Ich habe eine ganze Reihe von Blogs durchforstet, dabei fand ich zwei oder drei Beiträge über den Ersten Kuss. Gut, dachte ich, schreibe ich über meinen, das muss wohl so etwas wie ein Wink des Schicksals sein, dem ich mich nicht länger verweigern kann.
Das einzige Problem dabei ist, dass ich mich gar nicht gut an meinen ersten Kuss erinnern kann. Wir reden hier – das bestimme ich einfach mal so – vom ersten Richtigen, keine der gefürchteten schlabbrigen Zumutungen, mit dem man die Mädchen in der Grundschule quer über den Schulhof jagen konnte. Das hat auch Spaß gemacht, war aber auch komplett anders.
Danach kommt eine lange Zeit, während der meine Lippen keinen Kontakt mit anderen hatten. Und dann muss es irgendwann passiert sein, aber will mir nicht einfallen. Die Kunst der Erinnerung sollte ich irgendwann einmal lernen.
Irgendwie schlimm, so etwas nicht zu wissen. Solche Geschichten sollte man doch mal vom Lehnstuhl aus den Enkeln und Nachbarskindern erzählen können! “Denis, wie war denn dein erster Kuss, hmm?” Ich denke mir dann wohl einfach etwas Gutes aus, das ist das verbriefte Recht von Lehnstuhlsitzern.Ich kann mich dafür um so besser an die Geschichte meines ersten guten Kusses erinnern. Der kam auf jeden Fall erst viel, viel später.
Sie war unnatürlich blond und viel kleiner als ich und jünger auch, und sie hatte so ein beinahe durchsichtiges schwarzes Schlauchkleid an, das sie, wie ich später erfahren sollte, erst unterwegs zur Party anziehen konnte, weil ihre Mutter sonst unweigerlich einen ihrer nicht untypischen Tobsuchtsanfälle bekommen würde, was Hausarrest zur Folge hätte – Ein Schicksal Schlimmer Als Der Tod, jedenfalls für jeden ausgehfreudigen Teenager und mit Sicherheit für sie. Naja, fast.
Sie hatte unter diesem Schlauchkleid nur ihre schwarze Spitzenwäsche an, so erinnere ich mich jedenfalls und diese füllte sie gut aus; sie war ganz schön üppig und das gefiel mir damals schon ausnehmend gut. Irgendwie kamen wir ins Gespräch, sie fragte mich, was das für ein Stück Musik wäre – und ich wusste Bescheid, sie bat mich um Feuer, ich rauchte nicht, sie eigentlich auch nicht, hervorragend, wir waren im Gespräch und mir wurde nicht erst jetzt warm; mir war schon seit Minuten heiß, seitdem sie begonnen hatte, mir immer wieder Blicke zuzuwerfen. Sie kam mir sehr nahe und zwischen uns befand sich nur mein T-Shirt und … was sie anhatte, war eigentlich nicht weiter nennenswert. Das fühlte sich … gut an. Sie strahlte Hitze aus wie ein kleines Kohlekraftwerk unter Vollast und und sie war ganz klar zu viel für einen Amateur wie mich.
Ich war… etwas… nervös und komplett hilflos.
Wir gingen raus, zum Luftschnappen und als wir gerade – Hand in Hand – um die nächste Ecke gebogen waren – drehte sie sich schwungvoll herum, zog mich zu sich herunter und dann küsste sie mich einfach. Sie schmeckte nach Fischerman’s Friend™ Mint (Zuckerfrei).
Ich war viel zu überrascht, um richtig mitzuküssen; meine Lippen verkrampften sich und wussten nicht wohin, meine Hände wussten nicht, wie ich sie zu umarmen hatte. Sie lies los und ging einen Schritt zurück. “Mmmh” machte sie mit ihrer hohen Stimme und schaute mich streng an. Sie hatte Augenbrauen, die sehr entrüstet aussehen konnten, wenn sie das nur richtig wollte, so wie jetzt. Ich sollte nicht so schlabbern und locker werden und sie richtig in den Arm nehmen, so und so… und so und hier die Hände hin, das würde sie so mögen.
Und dann probierten wir es noch einmal und ihre Lippen waren sie weich und warm und ich spürte, wie ihr Herz schlug und wie ihr Körper sich anfühlte und wie meine Lippen auch warm und weich wurden und dann meine Knie und wie alles zusammenpasste und wie mir schwindelig und leicht wurde. “Mmmh…” hörte ich sie, wie aus weiter Ferne.
Wir übten noch die ganze Nacht weiter und in der Woche darauf gab sie mir einen Korb.
Noch Monate später hatte ich immer noch den bis dato übelsten Liebeskummer meines Lebens. Aber ich konnte dank ihr immerhin ein wenig küssen, was sich später noch als nützlich erweisen sollte (und ich hatte post-Liebeskummer eine echte Freundin gefunden, die zu meinem größten Bedauern nie wieder mit mir übte).Etwas, an das ich mich gern erinnern mag – besser diese Geschichte als irgendeine schreckliche Geknutschkramperei, die ich wohl zu Recht aus meinem Speicher gelöscht habe, oder?
Kommentare