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Musen

Manche Leute haben eine Muse oder – wenn sie eine gewisse Maßlosigkeit an den Tag legen – sogar mehr als eine. Klassischerweise ist das eine hinreißende göttliche Frau in einer wallenden weißen Toga – die mir bekannte verzichtet weitgehend auf die Toga. (So weit ich weiß.) Ich hörte davon, dass es auch männliche Musen geben soll. Ich bin des weiteren sicher, dass man auch von einem charmanten und einsichtigen Hund den entscheidenden Funken erhalten kann, Katzen schaffen das schon durch demonstrative Zurschaustellung von Desinteresse außerhalb der Fütterungszeiten. Erstaunlich, wie die das hinbekommen.

Man sollte glauben, dass es das Schreiben erleichtet, wenn man in solcher Weise beschenkt wurde und genau so ist auch – wenn die Muse in irgendeiner Form herüberblinzelt, lächelt oder… nun, vielleicht auch bellt, dann geht es leicht von der Hand, die Zeilen sammeln sich fein untereinander und plötzlich ist das Notizbuch voll oder der Blogeintrag weit über 2000 Wörtern angelangt. So sind die, die Musen. Nicht kleinlich.

Wenn allerdings die Muse abwesend ist, schlecht auf einen zu sprechen, krank oder gar nicht in der Lage, herüberzublinzeln oder sich öfters zu melden, dann fällt es schwerer denn je, irgendetwas Sinnvolles zu schaffen. Nun, man kann schon etwasschreiben, aber dann muss man aufpassen, sie nicht in jeder Zeile einzubauen. Wenn sie nicht da ist und der Funken nicht kommt, dann schreibt man eben über sie und schämt sich berechtigterweise, wenn man sich später zwingt, das Soeben Verbrochene noch einmal anzuschauen. Das ist nicht besonders angenehm, das kann ich euch versichern und ich glaube, in solchen Momenten haben es die Leute ohne Muse einfacher.

Ich mag Musen trotzdem. Erst recht wenn sie gut küssen. Und besonders meine, auch wenn ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe.

(Bevor ich die Sache mit dem “von der Muse geküsst werden” auf auf Hunde und so weiter ausweiten muss, höre ich hier lieber auf und sende den Musen dieser Welt meine Grüße – vielleicht wisst ihr ja noch gar nicht, dass ihr eine ebensolche seid.)

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Manchmal habe ich das Gefühl, ich hätte nicht genug passendes Leben für diese Weblog. Lange Zeit hatte ich genug zu schreiben; Beiträge von euch, auf die ich antworten konnte, manchmal sogar Stöckchen an denen ich Spass hatte. Es ist Monate her, dass ich mal fein essen war; so etwas kann mich normalerweise ein lässiges halbes Jahr inspirieren.

Es ist nicht so, dass nichts in meinem Leben passiert; es ist lediglich nicht so erfreulich oder interessant, dass ich euch darüber berichten möchte. Und meine Vergangenheit, nun, ein weiteres Blog über die ach so wundervolle Schulzeit mag ich nicht schreiben – verglichen mit euren Abenteuern kommen mir meine Erlebnisse grau und fade vor. So ist das.

Du gehst allein durch die Straßen, Weihnachten, du siehst deine Freunde einigermaßen glücklich sein und du selbst bist nur allein – nein! – dazu auch noch uninspiriert. Man bekommt nicht einmal mehr Blogkommentare, die Leserzahl sinkt und du weißt, es liegt nur an dir. Du Langweiler.

Hey, Muse! Hauch mal einen Handkuss rüber, bittesehr! Dann lad ich dich auch zum Essen ein. Wär doch gelacht. Ich leihe dir sogar meinen alten Segelparka, damit du nicht in deiner Toga frierst. Und vielleicht die alten Doc Martens, für die zarten Füße.

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