Glühwein

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Mit den Jahren wird es immer schwieriger, sich erfüllbare Wünsche für Weihnachten auszudenken. Man hat ja schon viel und braucht möglicherweise weniger an käuflichem Zeit; das meiste kann man sich ja auch selbst zulegen. Die unbezahlbaren Sachen, die werden mehr, viele davon sind gar nicht mit Geld zu bekommen.

Unschätzbar Kostbares nämlich.

Wenn ich mir schon etwas für mich selbst wünschen soll, dann wünsch ich mir nicht etwas, sondern Jemand, nicht Irgendwen natürlich, schon gar nicht Irgendeine. Nicht zum besitzen, sondern zum sehen und reden und all dem noch schöneren. Und die Frau mit Hund und dem Ave Maria und den strahlendsten Funkelaugen, die jemals vielsagende Blicke auf mich abgeschossen haben – ich wüsste auch gleich, was ich ihr schenken würde, hätte ich die Macht dazu. Und sie weiß schon, was; das muss ich gar nicht schreiben, oder?

Wenn ich auch euch denke, diejenigen die ich kenne, dann wüsste ich wirklich, was ich euch schenken würde. Zumindest materiell. Darin bin ich gut. Könnt mich ruhig in den Kommentaren fragen, i dare you!

Jedenfalls schenke ich euch nun ein wirklich gutes sowie einfaches Glühweinrezept zum selbermachen, das nicht so süß, dafür aber wohlschmeckend und gar nicht eklig ist. Ich kann mich also doch zum Positiven ändern; meine alte und zu Recht kritisierte Neigung zur Glühweinverallgemeinerung ist weg. Trinkt ihn bitte nicht in Pappbechern; nehmt Tassen und wärmt eure Hände und Herzen und, falls nötig, auch alle anderen bedürftigen Regionen. Falls ihr glaubt, dass gerade niemand an euch denkt und fernwärmt.

Glühwein in Gut

Für zwei Gläser

  • Saft einer Orange
  • 200 ml Traubensaft
  • 200 ml Rotwein, mittelgut
  • 2 TL Glühweingewürz1

Vorsichtig erhitzen und bloß nicht kochen, 10 Minuten ziehen lassen, durch ein Sieb gießen und dann servieren. Süßen nach Geschmack, ich mache das nie.
Wer mal auf den Alkohol verzichten will, könnte anstelle des Weines auch noch einmal dieselbe Menge Traubensaft nehmen.

Noch ein Wunsch von mir: Passt gut auf euch auf, es ist wirklich saumäßig glatt auf den Straßen da draußen. Und, hm, fahrt nicht mehr nach dem vierten Glühwein. Nicht dass ich mich am Ende schuldig fühle.

  1. Ich nehme eines von der Firma Gewürzmühle Brecht, aus dem Bioladen oder Reformhaus. Das schmeckt laut Packung fein aromatisch-süßlich. Sososo. []

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Nach einer Inspiration von Meriche (Mit der ich nicht unter einer Decke stecke).

Als wir uns kennen lernten, unwiderstehlich und unerklärlich, wie wir übereinander herfielen! Gleich nachdem andere Menschen außer Sichtweite waren, küssten wir uns. Minuten nachdem wir uns das erste mal gesehen hatten, tagsüber; wenige Worte hatten ausgereicht. Wir sehen uns heute abend? Neun Uhr. Damit war die Sache klar, nie wieder war etwas so klar gewesen. Nicht dass man auf einer Mensaparty an einer namenlosen Uni wirklich unbeobachtet sein konnte; uns reichte der Schatten des Softdrinkautomaten vollkommen aus. Eigentlich war uns nicht einmal das unbeobachtet sein wichtig. Es war eine Ausrede, um herumzuknutschen und noch viel schlimmere Sachen zu tun. Ah, nun sieht uns keiner. Schon wieder nicht. Komm her.

Sie küsste schlecht und schmeckte nach Zigarettenrauch und ich brauchte auch dringend mehr Übung – aber wir waren bereit, an unseren Fertigkeiten zu arbeiten. Damit begannen wir an Ort und Stelle.

Nein: Wir kamen nicht zusammen. Ich weiß gar nicht, ob wir uns wirklich gemocht haben; wir waren sehr unterschiedlich und hatten wenig gemeinsame Interessen außerhalb des Bettes. Aber wir trafen uns regelmäßig. Zum Üben und so. Sie spielte Jazz, ich holte mir blaue und grüne Flecken beim Punkrock.

Das erste Semester ging vorbei, Weihnachten nahte. Wir hatten uns seltener gesehen, das kam einfach so. Automatisch. Wir wussten, die Sache ging dem Ende entgegen; wir würden uns nicht mehr oft sehen und der Kontakt würde sich auf unsicheres Zuwinken auf Parties (“Und was machst du so?”) und SMS in Momenten der Einsamkeit beschränken.

Es war Weihnachtsmarkt in einer dieser tausendfach geklonten Fußgängerzonen mit den überall gleichen Buden. Holzspielzeug, kitschiger Schmuck, Glühwein. Ihr Finger wären kalt, sagte sie. Obwohl sie Handschuhe trug, handgestrickte Handschuhe. Ich kaufte uns je einen von diesen Plastikbechern, an denen man sich beinahe -aber nicht ganz- die Hände verbrennt und deren Inhalt man so leicht verschüttet. Beides gelang mir. Aber immerhin, ihr wurde wärmer. Wir gingen die gepflasterte Strecke auf und ab, auf und ab, sahen uns Schaufenster und Buden an, die uns nicht interessierten. Zweimal, dreimal. Wir redeten wenig. Wir wussten wohl beide, das wäre der letzte Glühwein für uns, der letzte gemeinsame Drink für uns als fast-schon-ein-Paar. Das Zeug war viel zu süß, ich bekam es nicht herunter und nippt nur demonstrativ am weißen, wabbligen Plastik. Ich fühlte, wie ich traurig wurde, unerklärlich sentimental. Sie hatte ihren Becher schon ausgetrunken; meinen kippte ich an einen dieser Pflanzkübel aus Waschbeton. Sie nahm meine Hand; den Handschuh hatte sie ausgezogen. Wir gingen zur Bushaltestelle.

Sie legte die Arme um mich und schaute mir in die Augen, ein klein wenig bisschen traurig vielleicht. Wir küssten uns, neben einem Automaten mit Spritzen für Junkies, inzwischen geübt und tief und großartig, das erste und einzige und letzte Mal. Ich hörte ihren Bus anfahren, sie löste sich von mir.

Wir sehen uns? Sicher.

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