katze

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Photo Credit: Alexander Gorlin

Ungefähr einmal im Jahr habe ich eine Stunde lang Heißhunger auf Eisbein mit Sauerkraut und ganz sicher ist hier nicht sowas wie eine “moderne, leichte Version des deutschen Klassikers Eisbein” gemeint. Ich meine die fette, urtümliche Sache mit nahrhaften Beilagen und Senf dazu.

Der Fall ist klar: Es ist wohl doch noch Winter geworden.

Weitere Indizien: Die Katze, die bei meinen Eltern wohnt, will abends nicht mehr raus und krallt sich verzweifelt in alles greifbare fest, sobald man auch nur den Verdacht erweckt, sie hoch heben zu wollen. Man konnte sie ja rauswerfen. Aber bei dem Wetter… tut man das einer alten Katze nicht an.

Ich muss meine paar Tropfpflanzen ein Stück weiter vom Fenster entfernt stellen, weil sie das kalte Glas scheinbar nicht vertragen.

Ich denke daran, eine noch dickere Jacke auszumotten. Die Leute auf der Arbeit haben schlechte Laune und schwarze Gedanken. Aber wenn ich Glück habe, dann wird das ganze grauschwarze Widerlichsein rechtzeitig von weißem Schnee überdeckt und strahlt ein wenig.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber das hilft mir.

Winter bleibts trotzdem, aber der geht hoffentlich auch dieses Mal wieder vorbei.

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Neujahr bedeutet bei mir Familientermin und Sauerbraten, was in den meisten Fällen auch zur Katerehandlung ausgesprochen nützlich ist, wie alle anderen sauren Speisen auch. So war es auch in diesem Jahr, obwohl ich unverkatert aufgetaucht bin. Die andere typische Neujahrssache ist die vertraute Niedergeschlagenheit, weil man eben nicht mit bestimmten Leuten angestossen hat: Der wahre Grund, warrum ich Silvester nicht mag – ich fühle mich einsam dabei, immer.

Andererseits erfuhr ich, wie meine Eltern den Silvesterabend verbracht hatten: Auf dem Sofa, zwischen sich den argwöhnischen Kater, der sich nicht ganz unbegründet schon Stunden vorher Sorgen um etwaige Knaller gemacht hatte: Einer legt eine Hand auf die Katze, der andere hält dem furchtsamen Schnurrer sanft die Ohren zu.

Scheinbar hat es funktioniert und ich mußte doch lächeln, genauso wie jetzt gerade auch.

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Kabelkater

Vor gar nicht so kurzer Zeit hatte mir die fabulöse Charlie berichtet, dass ihre Katze einmal die Kopfhörer ihres MP3-Players zerbissen hatte. (Böse Katze.) Ich habe ihr geglaubt, aber so richtig nachvollziehen konnte ich die Geschichte nicht. Kabel? Katze? Karnickel vielleicht und Hunde machen ja auch allerlei unterhaltsamen Unfug, aber nagende Katzen? Irgendwie kam mir das nicht richtig vor.

Nun, ich muss wohl Abbitte leisten.

Der Kater steht auf meine iPod-Hörer. Die alten weißen mag er komplett – er kaut die Kabel durch und knabbert am einem der Hörer. Er sah sehr glücklich aus, als ich ihn beim ersten Mal dabei überraschte. Deutlich weniger glücklich sah er aus, als ich ihm seine Beute entriss, was sich als erstaunlich schwierig erwies, da der Kater gar nicht daran dachte, loszulassen und noch dazu auch nach dem Verlust des Kau-Objektes neue Attacken startete. (Außerdem hat er mich gebissen, nicht besonders kräftig – aber immerhin.)

Seitdem hatte ich ihn im Auge, wenn ich mit Kabeln hantierte, aber die sah er nicht einmal beiläufig an.

Bis zu jenem denkwürdigen Tag vor ungefähr zwei Wochen, der Tag an dem ich meine neuen, günstig erstandenen Ohrhörer auspackte, die die mitgelieferten und ausgeleierten Dinger ersetzen sollten. Beim Auspacken sah ich mich unter Beobachtung, was normal ist. Katzen lieben Neuigkeiten prinzipiell nur dann, wenn sie dadurch neue bequeme und warme Schlafmöglichkeiten oder vielleicht besonders leckeres Futter gewinnen könnten.

Als ich das Kabel ausrollte, hatte ich seine volle Aufmerksamkeit. Dann wurde die Neuanschaffung geräuschvoll (!) beschnuppert. Und dann … begann er motiviert, das Kabel durchzukauen. Als ich es schnappen wollte, knurrte er und rannte weg. Unters Bett. Der Beginn eines längeren Duells.

Wenn ich heute die abnehmbaren Ohrstücke abwasche, lasse ich sie nur außer Katzenreichweite1 trocknen. Auf die steht er nämlich auch. Er hält sie wohl für eine Art Kaugummi.

Um es kurz zu machen: Ich packe die “in ear headphones” seitdem immer sorgfältig in die mitgelieferte Tasche mit dem Reissverschluss rundherum, wenn ich sie nicht brauche.

Ich frage mich, ob es dabei vielleicht um ein Katzenschutz-Etui handelt, das vom Hersteller in weiser Voraussicht mitgeliefert wird.

  1. Ein sehr unsicherer Begriff, wie wohl jeder Katzenhalter bestätigen kann. []

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Schlaf gestaltet sich ausgesprochen kompliziert in diesen Tagen – ich gehe spät ins Bett, kann dann lange nicht schlafen und wache früh auf, um dann doch noch lange nicht aus der Kiste zu kommen. Daher experimentiere ich mit verschiedenen Weckmethoden, weil die Katze nicht zuverlässig ist.

Der geschmacklos-billig piepende Elektrowecker hat einfach keinen Stil und den entscheidenden Nachteil, meine Laune gleich nach der unbarmherzigen Ausweisung aus den Traumlanden mit einem fürchterlich fiesen Geräusch zu konfrontieren. Das führt zu schlechter Laune und Unlust zum Aufstehen. Daraus folgert sich Zeitmangel, hastiges Essen, Verdauungsprobleme, noch schlechtere Laune, Verspätungsrisiko und so weiter. Arbeitslosigkeit, Gesundheitsprobleme, Unglück. Möglicherweise ein früher Tod. Ich empfehle Alternativen.

Die Variante “Handywecker mit Vibrationsalarm” – das Gerät wandert ennervierend über jedwede glattere Unterlage und tritt irgendwann den Weg unter das Bett an, wo es leise weitervibriert. Man steht letzendlich auf, in einer Mischung aus schlechtem Gewissen und Resignation. Man kapituliert vor einem Telefon. Das ist kein guter Anfang für einen Tag.

Vor einem halben Jahr habe ich technisch aufgerüstet, wie man das so als Supermacht tut, wenn man mit seinen Problemen nicht klar kommt. Halt: An sich hatte ich gar kein Problem mit dem Liegenblieben, nur der Rest der Welt wollte sich einfach nicht anpassen. ich gab nach und legte mir einen Radiowecker zu, in den ich außerdem meinem übertrieben ausgestattetes Abspielgerät für digitale Musikdateien1 stopfen konnte. Recht praktisch, dachte ich, sich von seiner Lieblingsmusik wecken zu lassen.

Allerdings kann es gut sein, dass es dann nicht mehr lange meine Lieblingsmusik ist. Immerhin verbinde ich sie ja dann mit dem geweckt werden und das ist kein guter Umgang für ansonsten vollkommen untadelige Lieder – so kann man sein Image bei Autor dieser Zeilen nachhaltig beschädigen.

Der in diesem fantastischem Gerät eingebaute klassische Radiowecker ist wie russissches Roulette der akustischen Art – alles kann gut gehen, aber mit etwas Pech kann man von etwas Unaussprechlich Schrecklichem erweckt werden, oder – schlimmer noch – von einem interessanten, mit beruhigender Stimme vorgetragenem Wortbeitrag2 kann man gnadenlos zurück in die Federn geschickt werden und endgültig viel, viel, viel zu spät kommen und vielleicht (siehe oben) elend ums Leben kommen. Trotzdem ist es meine Methode. Aber nicht meine liebste.

Am besten und angenehmsten wecken nämlich Emails. Natürlich meine ich freundliche Emails.

Weil mein übertrieben kompetentes Abspielgerät nicht nur für mich Musik abspielen kann, sondern auch meine Post abholt, piept es einmalig sehr leise, sobald sich etwas in meinem digitalen Postfach eingefunden hat.

Piep.

Davon werde ich wach. Zuverlässig. Wenn es nicht gerade der nächste elendige Newsletter ist, dann geht es mir gut. Sehr gut. Und ich bleibe sogar wach, weil ich immer gleich eine Antwort schreiben will. Das kann nur ein guter Tag werden, weil es bereits jetzt offensichtlich ein fantastischer Tag ist und ich mich merkwürdig unaufhaltsam fühle.

Ich mache meine Lieblingsmusik an, stehe auf und überlege mir schon jetzt, was ich zurückschreibe.

P.S.: Was ist eure Methode?

  1. Mein iPod Touch ist gemeint. []
  2. Der Sender meiner Wahl ist WDR 5, wegen der eher ungefährlich-blassen Musikauswahl, die man auf nüchternen Magen ganz gut vertragen kann. Außerdem gibt es da kein witziges ‘Frühstücksradio’. []

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An Silvester gab es einen großen Schock, denn der Kater saß im Wohnzimmer und knurrte. Nicht dass das so ungewöhnlich wäre, der altgediente Kastrat wird bald zwölf und hat sich seine Launen redlich verdient, aber er war nicht allein – vor ihm lag eine kleine, dicke, graue, Fremdkatze, die sich vermutlich auf seinem Sofa12 Platz genommen hatte, was auf gar keinen Fall zu tolerieren war. Er hatte sie im Nackenfell gepackt und wollte gerade unaussprechliche Gewalttaten vollbringen, als er von lästigen Menschen gestört wurde und das graue dicke Beutestück die Gelegenheit zur Flucht ergriff und die Treppe hinabflitzte, der Katzenklappe entgegen.

Der Kater war stolz. Sehr stolz und würdevoll. Er legte sich auf SEIN Sofa, um den Sieg zu feiern und etwas zu schlafen (Bis er von dort entfernt wurde), nicht ahnend das sein Futternapf im Keller sauber entleert worden war.

Neujahr. Wie eine Untersuchung des Waschkellers ergab, war die kleine Katze noch da. Sie hatte ihr Geschäft aufs üppigste in der Bettwäsche gemacht, die nun die Reinigung entschieden dringender und vor allem schneller nötig hatte.  Es war nur noch ein graugetigerter Schweif zu sehen, der in einem Türspalt verschwand. Das Schlimmste war eingetroffen: Eine von Böllern und größeren Katzen verängstigter Stubentiger  im gefürchteten Gerümpelkeller, der von meinem Vater grob irreführend “Werkstatt” genannt wird. Was dort einmal untergebracht wird, kann nur von meinem Vater wieder entdeckt werden, mit etwas Glück jedenfalls. Mein Vater ist nicht da. Die Katze ist dort. Möglicherweise. Das probeweise dorthin gestellte Futter wird jedenfalls über Nacht verspeist.

Wir haben keine Ahnung, wem das kleine Biest gehört. Wir haben erst recht keine Ahnung, wie man es wieder dort herausbekommt. Helft dem Stammsitz der Gorgmorger mit eurer großen Erfahrung und enormen Intelligenz!

  1. unserem Sofa, bevor wir eine Katze hatten []
  2. Eigentlich ist es das Sofa meiner Eltern []

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Ich dachte, dieses mal gibt es einfach einmal ein besonders lässiges und ruhiges, farblich nicht allzu verstörendes Werk aus meinem vielseitigen Repertoire. Gestern war ein wilder Tag, an dem ich einer ganzen Handvoll Kalamitäten mit nichts als einer Tastatur und dem Mut der Verzweiflung entgegentreten musste und Katastrophen gerade noch verhindern konnte – vielleicht – ich kann nur hoffen, das ich auch mal etwas Glück habe. Das Wochenende wird besser ganz großartig, das wäre nur gerecht als Ausgleich für diese zu großen Teilen fürchterliche Woche.

Andererseits gibt einem so etwas manchmal ungeahnte Energie für weniger wichtige Aufgaben; ich kann dann beispielsweise sehr gut schreiben. Sogar an anderen Dingen als diesem Weblog. Ich habe also fast die ganze Zeit am PC und Telefon verbracht und war irgendwann nur noch erschöpft.

Katze sollte man sein. Sich einfach hinlegen, die Pfoten putzen und dann einfach beschließen zu pennen, wenn es einem zuviel wird. Da bin ich wirklich neidisch.

P.S.: Da meine Nachttischlampe wohl grade einen Wackelkontakt entwickelt, kann ich wohl sehr bald nicht mehr im Bett lesen. Kalamität #6. Nur für die Akten.

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