Die im folgenden Text beschriebenen Ereignisse sind wahr. Namen oder Ortsbezeichnungen wurden geändert, um die erwähnten Personen zu schützen.
Geneigte Leserinnern, geneigte Leser: Es ist fast Mitternacht, ich bin fertig mit der Arbeit. Arbeit bedeutet Abrechnungen und allerhand unerfreulichen Papierkram, der mich zu jedem angebrochenen Monat heimsucht.
Ich schaute also durchaus erleichtert einer sehr alten Folge Zimmer frei und langweilte mich ein wenig, weil ich sie allein schauen musste. Normalerweise gibt es dazu immer einen lebhaften Austausch von Onlinekommentaren und ohne … wurde mir doch allzu bewusst, dass ich die Sendung schon kannte.
Was wäre wohl, wenn ich nicht Monat für Monat diese Art von Montagen erdulden müsste und dann… dann dachte ich an meinen alten Grundschulkumpel Manuel. Der Sohn einer Dame des Horizontalen Gewerbes und … irgendwem. Ein toller Typ, den ich gleich mochte, der Held einer mehr oder weniger lustiger Episoden dieses Weblogs. Aber in denen hieß er nicht Manuel. Egal.
Wie das eben so ist, bricht der Kontakt zu den coolen Typen aus der Grundschule ab, wenn man in einem anderen Ort auf das Gymnasium geschickt wird und die meisten coolen Typen (aus der Grundschule) die Hauptschule besuchen – die Schule der harten Leute.
Er war nicht hart drauf. Er war nett und für ein paar Jahre sah ich ihn nicht wieder. Ich hörte allerdings, dass er beschlossen hatte, nach Nepal zu trampen – erstmal war er in Richtung Süden verschwunden und keiner hatte mehr von ihm gehört.
Natürlich tauchte er – viele Jahre später – wieder auf. Wie das in solchen Geschichten eben so ist. Er war bis Spanien gekommen und dann war er auf eine Menge Meer gestoßen; das war so nicht geplant gewesen. Er hatten nämlich kein Geld und wurde Maler. Er wohnte am Strand in einer “Hütte”. Irgendein “reicher Typ” kaufte ihm seine Sachen ab und so konnte er sich irgendwann das Ticket leisten… welches ihn nach Hause brachte, weil es in der Hütte zu ziehen begann. Der Winter war im Anmarsch und aus eben diesem Grund konnte er mir das erzählen. Ich hätte Manuel ja beinahe gar nicht erkannt, weil er einen gestrüpphaften Bart trug und ein irres Funkeln in den Augen hatte, was früher nicht so ausgeprägt war. Sein Enthusiasmus war jedenfalls ungebrochen und er würde wieder nach Spanien zurückgehen, dann aber würde es auf jeden Fall nach Nepal gehen. Er müsste nur früher im Jahr mit der Malerei anfangen.
Im folgenden Jahr traf ich ihn wieder, im Herbst. Ich wollte unbedingt nach Nepal fragen, brachte es aber nicht übers Herz. Er versuchte mir weiszumachen dass er Mathematik auf die künstlerische Weise angehen würde und die Welt in ein paar Formeln erklären könne. Er müsste das nur mal aufschreiben.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich frage mich, wo er heute ist und ob er auch Abrechnungen machen muss. Ich wette: Nicht.




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