Internet

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In der letzten Zeit habe ich einige interessante Bekanntschaften gemacht. Einige davon fanden auch über das Internet statt und ich muss sagen, in diesem Bereich bin ich inzwischen deutlich vorsichtiger als noch vor einigen Jahren. Einige der spannendsten und zuverlässigsten, wahrhaftigsten und … speziellsten der Menschen in meinem Leben fand ich über das Internet, ja, aber heutzutage… ich weiß nicht so recht. Entweder bin ich seltsamer als in der Vergangenheit oder das Internet ist anders oder aber die kontaktfreudigen Menschen darin haben sich in entscheidenden Punkten verändert.

Ich glaube, ich verzichte lieber erst einmal darauf, mir auf die letzten offenen Fragen Antworten zu suchen.

Diese eine Dame also hatte mich angemailt und wo sie schon gerade dabei war, mich einigermaßen charmant auszufragen… über Job, Familie, Lebensmittelpunkt, Verfügbarkeit und Einkommen und so weiter… beschloss sie, mich zu besuchen.

Sofort.

Auch dass ich eigentlich gerade an einem Text zu schaffen hätte, wäre ihr nicht wichtig. Ich sollte eben weitermachen, sie erschiene trotzdem. Davon war ich nicht so begeistert, was sie verwunderte… schließlich würde sie sicher nicht stören. Das sei es nicht, war meine Antwort. Es wäre mir unangenehm, wenn ich mich nicht um meinen Besuch kümmern könnte – und jetzt gerade müsste ich eigentlich eher meinen Text zuende tippen und nicht weitere Nachrichten beantworten, ehrlich und nicht ohne Bedauern gesagt. Nein, das wäre keine gute Idee.

Ach, sie würde sicher nicht nutzlos herumsitzen und sich langweilen. Sie könnte einfach mal… ordentlich meine Wohnung wischen und danach mal so richtig aufräumen. Sie wollte WAS?… ich konnte es kaum glauben. Nein, meinte ich. Das wäre sicher lieb gemeint, aber eine noch schlechtere Idee: Den Hausputz schaffte ich vielleicht nicht so oft wie ich wünschte, erledigte das aber doch lieber selbst. Ich sei aber komisch, informier sie mich. Ihr Ex hätte so etwas nie gesagt. Sie würde das seit Jahren einfach ganz automatisch machen, das wäre ja auch kein Aufwand für sie. Ich gab zu, einige dringende und aktuell unbefriedigte Bedürfnisse zu haben, aber… nein, die große Putztour sollte sie bitte in jedem Fall unterlassen. (Eigentlich reichte mir ja schon ihre Ausfragerei, aber das sagte ich nicht). Warum ich denn so zickig reagiere? Ich sei nicht zickig, versicherte ich ihr. Das wären meine Sachen und meine Wohnung und … sie sei ja nicht meine Mutter, die meine Wohnung übrigens auch nicht wischt.

Sie war erstaunt. Ob denn meine bisherigen Liebschaften so etwas nicht getan hätten?

Die hätten mir mal einen erzählt, wenn ich sowas verlangt hätte und mir vermutlich mal entspannt die Haut abgezogen, wenn ich selbst ungefragt in deren Wohnung den Wischmop in Anschlag genommen hätte. Nein, hätten sie nicht getan. Ich hätte sie ja auch niemals darum gebeten. Das fand sie… total komisch und unentspannt. Ich armer Kerl! In dem Fall sollte ich es doch mal mit ihr probieren… sie sei so neugierig… aber sie wunderte sich nicht, dass ich Single sei…

Ich habe dann nicht mehr zurückgeschrieben, weil ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich nun lachen oder es mit der Angst zu tun bekommen sollte.

(War das jemand von euch Wertvollen und Speziellen, der sich mal einen richtig guten Scherz erlauben wollte?)

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Ich hatte eigentlich immer von mir gedacht, dass ich mir eine ganz vernünftige Einstellung zum Internet und dem ganzen Web 2.0 Trubel gezimmert hätte: Nämlich die, es in Maßen zu nutzen und nicht total die Kontrolle zu verlieren oder genervt zum Web-Emigranten zu werden.

Nichts davon ist mir passiert.

Anstatt dessen fiel mir auf, dass ich Unmengen ungelesene Artikel in meinem Feedreader hatte – über 100 allein in in meiner Favoriten-Kategorie, wo sich die feine Elite meiner Lieblingsblogs versammelt hat. Es war mir ziemlich egal.

Und dann fiel mir ein, dass ich seit Monaten am selben Buch lese und nicht weiterkomme. Das mich die ganzen Sachen überhaupt nicht interessieren, dass scheinbar kaum jemand etwas zu sagen hat – oder aber, immer dasselbe – das dafür regelmäßig.

Ich habe auch schon lange keine Geschichte mehr zuende geschrieben.

Damit will ich nicht sagen, dass ich von Twitter, Facebook und Co. frustriert bin, ich werde mich dort nicht abmelden. Aber die Flut unglaublich wichtiger Information rauscht an mir vorbei wie ein Zug, für den ich nicht einmal ein Ticket habe.

Soll er eben abfahren.

Die solln mich alle mal in Ruhe lassen, denke ich so vor mich hin und fühle mich fast gar nicht schuldig dabei.

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Versteht mich nicht falsch: Das Netz ist schon eine feine Sache, aber eben auch mängelbehaftet. Es ist schön, Kontakt mit Leuten halten zu können, die verdammt weit weg sind, aber bei manchen Leuten ist es doch eher frustrierend.

Es gibt Leute, mit denen man ganz hervorragend zusammen auf dem Sofa sitzen kann und sich gut unterhält.

Es gibt aber auch Leute, mit denen man ganz hervorragend auf dem Sofa sitzen kann und schweigt.

Das geht in ICQ oder MSN oder Skype gar nicht so gut. Nehmen wir diesen Dialog:

- :-) (Es ist so schön, deinen Namen hier zu lesen. Einfach, dass du online bist. Aber das zu schreiben, zum fünften Mal vor, das ist mir grade doch etwas zu dämlich.)

- :-) (Warum schreibt sie mir nicht mehr, sondern nur noch diese komischen Smileys alle paar Minuten?)

- ;-) (Ich habe gerade gar nichts zu sagen. Aber ich hab dich gern. Ich hab das nur getippt, damit du nicht glaubst, dass ich dich vergessen hätte.)

- :-D (Hoffentlich macht er sich jetzt keine Sorgen mehr.)

- :-) (Sie liebt mich noch!)

- Sag mal, was ist los mit dir?

- Was meinst du?

- :-?

- :-(

Glücklicherweise habe ich solche Dialoge schon lange nicht mehr gehabt, aber auf einem gemeinsamen Sofa mit Real-Echtzeit-Doppelanwesenheitslächel Feature und Tru-Umarmung™ – das geht doch viel besser.

Internet: doof.

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Das Internet ist dann am besten dann, wenn man sich einfach nicht mehr an ihm stört und es komplett vergisst.

Dann, wenn man sich mit jemand Besonderem spricht und die langen Pausen zwischen den Sätzen so wichtig sind wie die Worte.

Wenn man sich beschreibt, wie man sich umarmen würde, wäre der andere nur da, gerade jetzt und in Zukunft, dann würde man es so machen, ganz sicher – so oder noch viel besser und dir fällt gleich ein, wie es noch viel besser sein könnte.

Nicht aufhören, sagt sie. Schreib nur weiter, bitte.

Und du stellst dir vor und schreibst nur weiter und immer mehr fällt dir ein und langsam läufst du ein klein wenig heiß und alles klingt so schön und alles ist richtig.

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Ich bin sehr vorsichtig in diesen Weblog, wenn es um die Identität meiner Lieblingsmenschen geht. Immerhin schreibe ich oft über sie; über manche mehr als sie vielleicht ahnen. Ich halte das lieber etwas vage und hoffe, dass sie sich erkennen. Ich hoffe noch mehr, dass sie sich freuen. Aber das nur nebenbei.

Tatsache ist, dass ich gern manchmal einen Namen oder vielleicht nur ein Pseudonym nennen würde; Tatsache ist auch, dass es Leute gibt, die sich auch darüber freuen würden. Ich mache ungern ein Geheimnis daraus, wer mir mehr als nur ein wenig bedeutet – natürlich macht es auch Spaß, die Dinge ein wenig in der Schwebe zu halten und mit Andeutungen zu spielen und die Leute rätseln zu lassen.

Man sollte nur nicht das Gefühl haben, so vorgehen zu müssen. Leider ist genau das meine Einschätzung der Lage in der deutschsprachigen Weblogszene:

Wer nicht nur Emotionen zeigt, sondern auch ganz klar bekennt, wen er oder sie liebt und wenn diese besonders geschätzte Person dann auch noch aktiv im Netz ist und möglicherweise selbst ein Blog oder etwas Ähnliches betreibt, der riskiert damit eine Menge, wie sich gerade in den letzten Tagen ganz deutlich innerhalb meiner persönlichen Radarreichweite gezeigt hat. Es wird sich jemand finden, irgend ein eifersüchtiger Ex, irgendeine gekränkte Nebenbuhlerin, ganz egal: Diese Person wird die vielen Chancen zu kommentieren, die Möglichkeit fremde Namen zu führen verwenden, um das Paar oder die Freundschaft zu zerstören.

Natürlich kann man Namen auf Sperrlisten setzen, man kann alles an Kommentaren moderieren, Mails in den Spamfilter schicken. Man kann sich einen Anwalt suchen. Geht alles. Aber so, vermute ich, geht bald der Spaß an der Sache verloren. Die alte Leichtigkeit ist dann schon längst Vergangenheit.

Ich weiß, welche Namen ich gern mal nennen würde. Vor allem einen.

Aber ich darf das nicht tun.

Egal ob es der “richtige” Name ist oder nicht; neben meinem bekanntermaßen ganz und gar echtem Schriftzug wäre er nicht mehr sehr lange geheim.

Ich hasse den Gedanken, dass das Internet für Blogger inzwischen zu einem Minenfeld geworden ist. Oh, du kannst schreiben was du denkst, aber auch wenn du alle Gesetze beachtest, wird es Folgen haben. Wenn nicht für dich, dann für andere. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann.

Es gibt immer noch Freiheit im Internet, aber in erster Linie ist es ist Freiheit für die ganz besonders feigen kleinen Arschlöcher genau das zu tun, was sie wollen.

Wie damals auf dem Schulhof.

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In eigener Sache…: Leider ist die Telekom nun doch nicht in der Lage oder willens, wie beim ersten Anruf versprochen “sofort” einen Techniker zu schicken, um die DSL-Verbindung zu reparieren. Ich werde also wohl daheim nicht viel online sein, aber bis Montag kommen Mails, Twitternachrichten und Kommentare auf jeden Fall an.
P.S.: Falls ich hier “online” angezeigt werde, bin ich das wohl per Handy oder unterwegs. Probiert ruhig den Chat.

23.05.2009 by Denis | No comments

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