Glatteis

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Streugut

Die Städte haben also nichts mehr zum streuen – das habe ich auch gemerkt, ohne dass das im Radio verbreitet wird, könnt ihr mir glauben.

Ich habe bestimmt heute an die 20km quer über die Fahrbahn rutschend verbracht, und vor einer guten Stunde bin ich dann endlich zuhause angekommen.

Mit einem (wieder) arg lädierten rechten Außenspiegel.

Und ohne Nerven. Das war heute wirklich lebensgefährlich. Dann habe ich noch eine lebensgefährliche Mail geschrieben. Und – lange nicht so schlimmer, aber immerhin – einen der selbstgebrannten Schnäpse meines Alten Herrn probiert.

An verschwundene Menschen gedacht, Leute die nicht mit mir sprechen. Nicht mehr können oder… ach.

Fühle mich leer. Und rätselhaft hoffnungsvoll.

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Manche Leuten sagt man nach, dass sie ihre Autos lieben und jeden Schaden an ihnen deutlich schlechter aufnehmen als zum Beispiel Blessuren angeblich geliebter Menschen. Es gibt sie, ich habe jahrelang neben so jemandem gelebt. Dabei hatte er nicht einmal einen Führerschein1.

Ich bin nicht so.

Man sollte eher glauben, dass mein Auto mich dafür ein wenig hasst, auf die beiläufige aber nicht minder boshafte Weise eines verschmähten PKW. Es äußert sich zum Beispiel in keineswegs zufälligem Zufrieren von Türen: Ich parke regelmäßig in einer extremen Hanglage und es ist nicht wenig unangenehm, über die linke Hintertür, vorsichtig quer über die zickige angezogene Handbremse ganz vorsichtig hinauf auf den Fahrersitz zu klettern.

Oder, wenn man angekommen ist, auf genau umgekehrte Weise an einer schlimmeren Schräge wieder auszusteigen. Die Handbremse quietscht dabei immer bedrohlich. Das ist wieder etwas unangenehm. Unangenehmer ist es, wenn einem Passanten dabei zusehen.

Vor einer Weile habe ich mich im Dunkeln aus dem Wagen geschlängelt und als ich heroisch die Tür aufstieß – inzwischen war die Innenbeleuchtung ausgegangen – schlug ich einen jungen Mann im weißen Trainingsanzug in die Flucht. Er rannte nicht, er ging sehr schnell und schneller vorwärts und schaute sich nicht um. Aber das war Angst in seinem Getrippel. Vielleicht, weil ich hinter ihm fluchend und ächzend aus dem Auto gestolpert war, mit einer Flache billigem Wodka in der Hand2. Ich verspürte den Drang, mich zu entschuldigen. Aber das war mir zu peinlich. Und er war wirklich ganz schön schnell.

Das sind Probleme, die man mit etwas Vaseline auf den Türdichtungen lösen kann. Übergroße Autoliebe hingegen ist nur schwer zu kurieren und natürlich nicht das allerschlimmste3, oh, da würde mir so vieles einfallen – ich denke also, ich sollte mich nicht beklagen.

  1. Lange Geschichte. []
  2. Leider war der gar nicht für mich. []
  3. wenngleich schlimm genug []

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