Kennt ihr auch Verwandte oder noch schlimmer Eltern, die eine besorgniserregende Fracht in ihrer Geldbörse mit sich herumtragen? Normalerweise kann man wohl getrost von ihrer Harmlosigkeit ausgehen, aber da ist eben diese eine Sache, sicher geborgen in Handtaschen oder etwas zeitgeistiger der profanen, leicht ausgebeulten Gesäßtasche moderner Oberbekleidung.
Meine geneigte Leserinnen und Leser wissen es natürlich besser. Diese alltägliche Sicherheit ist auch eine trügerische.
Es muss nur die richtige alte Bekanntschaft in der Fußgängerzone auftauchen. Ein Kaffeekränzchen reicht. Oder eine Beerdigung. Zack! Schon wird offenbar, warum eine Geldbörse die dicke einer durchschnittlichen Tischplatte hat. Gleich danach sollte einem der robuste Schließmechanismus aus funkelndem, unheiligem Metall auffallen: Dieses Behältnis birgt unaussprechliches Grauen. Natürlich auch Geld für Eis, Bratwurst, Süßigkeiten oder die neueste Spielkonsole. In diesem Moment halten sich Grauen und Hoffnung gegenseitig in Schach. Aber wir reden hier nicht von Omis freigiebiger Ader.
Wir reden von diversen Haustierbildern und frühen Passbildern der Paten-, Enkel und eigenen Kinder die jederzeit – hervorgeholt mit einer fließenden Bewegung, gleich einem Gunslinger des alten Westens und ungefragt vorgezeigt. Die Person gegenüber kann im schlimmsten Fall mit eigenem Archivmaterial kontern. Dann wird es schlimm.
Meine Güte, sind die schnell groß geworden. Und: Als Kind war sie so süß, oder? Die Locken.
Das als unbeteiligter Zeug zu erleben ist hart. Zum Glück bin ich geübter Fremdschämer und kann damit umgehen, auch wenn es mich einiges kostet, um nicht mit einem ausgesuchten Machospruch wie zum Beispiel “Argh.” oder “Erbarmen.” oder “Haben sie denn gar kein Mitleid?” durch die nächste Wand zu rennen. Für auf derlei Material abgebildete Personen und Kleintiere, die selbst Zeuge dieses Rituals werden, kann ich leider nichts mehr tun. Rennt besser schnell weg, solange ihr noch könnt.
Ich selbst habe natürlich auch Bilder der Lieben auf meinen Mobiltelefon, noch mehr auf meinem iPod Touch. Heimlich schaue ich sie an und hin und wieder streiche ich Fingerabdrücke vom Display, was fast mit zärtlicher Liebkosung verwechselt werden kann -natürlich nur von Leuten, die mich nicht als den knochenharten Haudegen kennen, der ich nun einmal bin.
Ich werde niemals anfangen, mit irgendjemandem Bilder zu vergleichen. Niemals1.
- Denn dafür ist es leider schon zu spät. [↩]


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