Menschen

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Meine geneigten Leser erinnern sich doch sicher an meinen letzten Beitrag, in dem ich meine möglicherweise nicht allgemein gültigen, dafür aber persönlichen Ansichten über

  1. Frösche und
  2. Nicht Ganz Durchschnittliche Frauen

darlegte?

Habe ich mir gedacht.

Nun, ich bin bereit im ersten Punkt einige andere Alternativen zu erwägen – der freundlicher lächelnde und möglicherweise kompromissbereitere Korallenfinger-Laubfrosch ist doch sicher auch ein angenehmer und hilfreicher Hausgenosse, wenn man es genau bedenkt, oder? Nun, ich werde das noch ein wenig länger bedenken – die weitere Alternative “Auf jeden Fall Kaninchen!” wurde mir auch noch zur Auswahl gestellt.

Was einzigartige Frau angeht, hat sich das Vertrauen gelohnt. Wieder einmal. Und sicher nicht zum letzten Mal. Vielleicht spinne ich irgendwann nicht mehr so sehr, wie ich heute bei solchen Gelegenheiten zu spinnen pflege, aber ich will an mir arbeiten. Weißt du.

Und Danke. Fürs da sein. Und fürs wieder da sein. Und für die Freundschaft, vor allen Dingen. Und nun… werde ich genau das tun, wozu mich dieses Foto da oben inspiriert.

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Was macht man, wenn einen eine gute Freundin bittet, auf ihre Party zu kommen? Natürlich geht man hin, ist doch klar. Auch wenn es eine Party des Fachbereichs Jura ist, auf der die Juristen-Rockband spielt? Klar, geht man hin.

Die Juristen-Rockband ist ziemlich cool, auch wenn sie sich dauernd verspielt und versingt. Vor allem der graue alte Prof, der zwar nichts mit englischer Aussprache zu tun hat, dafür aber überzeugend den Überzeugungstäter, den bärtigen ollen Bluesman gibt. Die haben Spaß. Das Publikum tobt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie die Band gutfinden oder ob sie sich darüber amüsieren, dass da ihr Dozent abrockt. Das hat was von Zoo.

“Die sind doch echt gut oder?” – sagt die Freundin. Find ich wirklich auch und sage es ihr – eine Band ist ja noch nie nur deshalb gut gewesen, weil sie besonders fehlerfrei spielt. Die Reaktion scheint sie zu freuen. “Hätte man von Juristen wohl nicht erwartet, hm?”

Also, bei ihr hätte es mich nicht gewundert. Sie liebt den verdammten Rock’n'Roll, sie ist quasi Rock’n'Roll, eine von der guten, ehrlichen Sorte Mensch. Ich überlege, was ich sagen soll, sie hat eigentlich etwas Freundliches verdient. Sie ist überhaupt nicht wie ihre Kommilitonen. Ich sage:

“Naja, Juristen sind ja auch Menschen, oder?”

Sie schaut mich etwas seltsam an. “Hmm.” Mehr sagt sie nicht dazu.

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(War nicht auf der Party.)

Kurze Zeit später bin ich allein und wünsche mir, mein Notizbuch nicht vergessen zu haben – sonst habe ich es immer dabei und schreibe doch nichts auf, wenn ich unter Menschen bin – aber es gibt einem ein gutes Gefühl, keine guten Sätze und Ideen verlieren zu müssen. Ich schaue mir die Leute an, die seltsam kreischig lachen und versuchen, sich nicht auf die Füße zu treten. Sie sind schon jetzt schrecklich besoffen und die Frauen tragen zu blonde Haare und enge Oberteile, die mich ganz uncharakteristisch völlig kalt lassen; die Kerle weiße Hemden unter ihren Pullis mit V-Ausschnitt. Die meisten Klamotten sehen so teuer und wichtig und geschmacksfrei aus, dass das Zeug eigentlich nur von H&M stammen kann. Hier gehöre ich ja schonmal gar nicht hin. Aber das merkt keiner, die schauen alle durch mich durch, zu beschäftigt, die richtigen Leute im Auge zu behalten und nicht über die eigenen oder fremde Füße zu stolpern. Es ist nicht so, dass ich mich langweile, ich bin merkwürdig fremd und das wird sich auch nie ändern. Das ist auch in Ordnung so, finde ich. Ich beobachte das fremdartige Volk wie ein Tierfilmer: Von einem sicheren Versteck aus. Tierfilmer interessieren sich auch für die Welt um sie herum, ohne den Wunsch, von ihrem aktuellen Umfeld als einer der ihren – beispielsweise als Tapir – anerkannt zu werden. Die Band spielt “Über sieben Brücken musst du gehen” und “Born to be Wild” und son Kram. Zwischendurch wird eine bedauernswerte Fachschaftlerin von einem weiblichen, alkoholisierten Fremdkörper mutwillig in die Hand gebissen. Es ist keine Luft mehr im kleinen Hörsaal, als die Band die Zugabe hinter sich hat und der Saal sich leert; das bisschen Bier hat desaströs auf die Form der Verbliebenen ausgewirkt. Sie tanzen oder wanken, einige versuchen einen gewagte Kombination beider Aktivitäten. Ich sollte nun unbedingt entkommen, wegfahren oder mich schrecklich betrinken, sonst geht das hier fürchterlich schief. Ich beschließe zu fahren.

Die Freundin steht hinter der Theke, sie hilft spontan der Gebissenen aus (Die gute Seele!). Sie reicht mir meine letzte Cola, eine zum wach bleiben auf dem Weg durch den Nebel. Ich muss noch was loswerden.

“Weißt du, ich verstehe jetzt, was du eben meintest. Es gibt Juristen, die gleichzeitig Menschen sind. Aber es sind nur ungefähr fünf, glaube ich.”

“Siehst du.”

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Manchmal habe ich das Gefühl, dass Leute, die ich wirklich mag, gar nicht von hier sind. Als wären sie nur Gäste, gut getarnt und auf den ersten Blick kaum von normalen Menschen zu unterscheiden. Man kann sie aber erkennen, auf den zweiten Blick.
Vorausgesetzt, man weiß, wie man ein ganzwenig auf eine besondere, geheime Art die Augen zusammenkneifen muss – dann sieht man es auch. Sie sind vielleicht da, aber sie scheinen so etwas wie einen unsichtbaren Raumanzug zu tragen, der ihnen erlaubt, auf dieser fremden Welt herumzuspazieren, als wären sie hier zuhause und und nicht auf einer exotischen Welt, die dieser täuschend ähnlich sieht. Verloren.

Ich weiss das ziemlich genau, weil ich wohl einer von ihnen bin, auch wenn ich hin und wieder meinen Spacesuit vergesse und mich heimisch fühle, in guten Momenten. Aber so richtig dazu gehören? Nein. Da ist diese Raumanzug-dünne Distanz.

Manchmal, da kommen sie wie zufällig zusammen und schrauben sich diskret ihre unsichtbaren Helme ab. Können sich gar nicht erklären, warum sie sich so wohlfühlen. Bis sie irgendwann die Augen zusammenkneifen.

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Hütet euch!

Ich habe eine Warnung auszusprechen. Vor Leuten, die angeblich “eigentlich ganz lieb” sind. Das bedeutet genau das Gegenteil. Schlimmer! Solche Personen beißen und knuspern einem große Stücke Fleisch aus dem ganz persönlichen Hinterschinken. Ganz ohne Warnung. Die bellen nichteinmal im voraus!

Warum? Weil sie so fies und außerdem gemein sind, darum.

So fies, das man nicht einmal wagt, sie “dummes Arschloch!” zu nennen. Die Menschen haben Angst vor diesen Charakteren. Angst vor ihrer Rache. Eigentlich liebe Menschen sind nicht böse. Sie sind eigentlich böse.

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