Ich will nicht behaupten, dass meine Familie in irgendeiner Weise bemerkenswerte als alle anderen Familien sei – aber es gibt immerhin Grund zu vermuten, dass mit ein wenig mehr kommerziellem Denken ein millionenschweres Vermögen zum Greifen nah gewesen wäre. Es gab da eine Erfindung, so epochal wie die Kernspaltung.
Die meisten Leute nämlich kennen die durchschnittliche Bratwurst als leicht gekrümmtes Ding, welches gern in Reihen vereint auf dem Grill seiner Bestimmung entgegensieht. Dies traditionelle Krümmung störte meinen Großvater sehr, weil man die Wurst zwar auf beiden Seiten sehr schön braun und knusprig braten konnte - aber eben nur auf zwei Seiten. Er wünschte sich eine rundum nahtlos und gleichmäßig gegarte Wurst. Also entwickelte er eine Lösung: Die Bratwurstspieße aus Stahl, die bei korrekter Anwendung die Wurst linealgerade machten und so nicht nur seinen Qualitätsanspruch befriedigten, sondern auch Gegenstand des Gespött der amüsierten Nachbarschaft wurden. Nicht, dass ihn das jemals gestört hätte.
Heute, viele Jahre nach dem Tod meines Opas verwendet mein Vater seine Spieße weiter und so gibt es auch bei meinen Eltern schnurgerades Grillgut. Kürzlich habe ich in einem Supermarkt verdächtig ähnliche Stahlspieße gesehen, die man allerdings als “Schaschlikspieß” ausgezeichnet hatte.
Vermutlich nannte man sie nur aus einem Grund nicht “Bratwurstspieß (Methode von Gorgmorg)“, damit man den Erben der Bratwurstentkrümmungstechnologie keine Lizenzgebühren zahlen muss. Aber mich kann man nicht so einfach täuschen, wie meine geneigten Leser bereits wissen. Meine Rechtsabteilung kümmert sich schon um diesen Fall. Ungeheuerlich, was man sich heutzutage erlaubt – die Geschäfte sind voller Plagiate, gegen die man unbedingt vorgehen muss.


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