Privatsphäre

Artikel mit dem Stichwort Privatsphäre.

Ich bin sehr vorsichtig in diesen Weblog, wenn es um die Identität meiner Lieblingsmenschen geht. Immerhin schreibe ich oft über sie; über manche mehr als sie vielleicht ahnen. Ich halte das lieber etwas vage und hoffe, dass sie sich erkennen. Ich hoffe noch mehr, dass sie sich freuen. Aber das nur nebenbei.

Tatsache ist, dass ich gern manchmal einen Namen oder vielleicht nur ein Pseudonym nennen würde; Tatsache ist auch, dass es Leute gibt, die sich auch darüber freuen würden. Ich mache ungern ein Geheimnis daraus, wer mir mehr als nur ein wenig bedeutet – natürlich macht es auch Spaß, die Dinge ein wenig in der Schwebe zu halten und mit Andeutungen zu spielen und die Leute rätseln zu lassen.

Man sollte nur nicht das Gefühl haben, so vorgehen zu müssen. Leider ist genau das meine Einschätzung der Lage in der deutschsprachigen Weblogszene:

Wer nicht nur Emotionen zeigt, sondern auch ganz klar bekennt, wen er oder sie liebt und wenn diese besonders geschätzte Person dann auch noch aktiv im Netz ist und möglicherweise selbst ein Blog oder etwas Ähnliches betreibt, der riskiert damit eine Menge, wie sich gerade in den letzten Tagen ganz deutlich innerhalb meiner persönlichen Radarreichweite gezeigt hat. Es wird sich jemand finden, irgend ein eifersüchtiger Ex, irgendeine gekränkte Nebenbuhlerin, ganz egal: Diese Person wird die vielen Chancen zu kommentieren, die Möglichkeit fremde Namen zu führen verwenden, um das Paar oder die Freundschaft zu zerstören.

Natürlich kann man Namen auf Sperrlisten setzen, man kann alles an Kommentaren moderieren, Mails in den Spamfilter schicken. Man kann sich einen Anwalt suchen. Geht alles. Aber so, vermute ich, geht bald der Spaß an der Sache verloren. Die alte Leichtigkeit ist dann schon längst Vergangenheit.

Ich weiß, welche Namen ich gern mal nennen würde. Vor allem einen.

Aber ich darf das nicht tun.

Egal ob es der “richtige” Name ist oder nicht; neben meinem bekanntermaßen ganz und gar echtem Schriftzug wäre er nicht mehr sehr lange geheim.

Ich hasse den Gedanken, dass das Internet für Blogger inzwischen zu einem Minenfeld geworden ist. Oh, du kannst schreiben was du denkst, aber auch wenn du alle Gesetze beachtest, wird es Folgen haben. Wenn nicht für dich, dann für andere. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann.

Es gibt immer noch Freiheit im Internet, aber in erster Linie ist es ist Freiheit für die ganz besonders feigen kleinen Arschlöcher genau das zu tun, was sie wollen.

Wie damals auf dem Schulhof.

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Es ist auf Winterzeit umgestellt worden und so fühlt es sich auch an, ob das Thermometer nun tragbare 12° anzeigt oder nicht. Ich bin am Wochenende nicht ausgegangen, ich blieb kränklich-welk im Bett. Und nun liege ich wach. Na super.

  • Joachim ‘Blacky’ Fuchsberger war zu Gast bei Zimmer frei!, einer meiner wenigen verbliebenen Fernsehrituale, das jeden Sonntagabend begangen werden muss. Er hatte einen Stock mit Silbergriff und küsste beide Moderatoren. Auf den Mund! Ich erstarre in Ehrfurcht. Der Mann war auch sonst großartig.
  • Man diskutiert ja allenthalben über den “Verlust des Privaten” – ich finde, es gibt viel zu viel Privates heutzutage. Klar, die Leuten haben keine Probleme damit, sich etwa das Antlitz ihrer Oma aufs Hinterteil zu tätowieren und das Ergebnis mit Namen und Anschrift im Internet zu veröffentlichen – aber sie würden nie auf die Idee kommen, einen Fremden auf der Straße anzusprechen. Oder eine Gute Party zu machen. Unangemeldet bei jemandem anrufen oder gar zu Besuch kommen, spontan. Mancher geht ja nicht einmal mehr aus, sogar die Pizza lässt man sich bringen. Grauenhaft.
  • Ich habe schon lange keine Rezepte mehr bekommen, auch im fressmorg sieht es ähnlich traurig aus. Schade.
  • Zu viel Ärger, zu viel Unerfreuliches in letzter Zeit – selbst mein mächtig stressiger Ex-Job in der Familienhilfe hat nicht geschafft, das mein Magen sich so beklagt wie gerade jetzt: Ich habe einfach nur Schmerzen, keine Übelkeit mehr. Ich befürchte eine Übersäuerung; das hatte ich viele Jahre nicht mehr. Wäre das nicht so ungesund: Grund zum Ärgern, als ob ich nicht schon genug Gründe hätte. Ich lass mir was zum Freuen verschreiben, glaub ich. Ich wüsste schon was. Gibt’s aber nicht auf Rezept.
    Trotz Schmerzen habe ich ernsthaft Luft, mich zu besaufen.
  • Ich sollte mich mal nach einer Wohnung umschauen und auch nach einer Küche – wo gibt es denn schöne, flexible Küchen, die auch enorm stabil und dazu noch richtig günstig sind? Dafür reise ich auch schonmal durchs Land.
  • So lange schon habe ich niemanden meiner Blogfreunde mehr besucht, das finde ich sehr schade.

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Es ist manchmal schon ein ziemlich unangenehmes Gefühl, dass das Internet eigentlich nie etwas vergisst; selbst eigentlich “gelöschte” Daten finden sich mit etwas Glück und Mühe noch eine Weile in Googles Zwischenspeicher; längst verblichene Versionen von Webseiten auf Archive.org’s “Wayback Machine” und andernorts. Trotzdem, wirklich verwertbare Informationen über das Privatleben einer realen Person zu finden – das ist nicht mit ein paar Mausklicks getan: Internetrecherche ist richtige Arbeit, wie wohl jeder Studi leidvoll erleben durfte. Ich mache es zum Beispiel nie. Und ich kann euch sagen: Ich bin ganz schön neugierig.

Nun kommen aber Leute daher, die all die Informationen über bestimmte Personen bündeln und in einer Suchmaschine zusammenfassen. Was fürchterlich praktisch ist – denn man kann ja auf zig Plattformen zurückgreifen, in denen nur zu gern persönliche Daten und Verbindungen zu anderen Leuten gut nutzbar veröffentlicht werden. Zum Beispiel die durch besonders nervige Werbemails auffallende “Freunde-Suchmaschine” StayFriends, die einen davon überzeugen will, mit alten Mitschültern Kontakt zu halten. Da hat sie bei mir aber mal den genau den Richtigen … egal, schweifen wir nicht weiter ab.

Schon in dieser Form ein sehr nützliches Werkzeug nicht nur für die rachsüchtige Ex, sondern erst recht für den einen oder anderen Personalchef, der so nur den Namen eines Bewerbers eingeben muss und in wenigen Sekunden aufschlussreich über dessen Betragen auf beispielsweise einem gepflegten Windelfetisch-Forum informiert wird. Mit Bildern. Und Videos. Und gelegentlich auch seiner privaten Telefonnummer.

Das Ganze haben die Erfinder auf den scheinbar freundlich gemeinten Namen “yasni” getauft.

Aber das Ding ist noch viel besser. Du musst nicht etwa hinnehmen, was da über dich verbreitet wird – nein, du brauchst dir auch keinen Anwalt zu nehmen, nicht doch! Du kannst dich registrieren und die Suchergebnisse bearbeiten. Wie großzügig. Natürlich kannst du dort auch noch gleich dein Weblog, deinen FlickR Account oder ein Passbild hinterlegen.

Eigentlich sind Leute, die unter ihrem Namen einigermaßen aktiv im WWW waren, fast schon gezwungen zu registrieren: Man will ja nicht, das die eine oder andere peinliche Sache dort auftaucht – Eitelkeit ist ein großer Motivator. Und schon ist die Glaubwürdigkeit der Daten – sollte ich “der Handelswert” sagen? – um einiges verbessert. Da Google und Co immer weiter indexieren und immer mehr Daten hereinkommen, wird man per Newsletter darüber informiert, dass man wieder einmal vorbeischauen und seine PR frisieren muss, bevor Klient, Chef oder – schlimmster aller GAUs – Mutti reinschaut:

“Es gibt neue Informationen über sie, Sir. Sie sollten sich das am besten selbst anschauen. Schnell.”

Eigentlich ziemlich clever: Man vermittelt den Eindruck, beim agieren im Netz eine nachträgliche Kontrolle über den Informationsfluss zu haben. Gleichzeitig gibt es einen spürbaren sozialen Druck, sein Profil immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Nun ja, ich kann mir den Aufschrei der Netzgesellschaft lebhaft vorstellen, wenn Google ein Angebot dieser Art auf den Markt werfen würde – hier findet genau das ganz offenherzig statt, was dem Konzern aus USA seit langem vorgeworfen wird. Das könnte man “geschäftstüchtig” und “schlau” nennen – oder auch “perfide”.

Ein Webangebot, das ich überhaupt nicht mag. Trotzdem nutze ich es, quasi gezwungenermaßen. Das muss denen erst mal einer nachmachen.

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