Müde

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OffOnOff

Ich bin morgens… fürchterlich müde, dann gehe ich arbeiten. Sofort sprühe ich vor Energie; ich weiß gar nicht, woher die kommen soll. Ich komme nach Hause und schaffe es gerade noch zu essen und alles für die Arbeit des nächsten Tages vorzubereiten. Direkt danach bin ich … fürchterlich müde und kaum noch zu einer intellektuellen Tätigkeit fähig – es geht nicht so weit mit der Lethargie, dass ich Rüdiger Hoffmann oder Ingo Oschmann ertragen könnte. Nein, noch bin ich nicht hirntot (Soweit ich weiß). Aber ich sehe bereits regelmäßig fern.

All das wäre nicht schlimm, wenn ich mich nicht nach ein, zwei gelesenen Seiten schon ins Reich der Träume verabschieden würde. Das gibt sich hoffentlich mit der Zeit.

Ich vermisse Bücher.

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Freitags hatte ich manchmal das besondere Glück, früher nach Hause zu können, sozusagen einen vorgezogenen Feierabend. Dummerweise war ich immer verlässlich müde, grauenhaft müde: Viel, viel müder als eigentlich anständig wäre, viel müder als nach einem vollen Tag mehr oder weniger rechtschaffenen Schaffens. Ich hatte auch schon regelmäßig Freitage durchgeackert, man ist dann müder als sonst.

Also, ich bin dann müder als nach einem anderen Arbeitstag.

Aber es liegt nicht daran, dass man eine ganze Woche herausfordernder Aufgaben hinter sich hat. Ich musste bisher jeden Satz dieses wirklich bescheidenen Textes mehr als einmal korrigieren und das ist selbst für mich viel – und ich schreibe diese Zeilen an einem Donnerstag. Wäre es noch Mittwoch und ich wüsste, dass das Wochenende nun bevorstünde – vermutlich wäre es genauso. Was bedeutet das?

Der Wochenenddampfer schiebt eine gewaltige Bugwelle bleierner, schwermetallschwerer Ermattung vor sich her, die es zu überwinden gilt um sich des Wochenendes würdig zu erweisen.

Meine geneigte Leserschaft beweise mir das Gegenteil.

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Ich schlafe nicht gern in fremden Betten. Besser gesagt: Ich schlafe ungern allein in fremden Betten. Nur so eine unbedeutende Vorliebe von mir, ich penne einfach besser in meinem eigenen Nachtmöbel; daher lehne ich in aller Regel die freundlichen Einladungen meiner Freunde ab, ihre mit Sicherheit äußerst bequemen Sofas zu benutzen – jedenfalls dann, wenn es eine Möglichkeit geben sollte, nach Hause zu kommen. Die nutze ich ohne Rücksicht auf Verluste.

Ich tauche daher meistens nicht in Bestform vor meiner Tür auf. Müdigkeit ist schlimm genug, Suff und Müdigkeit sind ein Duo wie Nitro und Glyzerin, wie man so oft und so angenutzt zu sagen pflegt – hier passt es besonders schlecht, denn explosiv fühle mich bei solchen Gelegenheiten ganz sicher nicht. Leider habe ich bisher nur fünf Wochen in einer ansonsten schrecklichen Wohnung ebenerdig gewohnt. Ein weiteres Hindernis mehr nach dem Türschloss – das allein kann mich für eine gute Weile aufhalten: Schlüssel finden, den richtigen raussuchen, Schloss treffen, umdrehen.

Die Schuhe auszubekommen kann einem schonmal einiges an Puste kosten, ich bin meistens froh sie loszuwerden und habe wenig Zeit, die ordentlich irgendwo hinzustellen – Hauptsache, ich finde sie überhaupt wieder. Das größere Problem ist die Treppe; ich habe mir bei der Erklimmung der Stockwerke schon Hämatome en Masse, Risse, blutende Irgendwasse, die sich später nicht mehr auffinden lassen und unangenehme Bisse auf die Zunge durch ungeplante Stolpereien zugefügt.

Kein Mitleid, bitte.

Die Hose wird in einem wahren Kunstwerk möglichst gemeinsam mit den anderen Schichten abgelegt, ich würde sogar eher zu Beschreibungen wie “Denis häutet sich” tendieren, handelte es sich hierbei nicht um die nun gekonnte zerknüllten Kleidung und nicht etwa um schuppige Haut eines Reptils. Ich sollte das mal fotografieren, aber dafür ist mir das morgendliche Stilleben viel zu peinlich.

Ins Bett schleppen, aufstehen, Glas Wasser holen und ans Bett stellen, hinlegen, aufstehen, Wecker abschalten, hinlegen, aufstehen, zum Klo schwanken, zurück ins Bett und dann, dann endlich …

… wenn mir dann nichts Trauriges oder Bedrückendes einfällt, damit ich stundenlang wach liegen kann, dann steht dem Schlaf eigentlich nichts mehr im Wege.

Das ist nix für Amateure.

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Man hört ja dann und wann, das Zeit keine feste Größe, sondern relativ ist – eine Minute kann manchmal wie ein Wimpernklimpern oder wie eine Ewigkeit sein. Manche Personen können meiner festen Überzeugung nach Zeit beschleunigen, sie vergeht so schnell, dass man nach einem Abend glaubt, sich gerade erst zur Begrüßung umarmt zu haben. Ich kann solchen Personen natürlich nicht böse sein, sie machen das zum einen nicht absichtlich und zum anderen sehr angenehm; Kurzweiligkeit ist kein Verbrechen – man will nur immer mehr davon und kurzweilige Gesellschaft verwöhnt mich meist schnell.

Wenn es Beispiele dieser Art gibt, dann existieren auch welche für das Gegenteil und ich bin sicher, dass die Zeit an wenigen Orten so langsam vergeht wie in den Wartezimmern von Ärzten. Das gilt mindestens doppelt für ein mit nur allzu vertrautes Wartezimmer eines bestimmten Augenarztes. Man kann sich hier die Netzhaut und andere Geschichten lasern lassen, daher ist das Durchschnittsalter der Patienten auch ganz schön hoch – ich bin hier immer nur als Fahrer, selbst ich bin hier noch ein Küken. Aber inzwischen bin ich etwas besorgt, wenn ich das ganze Wartezimmer von Personen in Strickjacken oder gar Westen besetzt vorfinde 1.

Meistens sind die Leute wegen der Therapie mit den Todesstrahlen aus dem All vor Ort und das bedeutet, dass sie mindestens eine halbe Stunde vor der Behandlung ihre Tropfen für die Weitung der Pupillen bekommen. Dafür gibt es enorme Wartezeiten und natürlich kann man nach der Betröpfelung kaum etwas machen; die meisten können nicht einmal lesen. Das bedeutet, dass man entweder redet – das bedeutet in den meisten Fällen klassische Gespräche über Krankheiten oder die fürchterlich verlotterte Nachbarschaft, Ämter, Jugend, Politiker – “Solche wie früher gibt’s ja heute nicht mehr” – oder man schläft einfach ein, was schlecht ist. . Mir ist wirklich schon einmal müder Enkel auf der Schulter eingepennt, sehr unkomfortabel für ihn und erst recht für mich – ich wollte ihn gar nicht wecken, weil das sicher peinlich für ihn geworden wäre. Es wurde ihm dann etwas später peinlich, weil ich wirklich aufstehen musste. Ich muss das nicht haben. Zu schlafen ist trotzdem die beste Alternative für Unvorbereitete, denn in dieser ganz speziellen Praxis gibt es nur zwei alte Ausgaben von “Das Goldene Blatt” und einmal “Die Aktuelle”. Ich bringe also mein eigenes Buch mit, werde aber selber müde durch die … beruhigende Aura der vielen Schlafenden und ihrem leisen Schnarchen und den immer gleichen Themen. Die Luft ist heiss und miefig. Meine Augen fallen mir immer wieder zu. Aber ich kann doch nicht aufgeben. Jedenfalls nicht so indiskret. Ich tue einfach so, als würde ich tief nachdenken, halte das Buch gut fest, schließe kurz meine Augen…

Ich schwöre, in solchen Stunden gehen ganze gefühlte Erdzeitalter vorbei. Sekunde für Sekunde.

  1. Versteht mich nicht falsch, das ist noch lange nicht so schlimm wie eine Anhäufung von handybewehrten Schlipsen, die unbedingt jetzt drankommen müssen, weil man wichtiger als das Alphatier nebenan ist. Ich habe nichts gegen ältere Leute. Und ich habe schon eine Menge Wartezimmer gesehen. []

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Gesundheit!

Seit Wochen fühle ich mich schlecht – und ich meine körperlich, liebe mitleidige Seelen. Ich bin müde, schlapp, schlafe mäßig gut und kann mich nur mit Bier einigermaßen auf den Beinen halten. Mir wird ja schon beim schnellen Treppensteigen schummrig. Nicht immer, hin und wieder.

Gestern Abend war ich mit meinem Bruder laufen. Acht Kilometer, die schön locker gingen. Teilweise konnte ich ihm sogar davonlaufen1.

Heute morgen habe ich nichtmal einen Muskelkater.

Mein Körper ist seltsam.

  1. Nicht an Steigungen, dafür ist er zu leicht []

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