Job

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Wenn ich zugeben muss, tatsächlich Sozialarbeiter zu sein und noch dazu Jugendliche und Kinder zu betreuen, reagieren die Leute fast immer mit einem entschlossenen Daskönntichjanich. Ich finde meine Arbeit gar nicht so schlimm, im Gegenteil – auch wenn sie bisweilen Nerven kostet. Aber wer kann das nicht genau so gut auch von seinem Beruf behaupten? Ich will auch hier ganz offen zugeben, dass ich weder mauern kann noch eine Klasse Schüler unterrichten könnte. Daskönntichjaauchnicht. Hab ich ja auch nicht gelernt. Sozialarbeiter, das hab ich gelernt.

Ich bin also daran gewöhnt, dass Leute erstens keine Ahnung davon haben, was meine Aufgaben sind und zweitens, dass sie so auch nicht ansatzweise eine realistische Vorstellung davon entwickeln können, wie körperlich anstrengend mein Job auch sein kann. Sie haben auch keinen blassen Schimmer, wie dreckig ich oft nach Hause komme.

10 Uhr morgens: Erster Termin nach einiger Büroarbeit: zwei Stunden Spielplatz mit leicht wildem Fünfjährigem, der nachweislich auch nach acht Stunden ähnlicher Beschäftigung weder Ermüdungserscheinungen noch mangelnde Spielmotivation zeigt. Ich unterscheide mich von ihm in beiden Punkten ganz entscheidend.

13 Uhr: Fussballspielen mit ein paar Teenagern. Zwischendurch: Reden, reden, reden. Fussballspielen. Reden. Fussballspielen. Reden. Ich habe ein paar leichte Formprobleme, die ich mit einem entspannten Lächeln und einem Hinweis auf mein enormes Alter beiseitewische. Sie lachen und wollen weitermachen.

15 Uhr: Ich bin schon wieder auf dem Spielplatz, werde von einem kleinen Jungen begleitet von einem herzlichen “Fick dich!” mit Schlamm beschmiert. Längere Diskussion folgt, noch längerer Heimweg garniert mit einigen Fluchtversuchen und Angeboten zur Bestechung – “Sags nicht Mama, okay? Ich komm dann auch mit nach Hause. Trägst du mich?” Ich bleibe eisern, auch weil ich viel zu erledigt zum schleppen bin. Lange, noch viel anstrengendere Gespräche mit peinlich berührter Mutter folgen. Ich bin sicher, ich rieche wie ein durchgeschwitzer, gut gereifter Jagdhund.

17 Uhr: Nun, dieser Termin ist ausgefallen. Man fuhr in Urlaub, hat man mir am Morgen per SMS mitgeteilt. Zeit für Papierkram, den ich zuhause erledige.

Der Nachbar kommt mir entgegen und grinst, als er meine lehmige Anmutung bemerkt. Ich bin ziemlich sicher, er glaubt ich arbeite aufm Bau.

P.S.: Endlich wieder eine richtige Kiste Bier: Das gute Detmolder Landbier. Hurra!

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Wieder einmal läuft ein Vertrag aus und wieder einmal kann ich mich auf die Suche nach einem neuen Broterwerb machen. Ich kann nicht behaupten, dass mich das besonders glücklich macht, aber ich muss auch zugeben, ein wenig erleichtert zu sein, nicht langfristig hier gebunden zu sein.

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Nun, machen wir uns nichts vor. Ich fange wieder an zu suchen, ich habe etwas mehr Freiheit gewonnen und gleichzeitig deutlich weniger Sicherheiten – ganz so, wie man sich das auszurechnen pflegt. Und ich kann endlich mal ein paar Leute besuchen. Zum Meer fahren, vielleicht.

Eines kann ich euch sagen: Richtig unglücklich haben mich immer nur die vernünftigen Entscheidungen gemacht. Vernünftigerweise Körbe vergeben, vernünftige Jobs angenommen, an vernünftigen Orten gewohnt. Alles Blödsinn. Unvernünftige, leidenschaftliche Ideen scheitern vielleicht auch mal in der Umsetzung, aber… dafür hat man bis dahin auch ein paar mal gelacht und ein paar gute Zeiten gehabt.

(Laut gelacht, übrigens.)

Geht schon irgendwie weiter.

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