotzdem ziehe ich den Hornfrosch – er gehört zu den Breitmaulfröschen, wie man vermutlich als Nichtbiologe nachvollziehen kann – durchaus als zukünftigen Mitbewohner in Erwägung, wenn mich schon kein menschliches, warmblütiges Zweibeinwesen besuchen mag.

Da kannste nix machen und ich würde den wohl sonst niemandem empfehlen.

Nicht, das abgesehen vom Besonderssein Parallelen zwischen Frosch und erwähntem Menschen zu ziehen sind. Das sollte ich an dieser Stelle unbedingt betonen.

Da gibt’s nichts zu diskutieren.

Ist besser so.

(Ich denk doch lieber nochmal etwas länger über dieses Froschprojekt nach.)

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Mein alter Freund G., gerade noch rechtzeitig vor den Wehen notverheiratet, war wie erwartet Vater geworden und hatte sichtbar Gewicht verloren. Bei uns auf dem Land wird üblichlerweise nachdem Kind und Eltern stabilisiert wurden, ein alter Brauch abgehalten: Man begießt das neue Kind. Natürlich nicht buchstäblich, liebe Leserinnen und Leser.

Kein Kind wird mit abgestandenem Wasser aus einer Kanne überschüttet.

Da wir uns in Westfalen und auf dem Land befinden, hat es selbstverständlich etwas mit Alkoholgenuß zu tun: Die Freunde, die nach der Hochzeit und den Launenhaftigkeiten der Schwangerschaft noch mit der Familie sprechen, werden eingeladen und man trinkt gemeinsam und wiederholt auf das Wohl des neuen Erdenbürgers und (mit etwas Glück) Bloggers.

Es ist zum Glück ein Mädchen.

Die Mutter ist müde, Vater ist stolz und man strahlt Harmonie aus; ich freue mich für sie, auch wenn der stolze Vater den ganzen Abend Händel auflegt, immer wieder: Das beruhigt enorm und ich bin sicher, dass die zu heißen Minipizzen (aus der Kühltheke – ich will das das mal verzeihen) so noch viel besser ansetzen.

Ich bin nicht gut im Baby halten und mich dabei total wohlfühlen, aber ich gebe mein Bestes und nach ein paar Stunden sage ich, dass ich nun fahren muss. Der Vater, mein Freund, der begleitet mich noch nach unten – er ist Raucher und nutzt jede Gelegenheit, vor die Tür zu kommen und eine zu qualmen.

Wir reden miteinander, wie immer kommt dabei großer, glorreicher Blödsinn heraus. Wie in all den Jahren. Ich schaue ihn an und mir wird ein wenig flau; das ist wohl für immer vorbei, wir haben sowieso Probleme, uns einfach mal zu treffen. Nichts zwischen uns ist kaputt, aber wir driften auseinander wie Kontinentalplatten. Keiner ist schuld daran, aber aufzuhalten ist es auch nicht. Das hier könnte das letzte Mal sein, dass wir so zusammentreffen, wir wissen es beide, sprechen es aber nicht aus. Wozu auch.

Wir schauen ober das Feld, die Umrisse der Bäume zeichnen sich dunkel im Mondlicht ab. Es quietscht leise und mehrstimmig und wir brauchen ein paar Momente, um die seltsamen Geräusche einem Quartett von Teenagern auf Fahrrädern zuzuordnen. Nur einer von ihnen hat seinen Drahtesel beleuchtet, der muss daher immer vorfahren, damit man sich nicht verfährt. Sie suchen nach dem Mittellandkanal und einer Brücke darüber. Man sucht McDonalds.

“Immer gerade aus und dann links”, sage ich.

“Das längliche, nasse Ding – das ist der Kanal”, sagt mein Freund. “Wenn ihr das gefunden habt, seit ihr an der Brücke vorbei. Einfach an Land gehen und wieder ein paar Meter zurück.”

Sie bedanken sich und fahren weiter. Nach ein paar mühevollen Tritten des Beleuchters sehen sie sogar wieder die Straße.

Wir schauen ihnen nach, bis sie schon lange in der Nacht verschwunden sind. Kurze Zeit hört man noch das Quietschen, dann ist es ganz still. Das flaue Gefühl ist noch da.

“Na dann. Mach’s gut”, sagt er.

“Mach’s besser”, sage ich.

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