Helene Hegemann

Artikel mit dem Stichwort Helene Hegemann.

Wintergehen

Eine wichtige Regel für Leute, die bei diesem Wetter zwei Wochen Urlaub hatten: Am ersten Arbeitstag danach bleibt dein Wagen liegen. Das ist wohl so eine Art Gerechtigkeit gegenüber den Leuten, die sich in den 14 Tagen zuvor durch Eis, Schnee und leere Bierkisten am Abend ohne Hoffnung auf Nachschub den Komfort verleiden lassen musste. Diese Art von Gerechtigkeit lehne ich ab.

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Ich sehe grade Helene Hegemann bei Harald Schmidt und es ist grausig. Herrje, ist das grausig. Meine Güte, ist das grausig. Aber ich muss mir das unbedingt anschauen, ich weiß nur nicht… warum, eigentlich?
Ganz schön: Schmidt sagt: “Die Medien schreiben: Es ist schlimm, was die Medien mit dir machen.” Er hat mit allem recht, was er sagt und er demontiert seinen Gast nicht, obwohl er alles mal anreißt – “geistiger Diebstahl” inklusive – hätte ich gar nicht gedacht. Hegemann gibt sich große Mühe und hat sichtlich Angst. Hätte ich auch.

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Vorhin habe ich mit vom pistanzienpellen ruinierten Fingernägeln die Scheibe an der Fahrerseite meines dieselbefeuerten Kriegsponies mühevoll heruntergekurbelt und hatte nach einer Drehung die verdammte Kurbel in der Hand. Wenn das so weitergeht, muss ich den Wagen einschläfern lassen, verdammt.
Der quält sich ja nur noch.

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Auf dem Heimweg, fast halb elf, da steht auf halber Strecke schon wieder eine dicke Frau bei den Mülltonnen vor einem Mietshaus. Sie raucht nicht, sie atmet nur weiße Dampfwolken in die Winterluft und wankt langsam in die oder in die andere Richtung, wohl um sich warm zu halten. Sie trägst nur einen Jogginganzug und eine dicke, beschlagene Brille. Sie scheint zu warten.

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Nein – ich will nicht darüber urteilen oder mich darüber auslassen, wie gemein oder dumm oder richtig oder egal es ist, dass eine vielgehypte neue Autorin wie Helene Hegemann ihren Debütroman Axolotl Roadkill1 offensichtlich zu großen Teilen aus Airens Blog oder dessen Roman Strobo abgeschrieben hat.

Das hat der Herr Deef, Herrscher der Gefühlskonserve, schon ganz gut aufgedeckt und ich finde, auch auf eine relativ behutsame Weise. Die Reaktion der anderen Seite fand ich unglücklich. Damit will ich sagen: “Ist mir zu blöd, das auch nur zu zitieren”. Meine Güte – Frau Hegemann ist 17, den Roman schrieb sie mit 16 und das merkt man auch. Die sollen das untereinander klären, am besten diskret; die Kulturseiten der großen Nachrichtenportale haben solange ihren Spaß damit – erstens beim Abschreiben von der Gefühlskonserve und zweitens damit, wie Hegemann sich um Kopf und Kragen redet.

It’s Showtime.

Ich glaube nicht, dass ich je Axolotl Roadkill lesen werde. Ich glaube auch nicht, dass ich Strobo lesen will. Weil ich diese “Was-hab-ich-doch-für-ein-wildes-Leben” Stories einfach nicht mehr ertragen kann. Diese Pose, die ich jedenfalls nicht ernst nehmen kann. Die ist mir zu cool. Und zu blöd. Vermutlich tue ich beiden Unrecht.

Warum also dieser schon jetzt viel zu lange Text?

  1. Ich muss mich schon wundern, warum sich Ullstein nicht mehr vor die minderjährige Autorin stellt, die sich gerade ziemlich blauäugig durch die Fleischwölfe des Popkulturbetriebs drehen lässt. Warum gibt die Interviews? Das tut doch weh.
  2. Ich denke, man kann es den Ullsteinern nicht unbedingt vorwerfen, den Text komplett auf mögliche Plagiate untersucht zu haben, bevor er in Druck kam. Das nicht- es ist ja keine Doktorarbeit oder so. Aber:

    Ich lese nicht besonders viele Blogs, aber doch eine ganze Handvoll und die bekannten und vielleicht sogar guten Weblogs, die hat man irgendwann schon auf dem Schirm. Ich weiß, wie MC Winkel schreibt, ich kenne den Klang der 500beine und natürlich auch den Taubenvergrämer, die Frau Von Welt oder Meriche, die lokale Bielefelder Blogmafia erst recht und so viele mehr. Ich bilde mir ein, dass ich all diese Stimmen unterscheiden kann, wenn sie mir schöne Sätze in den Kopf wispern – erst recht, wenn ganze Seiten von ihnen in andere Werke übernommen worden sind. Ganz sicher aber kommen sie mir wenigstens bekannt vor. Airen ist einer dieser Leute – er hat nie eines meiner Lieblingsblogs geschrieben, aber er hat einen unverkennbaren Stil und natürlich kann er was. Darum hat man schließlich auch sein Buch veröffentlicht, nehme ich mal an.

    Das sind alles mehr oder weniger bekannte Leute, teils mit Hunderten oder sogar Tausenden von Lesern. Ganz offensichtlich allerdings ist kein einziger von diesen Lesern bei großen deutschen Verlagen angestellt. Man stelle sich vor: Da macht man Bücher über die deutsche Gegenwart und die Redaktion für die hippen frischen Bücher von teils sehr jungen Autoren für junge hippe Leser kennt nicht einmal die Top 10 der Bloggerszene2.

Das muss man sich erstmal langsam auf der Zunge zergehen lassen, liebe Gemeinde.

Und das wollte ich eigentlich nur sagen.

  1. Ein Titel übrigens, den man als ehemaliger Aquarianer und Amphibienfreund sofort zu schätzen weiß. []
  2. Korrektur: Die haben vermutlich doch den Werbespot mit Herrn Lobo gesehen. Für den mache ich also eine Ausnahme. []

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