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Ein ganzer Raum voll mit einem einzigen IBM 360/20

Mein Vater bat mich vor kurzem, seinen Lebenslauf mal ins Reine zu schreiben; weil er den für irgendetwas braucht – ich könne das viel sauberer und schneller als er selbst. Damit wäre bewiesen, dass Eltern ihre Kinder auch nach vielen Jahren lange nicht so gut kennen wie sie sich einbilden – ich habe es natürlich trotzdem gemacht.

Mein Vater hat 1965 einen Wochenendlehrgang namens “Programmierer elektronischer Datenverarbeitungssysteme” besucht, ohne wirklich wissen zu können, was ihn da erwartet. (Programmierer?) Später hat er an einem der flottesten Großrechner der damaligen Zeit gearbeitet, einem Monstrum von IBM mit satten 4 KB Speicher. Gespeichert wurde auf Lochkarten, welche am ehesten den Songspeichern einer Drehorgel ähnelten und im Gegensatz zu den “Blu-Ray” und Co. heutiger Zeiten genau das waren, was der Name vermuten ließ: Kleine Karten mit hineingestanzten Löchern. 

Damals konnte man kaputte Datenspeicher noch mit Tesafilm reparieren. Mit denen die man nicht mehr reparieren konnte, habe ich als kleines Kind gespielt. Ich habe Bilder mit Wachsmalstiften auf COBOL-Programme gemalt. 

Ich frage mich oft, wann genau mein Vater plötzlich aufhörte ein Nerd zu sein.

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Halbwegs erwartet man es ja schon: Wenn der PC1 aufgrund eines wieder einmal kniffligen, dafür aber ‘wichtigen’ Updates vollkommen unbenutzbar wird2, dann lässt die nächste technische Katastrophe sicher nicht lange auf sich warten.

Genau so kam es dann auch, als ich mit dem Rechner beschäftigt war und mein Mobiltelefon mal eine Stunde unbeaufsichtigt ließ: Die Displaybeleuchtung verweigerte den Dienst. Als ich nach der Hotline-Nummer zu suchen begann, war mir schon klar, was das bedeutete: Gerät bitte einschicken, herzlichen Dank.

Nun gut, ich habe ja noch das gute alte Samsunghandy und bin weiterhin erreichbar; natürlich fällt mit dem N95 auch gleichzeitig mein Navigationssystem aus, da aber mein Auto letzte Woche bereits in die Werkstatt musste und dort immer noch einer Kraftstoffpumpen-Transplantation entgegensieht, habe ich als Ersatz praktischerweise ein Fahrzeug zur Hand, das so etwas bereits eingebaut hat.

Ich kann von Glück reden, dass ich keinen Schrittmacher oder so implantiert habe; der würde sicher demnächst auch den Geist aufgeben.

Ich habe ja aktuell so viel Zeit für Mist dieser Art!

Wie gut, das mein MacBook weiterhin treu seinen Dienst tut.

  1. Damit meine ich meinen “großen” Desktoprechner []
  2. Er bootet nicht einmal mehr; ich kann von Glück reden, das ich Vista installiert habe, mit dem ich die letzte funktionierende Konfiguration wiederherstellen kann; aber es wird sicher dauern []

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Ich war der Junge, dessen Nummer tolle Frauen und coole Typen immer in ihren kleinen Notizbüchern hatten, lange bevor es nicht mehr uncool war, ein Mobiltelefon zu benutzen: Sie hatten die nicht ganz unbegründete Hoffnung, dass ich ihren durch irgendeinen dummen Umstand bockenden PC wieder zur motivierten Mitarbeit bewegen könnte. Das passierte nicht gerade selten und ich erwarb mit der Zeit einen gewissen Ruf.

Ich war damals überzeugt davon, das man als cooler und toller Mensch nur in solchen Momenten meine Bekanntschaft schätzen könnte. Mein Glaube an meine eigene Unerträglichkeit und die Arroganz der restlichen Menschheit war so ausgeprägt, dass ich mich in der Folge unerträglich und arrogant benahm. Ich war nämlich nicht nur jung und nerdig, sondern auch ein echter Vollidiot voller unhaltbarer Vorurteile und einem ernst zu nehmendem Mangel an Selbstbewusstsein. Die Sorte Mensch, die jede noch so weit hergeholte Möglichkeit zum Aufbau von Selbsthass dankend annahm. Ich konnte in die Leere geschossene verbale Flanken genauso gut in tief empfundene persönliche Kränkungen verwandeln wie damals Maradona harmlose Mondbälle in Traumtore.

Aber, hey, ich war echt gut im PCs reparieren. Allerdings…. um ehrlich zu sein… im nachhinein fallen mir zig Gelegenheiten ein, bei denen die eine oder andere hardwaregeplagte Frau vielleicht doch etwas ganz anderes von mir wollte als nur den Einbau eines CD-Brenners. Etwas völlig anderes. Netteres. Etwas Unaussprechliches, moralisch noch zweifelhafter als die Möglichkeit, urheberrechtlich geschützte Medien schamlos zu vervielfältigen. Etwas, das direkt das Ende meines Status als männliche Jungfrau nach sich ziehen könnte. Ganz zu schweigen von Romantik und Romanzen. Aber das alles konnte natürlich unmöglich wahr sein, nicht in meinem Weltbild unterzubringen, in dem ich mich selbst als Stammbesetzung für den ewigen Verlierer gecastet hatte.

Besonders dieser eine Fall, in dem mich die überaus attraktive Lady im Bademantel empfing, sich für ihren Aufzug entschuldigte und mich nach getaner Hilfeleistung noch auf einen Drink einladen wollte… ich bin natürlich schnell abgehauen. War doch logisch, oder?

Wie bereits gesagt, ich gehörte zu einer besonders von sich selbst überzeugten Sorte Vollidiot.

Zum Glück bin ich heute nicht mehr so.

Heute finde ich mich immerhin einigermaßen akzeptabel. Aber mein Ruf als Unfehlbarer Reparierer von Computerkram ist nicht mehr das was er mal war. Mein Sockel als Hilfreicher Kontakt™ bröckelt. Nicht nur, dass ich meistens per Mail oder ICQ gefragt werde und nicht einmal mehr nach Hause eingeladen werde – snif! – ich scheitere kläglich bei den simpelsten Aufgaben und das auf unerklärliche Weise. Früher musste ich meistens gar nichts tun, der Vorführeffekt wirkte bei meiner puren Anwesenheit Wunder: “Vorhin ging er nicht an! Wie machst Du das nur?”. Ich widerstand dem Drang, die Augen langsam zu schließen, sanft zu lächeln, meine Handfläche auf das Gehäuse zu legen und folgende Worte zu verkünden: “Nun musst du nicht mehr leiden, kleiner Freund. Denn ich habe dich geheilt.” Nun gut, manchmal widerstand ich diesem Drang auch nicht. Ich war auch nur ein Mensch.
Ein etwas verlegenes Lächeln in Richtung Besitzerin1 folgte, dann ein “Ich gehe dann mal. Du hast ja meine Nummer.” [Denis verlässt unter den bewundernden Blicken der geretteten Demoiselle das Gebäude2.]

Wenn ich hingegen in den letzten zwei Jahren in solchen Situationen etwas kund zu tun habe, dann ist es eher: “Tut mir leid, die Festplatte liegt in den letzten Zügen. Sie wird leider bald ihre letzten Umdrehungen machen. Das kostet dich allein an Material zirka…[Zu Viel Geld] ” Das ist schon ein angenehmerer Fall. Da hat man wenigstens einen Besuch herausgeschlagen und vielleicht ein Bier. Trotzdem: die Karriere als Computer-Wunderheiler ist eindeutig beendet, ich bin nur noch so ein normaler Typ “der sich die Sache mal anschauen kann”.

Richtig peinlich wird es, wenn man in diesem Blog kleinere Hilfen anbietet, die aber auf unerklärliche Weise nicht funktionieren. Ich muss nur an eine Anleitung für den Google Reader denken, die ich eigentlich für todsicher hielt. Natürlich funktioniert sie bei meinen engsten und meistgeliebten Freunden überhaupt nicht, schon gar nicht bei tollen Frauen. Na super. Wie überaus unangenehm. Klar, dieses Nichtfunktionieren kann ich mir vielleicht inzwischen erklären, aber warum passierte mir so etwas als Teenager niemals?

Vielleicht hängt es direkt mit dem Verlust meiner Unschuld zusammen. So ähnlich wie nur weibliche Jungfrauen Einhörner reiten können, sind vielleicht nur unbefleckte männliche Teenies in der Lage, einen PC nur durch ihre Anwesenheit wieder zum Laufen zu bringen. Das könnte ich akzeptieren, dafür habe ich ja inzwischen Freunde und kann mit der Gegenwart Frauen umgehen. Die Leute brauchen auch keine billigen Ausreden mehr, um mich einzuladen.

Hey, falls ihr ein Problem mit eurem PC habt, ich kann es mir mal anschauen. Allerdings will ich heutzutage abgesehen vom gemocht werden mindestens ein Bier haben oder lecker essen gehen. Bademäntel sind optional, werden aber gern gesehen3. Wunderheilungen werden nicht garantiert.

  1. Es gab auch Besitzer, aber die machen sich im Kontext dieser Story nicht so gut. []
  2. Ich sagte ja schon, das Kerle hier nicht so gut in den Kontext passen. []
  3. Auch in diesem Kontext… ihr kennt das ja schon, Jungs. Das mit dem Bier geht aber völlig in Ordnung. []

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Ich habe den ersten Urlaubstag damit verbraucht, den neuerdings mit Windows Vista ausgestatteten PC meines Vaters wieder ins Netzwerk zu bringen. Gar nicht so einfach, wenn die auf dem Motherboard eingebaute Netzwerkkomponente so ein enormer Schrott ist – diese hier war eine des verdammungswürdigen Herstellers ULi. Vista war scheinbar eher unschuldig am der Misere, es nahm die Komponente problemlos an, Treiber waren vorhanden – allerdings war das Teil nicht in der Lage, das ganz und gar durchschnittliche Hausnetzwerk zu finden. Nun gut, ich begann schon an mir zu zweifeln, als ich vorhin im Marktkauf eine ganz normale No-Name Karte (ich nehme an, eine mit RealTek Chipsatz) im Angebot liegen sah – nun gut, einen Versuch war es wert. Eingesteckt, PC an, Internet und Hausnetz waren da. So einfach geht das.

Und was lernen wir daraus? Jeder Euro Investition in ordentliche Hardware wird sich beim nächsten Systemupgrade auszahlen. In Nerven.

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Meine kleine Geschichte über das PC-kaufen habe ich dann doch bei Antigames veröffentlicht. Das ist ca. 80% autobiographisch. Also lesen :)

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So, der alterssschwache Familienrechner hat die Herztransplantation überlebt. Ich bin etwas stolz auf mich! Nun will ich feiern.

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