Freundschaft

Artikel mit dem Stichwort Freundschaft.

Es gibt da jemand Wundervolles, einen weiblichen Menschen nämlich, der sagte mir, dass es schön mit mir zusammen ist, dass sie sein könnte wie sie wirklich ist und dass sie das nicht so oft fühlt, bei mir aber schon.

Dass sie sich einfach fallen lassen könne.

Wobei ich nämlich genau dasselbe dachte; dass ich mich fallen lassen könnte bei ihr und sie mich fangen würde. Und so oft fühle ich das auch nicht.

Man kann also gleichzeitig fallen und sich zugleich gleichzeitig fangen, dachte ich.

Und ich bin sehr müde und gleich werde ich einschlafen und ich werde dabei sicher lächeln, glaube ich.

Einschlafen ist wie sich fallen lassen und die Augen schließen.

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Meine geneigten Leser erinnern sich doch sicher an meinen letzten Beitrag, in dem ich meine möglicherweise nicht allgemein gültigen, dafür aber persönlichen Ansichten über

  1. Frösche und
  2. Nicht Ganz Durchschnittliche Frauen

darlegte?

Habe ich mir gedacht.

Nun, ich bin bereit im ersten Punkt einige andere Alternativen zu erwägen – der freundlicher lächelnde und möglicherweise kompromissbereitere Korallenfinger-Laubfrosch ist doch sicher auch ein angenehmer und hilfreicher Hausgenosse, wenn man es genau bedenkt, oder? Nun, ich werde das noch ein wenig länger bedenken – die weitere Alternative “Auf jeden Fall Kaninchen!” wurde mir auch noch zur Auswahl gestellt.

Was einzigartige Frau angeht, hat sich das Vertrauen gelohnt. Wieder einmal. Und sicher nicht zum letzten Mal. Vielleicht spinne ich irgendwann nicht mehr so sehr, wie ich heute bei solchen Gelegenheiten zu spinnen pflege, aber ich will an mir arbeiten. Weißt du.

Und Danke. Fürs da sein. Und fürs wieder da sein. Und für die Freundschaft, vor allen Dingen. Und nun… werde ich genau das tun, wozu mich dieses Foto da oben inspiriert.

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Ich bin ja nicht immer ganz ehrlich zu euch gewesen. Obwohl – das stimmt nicht ganz. Ich war immer ehrlich zu euch, aber ich war und bin nicht immer ganz konsistent: Was ich für mich gut und akzeptabel und wundervoll und generell so sein muss, würde ich ja auf keinen Fall anderen Leuten wie zum Beispiel meinen geschätzten und hoffentlich zugeneigten Leserinnen und auch Lesern empfehlen.

Ich würde ja allen davon abraten, jemanden Wundervolles zu finden und zu kennen, der sich manchmal lange und unangemeldet verschwinden lässt und vielleicht nie wieder kommt – hoffentlich aber doch, irgendwann, bitte. Das ist schwer und ich würde wohl anderen Leuten dazu raten, sich ganz schnell aus so einer Sache zu entfernen – weil’s gesünder ist. Aber ich würde das selber nicht einfach so tun. Ich warte jedenfalls und bin dabei vielleicht mal einsam, aber lange nicht so unglücklich wie ich vielleicht von rechtens sein sollte. Damit muss die Außenwelt eben klar kommen.

Da kannste nix machen. Da gibt’s nicht zu diskutieren. Ist aber auch besser so.

schmuckhornfrosch.jpgIch würde ja auch niemandem empfehlen, ein Haustier zu erwägen, welches sich kaum bewegt und wenn es sich doch bewegt, dann meistens in Richtung Boden – es buddelt gern. Außerdem beißt es und spielt nicht mit Bällen oder Wollknäueln. Allerdings schonmal in eine Maus. Wenn sie in weniger als einem Dutzend Zentimeter Entfernung sehr langsam vorbeihuscht. Ich jedenfalls würde dazu nicht raten. Trotzdem ziehe ich den Hornfrosch – er gehört zu den Breitmaulfröschen, wie man vermutlich als Nichtbiologe nachvollziehen kann – durchaus als zukünftigen Mitbewohner in Erwägung, wenn mich schon kein menschliches, warmblütiges Zweibeinwesen besuchen mag.

Da kannste nix machen und ich würde den wohl sonst niemandem empfehlen.

Nicht, das abgesehen vom Besonderssein Parallelen zwischen Frosch und erwähntem Menschen zu ziehen sind. Das sollte ich an dieser Stelle unbedingt betonen.

Da gibt’s nichts zu diskutieren.

Ist besser so.

(Ich denk doch lieber nochmal etwas länger über dieses Froschprojekt nach.)

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Begießen eines Kindes

Mein alter Freund G., gerade noch rechtzeitig vor den Wehen notverheiratet, war wie erwartet Vater geworden und hatte sichtbar Gewicht verloren. Bei uns auf dem Land wird üblichlerweise nachdem Kind und Eltern stabilisiert wurden, ein alter Brauch abgehalten: Man begießt das neue Kind. Natürlich nicht buchstäblich, liebe Leserinnen und Leser.

Kein Kind wird mit abgestandenem Wasser aus einer Kanne überschüttet.

Da wir uns in Westfalen und auf dem Land befinden, hat es selbstverständlich etwas mit Alkoholgenuß zu tun: Die Freunde, die nach der Hochzeit und den Launenhaftigkeiten der Schwangerschaft noch mit der Familie sprechen, werden eingeladen und man trinkt gemeinsam und wiederholt auf das Wohl des neuen Erdenbürgers und (mit etwas Glück) Bloggers.

Es ist zum Glück ein Mädchen.

Die Mutter ist müde, Vater ist stolz und man strahlt Harmonie aus; ich freue mich für sie, auch wenn der stolze Vater den ganzen Abend Händel auflegt, immer wieder: Das beruhigt enorm und ich bin sicher, dass die zu heißen Minipizzen (aus der Kühltheke – ich will das das mal verzeihen) so noch viel besser ansetzen.

Ich bin nicht gut im Baby halten und mich dabei total wohlfühlen, aber ich gebe mein Bestes und nach ein paar Stunden sage ich, dass ich nun fahren muss. Der Vater, mein Freund, der begleitet mich noch nach unten – er ist Raucher und nutzt jede Gelegenheit, vor die Tür zu kommen und eine zu qualmen.

Wir reden miteinander, wie immer kommt dabei großer, glorreicher Blödsinn heraus. Wie in all den Jahren. Ich schaue ihn an und mir wird ein wenig flau; das ist wohl für immer vorbei, wir haben sowieso Probleme, uns einfach mal zu treffen. Nichts zwischen uns ist kaputt, aber wir driften auseinander wie Kontinentalplatten. Keiner ist schuld daran, aber aufzuhalten ist es auch nicht. Das hier könnte das letzte Mal sein, dass wir so zusammentreffen, wir wissen es beide, sprechen es aber nicht aus. Wozu auch.

Wir schauen ober das Feld, die Umrisse der Bäume zeichnen sich dunkel im Mondlicht ab. Es quietscht leise und mehrstimmig und wir brauchen ein paar Momente, um die seltsamen Geräusche einem Quartett von Teenagern auf Fahrrädern zuzuordnen. Nur einer von ihnen hat seinen Drahtesel beleuchtet, der muss daher immer vorfahren, damit man sich nicht verfährt. Sie suchen nach dem Mittellandkanal und einer Brücke darüber. Man sucht McDonalds.

“Immer gerade aus und dann links”, sage ich.

“Das längliche, nasse Ding – das ist der Kanal”, sagt mein Freund. “Wenn ihr das gefunden habt, seit ihr an der Brücke vorbei. Einfach an Land gehen und wieder ein paar Meter zurück.”

Sie bedanken sich und fahren weiter. Nach ein paar mühevollen Tritten des Beleuchters sehen sie sogar wieder die Straße.

Wir schauen ihnen nach, bis sie schon lange in der Nacht verschwunden sind. Kurze Zeit hört man noch das Quietschen, dann ist es ganz still. Das flaue Gefühl ist noch da.

“Na dann. Mach’s gut”, sagt er.

“Mach’s besser”, sage ich.

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Stromsparmodus

Seit Wochen läßt du den Rechner solange laufen wie es geht, den kleinen Tragbaren. Oder sogar den noch kleineren iPod, den nimmst du mit aufs Sofa und läßt einen Messenger laufen. Das Handy ist sowieso nie richtig ausgeschaltet obwohl du gerade nicht eben viele Anrufe bekommst und noch weniger Textnachrichten. So ganz nebenbei läuft das alles, das kostet nicht viel Aufwand und wirkt höchstens ein wenig merkwürdig, aber man gewöhnt sich daran und bald sieht es ganz normal aus für die Leute, die dich kennen.

Es geht dir gar nicht darum ständig im Internet zu sein, es ist dir nicht wichtig, ständig für jeden erreichbar zu sein; du könntest wohl wirklich ganz gut auf den ganzen Kram verzichten, wenn es sein muß, davon bist du jedenfalls ziemlich überzeugt. Du würdest ungern verzichten, aber es gibt Wichtigeres. Du wartest.

Auf Nachricht von ihr, vielleicht sogar einen kleinen Chat, wenn sie es schafft. Sie meldet sich bei dir und du freust dich sehr darüber, weil es schön ist, weil es nicht einfach ist für sie und weil die Gelegenheit so selten ist. Sie ist zuverlässig und gibt sich Mühe; das weißt du.

Aber dann bist du gerade in einem anderen Raum, dann kochst du etwas, dann bist du am Telefon oder machst einen Tee und da sind die paar Zeilen, “Bist du da?”. und sie ist schon wieder fort und du weißt nicht, wie du dich fühlen sollst. Du weißt, du kannst nicht immer da sein und dass du nicht den ganzen Tag auf der Lauer liegen kannst, meine Güte, das wäre ja vollkommen obsessiv. Aber ein anderer Teil von dir fühlt sich leer und enttäuscht, der wünschte sich so eine Art eingeabaute Telefonklingel, irgendwo im Mittelohr, die dir sagt, wann du wirklich verdammt nochmal am Rechner sein solltest.

Wenn es dir so geht, dann kann ich dich ziemlich gut verstehen. Es ist wie ein Telefonat mit der allzu richtigen Nummer im Display, das man zu spät abnimmt und nur noch ein Freizeichen bekommt.

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Chris sitzt auf der Lehne der Parkbank, Frank begnügt sich mit der Sitzfläche. Gerade hat er sich die Beziehungsprobleme seines besten Kumpels angehört, wie es alle paar Wochen üblich ist.

Chris:”Was meinst du, gibt es wahre Liebe? Ich glaube nicht mehr dran. Irgendwie ist da der Wurm drin bei mir. Du hast es irgendwie besser, finde ich. Bist solo, hast mal Affairen…”

Frank schaut ihn lange an, dann holt er kurz Luft.

Er will sagen, wie glücklich Chris sein kann, dass er seine Irene hat, auch wenn sie nicht nicht die große Liebe ist und dass er sie gern hat und dass sie ihn lieb hat. Wie froh er sein kann, dass er so etwas wie wahre Liebe nicht kennt. Weil er sie kennt, die wahre Liebe. Wie es ist, wenn es egal ist, ob sie ihn zurückliebt, wie sie nicht daran schuld ist und er ihr nicht böse sein kann deswegen – wie könnte er auch, schließlich liebt er sie ja, egal was kommt – wie er sich schämt dafür, ihr eine Belastung zu sein, wie er sich dafür hasst, was aus ihm geworden ist, ein Wrack, ein lächerliches, leeres, kaltes Ding für alle anderen außer ihr, die er so lange nicht mehr gesehen hat. All die Jahre lang. Wie leicht es ihm fällt, eine aufzureißen, wie er ihm nicht stehen will, wenn sie dann bei ihr zuhause angekommen sind, wie er flüchtet, wenn er sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gern hat. Was er für ein verdammtes Arschloch geworden ist. Was für eine verdammte Krankheit Wahre Liebe ist. Wie jeder Gedanke an ihren Namen, ach, genug von all dem. Es zieht sich zusammen in seiner Brust, das vertraute Gefühl. Er überlegt zu sagen, wie sich das anfühlt und wie es ist, wenn sie sich meldet, trotz alledem.

Aber er spricht sowieso nichts davon aus. Stattdessen klopft er Chris einfach auf die Schulter.

“Ne. Ach, ne. Glaub ich nicht so recht dran. Ich hol gleich zwei Bier für jeden, okay?”

Als Frank sich zum Kiosk aufmacht, atmet er tief durch. Er braucht nur noch einen Moment, um den Kloß im Hals herunterzuschlucken. Als er mit dem Bier zurückkehrt, lächelt er bereits wieder. Überzeugend genug.

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