Mit der Zeit sammeln sich eine Menge Kontakte in den Instant Messenger-Sammung eines eingermaßen altgedienten Computerbenutzers wie mir und vermutlich auch dir; ich denke, das ist bei ICQ oder MSN oder was auch immer du vorzugsweise verwendest ähnlich. Die meisten Personen werden wohl nach den ersten paar Gesprächen wieder in der Versenkung verschwinden; man lernt bald ob man sich etwas zu sagen hat oder sich vielleicht doch gar nicht so besonders für die Person am anderen Ende der Datenleitung interessiert.
Wenn diese Erkenntnis einseitig passiert, kann das ziemlich unangenehm werden; erst recht, wenn die Bekanntschaft mit einem Flirt begann.
So war es jedenfalls in diesem speziellen Fall; ich hatte mich eigentlich immer ganz gut mit ihr verstanden, aber nach einer gar nicht langen Zeit waren die gemeinsamen Themen aufgebracht und man sah sich nur noch – plink!- online erscheinen und dann wieder verschwinden. Alle paar Monate sagte man sich mal ein höfliches “Hi, wie geht es?”, ohne sich wirklich zu interessieren, nehme ich an – man will ja auch mal höflich sein. Nicht, dass man sich nicht mochte.
Im MSN – Microsofts inzwischen ziemlich erfolgreicher Variante des IM Konzepts – kann man sich wahlweise auch die aktuell laufende Musik als Status anzeigen lassen, anstelle hilfreicherer Nachrichten wie “ich bin gerade in der Badewanne, ruf bitte genau jetzt auf dem Festnetz an.” Eigentlich achte ich gar nicht darauf. Nur gestern habe ich einfach mal meine Kontakte durchgeschaut.
Ich habe schon so meine Kontakte zur linken Szene und als jemand mit Jugendzentrum-Erfahrung kennt man zwangsweise auch ein wenig aus; so fiel mir ein bestimmter Bandname im Status der eben genannten Person 1 ins Auge. Ich dachte mir, “Ach, da ist ihr aber mal richtige Scheisse untergekommen. Werde ich bei Gelegenheit mal erwähnen.”
Ich tat also erst einmal gar nichts und dachte eigentlich, dass der Spuk damit ein Ende hätte, später könnte man das dann klären. Sie war ja unverdächtig. Undergroundkultur und so. Kajal um die Augen und so. Nett und harmlos und ohne den notwendigen Funken für eine Freundschaft oder anderes.
Wie das so mit Spuk ist …
Natürlich nicht.
Ich kannte eine eine Menge der in den nächsten Stunden folgenden Bandnamen und Musiker aus Indizierungsmeldungen und Hinweisen darauf, dass diese harmlosen Tanzkapellen vom Verfassungsschutz beobachtet würden. Wenn ich sie nicht kannte, waren die Songtitel eindeutig genug. Ich wollte es nicht glauben.
Man glaubt im Internet sehr oft sehr schnell, andere Menschen zu kennen und manche Seiten, die im direkten Kontakt wohl nicht lange verborgen geblieben wären, kommen niemals zur Sprache. Ich wusste nicht, was ich da noch sagen sollte. Da war ein Nebel in meinem Gehirn, Wut und Enttäuschung und ein Gefühl, gleichzeitig verraten worden zu sein und versagt zu haben, irgendwie, der Nebel hat sich immer noch nicht geklärt, ist nur runtergesunken in den Magen und rumort dort vor sich hin. (War ich eigentlich mal scharf auf die? Oh, ich hoffe nicht …)
Ich habe den Kontakt dann einfach gelöscht.
Ich weiss ja nichtmal, auf wen ich wütender war, auf sie oder auf mich. Was soll man da noch sagen? Hätte ich etwas sagen sollen?
Es gibt so viele Leute, die ich brauche. Und andere, die ich nicht brauche.
Was soll man sagen? Schönes Wochenende euch allen – das Leben geht weiter. Habe ich gehört.
- Die Band werde ich hier nicht namentlich erwähnen- ich kann auf Besuche ihrer Fans verzichten - es war aber eine derjenigen, die auch zu den bekannten Schulhof-CDs der rechten Szene beigetragen hatte [↩]


Letzte Kommentare