Es hatte etwas zu bedeuten, wenn die Katze nicht an einem warmen Platz liegenbleibt, sondern aufsteht und immer wiederkommt. Normal wäre, wenn sie aufsteht und geht. In diesem Fall: Ein Rohr im Katzen- und Heizungskeller war undicht und die Fliesen waren mit einer dünnen Wasserschicht bedeckt; nicht besonders viel Feuchtigkeit, aber genug um den Kater von einem Besuch des Katzenklos abzuhalten. Er schätzt nasse Pfoten nicht.
Nun, das Leck: Es tropfte nicht sehr, trotzdem erfordert es sofortiges Eingreifen der Technischen Hilfskräfte. Ich dachte, nach einen halbstündigen Einsatz wäre alles wieder in Butter bzw. abgedichtet. War es auch, für einen Tag.
Da wacht man morgens auf und will tatsächlich duschen, aber es kam nur blrrg blrrg splfff und dann endlich Wasser, in einer Temperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt, so knapp über dem Gefrierpunkt dass es eigentlich zählflüssig sein sollte. Die Dusche und sonstige Generalreinigung wurde also großzügig verschoben.
Es kommt gelegentlich vor, dass man vor dem Ausgehen etwas Schlaf nachzuholen gedenkt und wirklich kurz davor steht, die Pläne in die Wirklichkeit umzusetzen. So war es heute. Nun, dachte ich mir, wenigstens sollte ich sauber in die Federn steigen; nicht nur der Hygiene wegen, sondern auch um danach erfrischt und startklar in die bereitliegenden Klamotten zu steigen und mich den Herausforderungen und unirdischen Genüssen des Nachtlebens wohlgewappnet zu stellen. Gut so, dachte ich mir, ein wenig durchgefröstelt war ich eh und malte mir eine angenehmes, überlanges, überwarme Duschsession der Verschwendung aus.
Das Wasser sei nämlich endlich wieder warm. Hatten sie gesagt. Endlich.
Wasser an, tatsächlich war es angenehm, dampfend, genau so warm wie ich das in Erinnerung hatte. Sehr gut. Unter der künstlichen Wasserwand könnte ich Stunden verbringen, das ist so eine Art Meditationsort für mich. Ohren voller Wasser, Augen zu … ein rauschender Ort der Einkehr und der Besinnung, jawohl.
Shampoo in die Haare und … ein eisiger Schwall fiesester Kälte kam über mich, so dass ich mich nur mit einem halsbrecherischen Sprung retten konnte. Mit intaktem Hals testete ich die Temperatur und bereute es gleich.
Es wurde auch Minuten später nicht wärmer, dasselbe galt für meinen Körper. Die Zähne klapperten noch nicht, kündigten aber entsprechende Maßnahmen für die nächste Zeit an. Klap, Klap, klp, klp, klack. Ich bekam eine Gänsehaut, die eine durchschnittliche Strukturtapete vor Neid erblassen lassen würde, wären Tapeten nicht im allgemeinen schon eher bleich.
Das Shampoo, wie immer reichlich davon, lief mir in die Augen. Half alles nichts – ich wappnete mich, drehte das Wasser an und … oh ja, es war überaus kalt. Ich stelle mir solche Prüfungen in den geheimen Schulen der Ninja vor, als letzte Herausforderung, die man entweder zu einer unbesiegbaren Kampfmaschine der Nacht gestählt oder schockgefrostet und leicht entsorgbar verläßt.
Ich, liebe Leser, bin eine unbesiegbare Kampfmaschine der Nacht. Leider kann ich so erfrischt auf keinen Fall mehr vorschlafen, was den Einschüchterungsfaktor doch deutlich abschwächt. Eine müde blinzelnde, gelinde besiegbare Sofabeschwerungsoption des späten abends.
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