Prosa

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Wir tanzen

Wir tanzen über das Kopfsteinpflaster, es glänzt nass im Schein des Vollmond.

Kleine Sandkörner knirschen leise zwischen unseren Schuhsohlen und dem feuchten Stein.

Unsere Stimmen hallen durch die Stille, weit über die Gassen.

Du tanzt über die ganze Straße, du drehst dich langsam und ich höre deinen Atem und sehe dich lächeln, wenn das Mondlicht gerade richtig auf dich scheint.

Ich stolpere mehr, einmal treffe ich fast einen Laternenmast, aber das hast du nicht gesehen, hoffe ich.

Du drehst dich an mir vorbei, fast spüre ich deinen Körper, nach dem ich mich sehne und ich höre nur dein leises Kichern, vielleicht gar nicht so leise.

Wenn wir uns treffen, dann nehme ich deine warme Hand und manchmal, da küssen wir uns und deine Lippen sind viel wärmer und viel weicher und es ist leicht, dich wieder loszulassen, denn ich bin mir gewiss dass du wiederkommst, immer wieder, bis die Nacht uns verschluckt und niemand uns mehr folgen kann.

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Diese kleine und auch alberne Geschichte erwähnt jedes Weblog in meiner Blogroll/Linkliste. Wenn ich keines vergessen habe.

Es half nicht, sich länger etwas vorzumachen: Ich war an einem toten Punkt angelangt. Die Ermittlungen kamen nicht voran; jede vermeintlich heiße Spur führte ins Leere. Ich hatte nichts in den Händen, um meine Unschuld zu beweisen. Es war ein verdammtes Katzenleben in der Neon Wilderness dieser Stadt voller Mornography und Unrecht, das hatte ich früh gelernt. Brighton hingegen rockt, dachte ich. Sollte ich auswandern? Aber das hier war eben meine Stadt. Donthink, Alter. Geh einfach mal spazieren. Ich fühlte mich nicht nur total hilflos, sondern ich hatte auch das Gefühl, das mir anstelle von meinen beiden eigenen Gehwerkzeugen gleichzeitig 500 Beine eingeschlafen waren. Bewegung würde mir helfen, einen klaren Kopf zu bekommen. Ich nahm meinen Hut und machte mich auf den Weg.

Ich schlenderte die Straßen entlang und versuchte meine Gedanken zu ordnen. EndeNeu, alter Mann. Komm klar, es gibt Arbeit zu tun. Der erste Block, 2-Blog, dann cBlog… ich bemerkte einen Laden auf der anderen Straßenseite und war plötzlich hellwach.QoD’s Lair. Ungewöhnlicher Name für einen Drugstore. Egal, es war wirklich Zeit für einen Drink und außerdem waren mir die Luckies ausgegangen. Gründe genug für einen kleinen Abstecher, spazieren konnte ich schließlich später auch noch. Ich machte einen Schritt auf die Straße. Dabei schaute ich der Sicherheit wegen immer erst aufmerksam nach rechts, dann noch aufmerksamer nach links, weil ich das eine Auge immer etwas zugekniffen habe, der ständig arbeitenden Beobachtungsgabe wegen (Eine gefürchtete Berufskrankheit bei uns Private Eyes). Der nächste Schritt transportierte mich über einen prachtvollen Löwenzahn hinweg, der die Asphaltdecke auf besonders zivilisationskritische Weise durchbrochen hatte. Ich mochte ein Privatschnüffler der übelsten Sorte sein, aber ich wenigstens ein pflanzenfreundlicher Privatschnüffler der übelsten Sorte. Ein Schild mit der Aufschrift “All Kinds of Stuff” prangte an der Ladentür. Nun gut, das wollte ich auch ernsthaft hoffen, denn ich kaufte nur meine bevorzugten Sorten von egal was und sonst gar nichts. Ich kannte auch beim trivialsten Alltagsbrei keine Kompromisse. Das Leben hatte mir sonst nicht viel gelassen, nur diese paar Standards, die ein Ich-Erzähler einfach haben muss. Als ich die Tür öffnete, beleidigte eine misstönende Glocke meine Ohren und ließ die einzige sichtbare Person eine Art freundliches Knurren in Richtung der Tür ausstoßen. Kurz hörte ich aus seiner Richtung ein metallisches Klirren aus seiner Richtung, gefolgt von einem Scharren. Wie von einer schweren Kette, die auf dem hölzernen Boden lag. Automatisch fragte ich mich, wer wohl dieser oder diese oder dieses QoD wäre. Er jedenfalls hieß Peter oder David; das bedauerlicherweise handgeschriebene Schild auf dem Tresen legen einen dieser Namen nahe. Keineswegs leise fiel die Tür hinter mir zu. Ich nickte dem stillen Tresenbewohner zu und nahm mir ein Bier aus dem Kühlschrank. Kapselheber eingesetzt, EinsZweiDrei, leer. Ich fühlte mich schon wieder besser: Nur noch normal wahnsinnig.

Wenn ich schon mal hier war, konnte ich gleich mal ein wenig ermitteln. Ein guter Detektiv nutzt jede Gelegenheit, seine blitzschnelle Auffassungsgabe und seinen messerscharfen Verstand zu trainieren. Mein Überleben hatte ich meinem hellwachen Geist genauso oft zu verdanken gehabt wie meinem messingharten Fäusten, die ich regelmäßig in Crunchi’s Welt – dem Gym meiner Wahl – am Sandsack erprobte. Ein Mann sollte in Form bleiben, wenn er auf eigenen Füßen stehen will. So sah ich die Dinge.

Ich schlenderte ein wenig durch den Drugstore, was Peter (oder David) nicht zu stören schien. Der Mann schien mit Psychospaltung beschäftigt- “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” Eine Frage, die auch einen ganzen Mann für eine ganze Weile gehörig aus der Bahn werfen konnte, selbst wenn er sich zuvor für einen einzigen Namen entschließen konnte. Nicht mein Problem. Meine Augen verengten sich zu feinen Schlitzen, als sie die Auswahl an Zeitschriften überflogen. Ich griff zu. Matt Ruff’s Journal. In englisch natürlich. Ich hatte nicht gewusst, dass der eine eigene Zeitschrift anbot. Ich blätterte ein wenig darin herum. Das Heft wirkte nicht neu, sondern man hatte ausgiebig darin gelesen. Interessant. Auf der dritten Seite – direkt nach Ulo’s Page – fand ich eine mit Kugelschreiber an den Rand gekritzelte Folge von Buchstaben. “Neil Gaiman’s Journal”. War das hier Neil Gaiman’s Matt Ruff’s Journal? Wie kam die persönliche Ausgabe des britischen Autors in die Auslage dieses sehr verdächtigen Ladens, noch dazu zwischen all die druckfrischen Magazine? Ich schob das Periodikum diskret zurück, um nicht die Aufmerksamkeit von Peter oder David zu erregen.

Ich spazierte zwischen den beiden Regalen hindurch, vollgestopft mit alt wirkenden Gegenständen. Einen Melkschemel und einen Kanister mit Benzin für Kettensägen, zum Beispiel. Eine antike Fotografie mit einer Dame darauf, die einen mächtigen Hut mit Federn trug und ein wohlgeformtes,netzbestrumpftes Bein zeigte. Darüber in verschnörkelter Schrift: “RON GILBERT präsentiert: Meriche The Naked”. Nackt im ursprünglichen Sinne des Wortes schien sie mir aber wirklich nicht zu sein, so hübsch das Motiv auch sein mochte. Woher also dieser Titel? Ich würde das eines Tages herausfinden. In der Ecke rechts unten, schon ein wenig verblasst und trotzdem gut lesbar, eine Unterschrift, offenbarvon der abgebildeten Person in einer feinen Damenhandschrift hinterlassen, darunter eine Widmung: “Kiss me, Stupid”. Ich lächelte unwillkürlich und war kurz davon, wie ein Schuljunge loszukichern – sie meinte zweifellos mich. Mit ein wenig Mühe schaffte ich es, die Sache professionell – also totally soundless und gentlemanlike – zu handhaben. Gerade noch konnte meinen Blick von diesem… blonden Alien auf der Fotografie daneben loszureißen, das in einer für die menschliche Anatomie unmöglichen Position abgelichtet worden war, die ich hier unmöglich beschreiben kann. Ich hatte als Detektiv immerhin eine Verantwortung. Sitte und Anstand, Recht und Ordnung, sie verstehen. Sie verstehen nicht? Dachte ich mir, sie Schuft. Ich hob die Augenbrauen in moralischer Überlegenheit. Lady Maguerite wäre sicher nicht amüsiert, würde ich ihr diese Art Beweise vorlegen – heute abend, beim geplanten Treffen. Noch 3 Stunden bis dahin. Meine Augenbraue – dieses Mal nur die linke – hob sich noch mehr als ich ein eindeutiges Plakat erblickte, das für “John Crowley’s Little and Big” warb. In viel kleinerer Schrift als der in grellem Gelb hervorstechende Produktname stand am unteren Rand, kaum wahrzunehmen unter der anzüglichen Grafik: “Chemistry of Life. Bitte Schutzkleidung tragen.” Soso. Ich war ein echter Mann und brauchte solche Tinkturen nicht; ich hatte für Käufer dieser Mittelchen nur Verachtung übrig – eine Tatsache, die mein alter Vorgesetzter bei der Polizei, Captain Moorcock, Minuten vor meiner überraschenden Suspendierung feststellte. Erinnerungen dieser Art bewahrte ich im Brotkasten meines Gedächtnisses auf, damit sie für immer so knusprig und schnittfest bleiben wie am ersten Tag.

Trotz alledem durfte ich den Fall nicht aus den Augen verlieren, wir leben schließlich in einer Zeitwelt. Wenn ich nicht in 3 Stunden eine Spur vorweisen könnte, würde ich echte Probleme bekommen, meine seit Monaten ausstehende Miete zu zahlen. Da kam mir der rettende Gedanke, der mich auf die Spur der Frage brachte, die mich seit langer Zeit quälte. The Ela. Nein, das war es nicht – The Beat, genau! Endlich konnte ich mich an die Band erinnern, die damals diese tolle Ska-Version von “Tears Of A Clown” aufgenommen hatte. Ich strahlte glücklich – das erste Mal, seitdem ich meine Sekretärin vor 3 Jahren gefeuert hatte.

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Na, ich bin bei dieser Herausforderung gescheitert: All meine Tags in einem Text von 800 Wörtern unterzubringen. Es sind knapp 3000 geworden und mein Hirn ist wie Rührei. Liebe Auftragstellerin – diese Kopfschmerzen kannst Du dir nicht vorstellen. Nichtmal nach dieser Klausur. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, das ich schon 642 Tags zu verteilen hatte – da wären 800 Wörter etwas knapp. Und: Nicht lesen. Das Ergebnis ist wirklich grausam.1 Bitte zuerst den ersten Teil lesen.

Sie schreckte auf. Sie hatte doch nicht etwas mit dem Einsatz von WindowsLiveWriter zuviel digitalen Kalk in den Beitrag über Matt Ruff gebracht, der nun schon GoogleReader den Ärger des Papstes hervorrief? Schon den Post über ihren alten Kopierer hatten nur 25peeps gelesen, das hatte Dead Moon nicht zu einer Reunion gebracht, geschweige denn zur Anschaffung einer MySpace Seite, so wie Lampshade sie haben.

„Meebo!“ macht ihr Samsung-Telefon – es war der Doktor. “Doctor-Who?” werden meine Leser fragen, aber da kann ich nur sagen, schaut mehr TV und denkt nicht soviel an Drucker oder an iPods oder an eure Geheimzahl, die ihr bei der anstrengenden Abendplanung sicher eh vergessen werdet. Wer sich das PC-System in einem Forum zusammenstellen läßt und dabei ein echtes edgy Gehäuse wählt, sollte sich nicht wundern. Auf der N73 Richtung Rinteln Bahnhof PHP etc, gab es Unfälle mit Hirnschnecken, die bei fortgesetzem Open-Air Schwachsinn oder CDU-Mitgliedschaft sowie Kopf-Kino auslösen könnten. Das passierte schon vielen in der Politik sowie sogenannten Popstars in casting-shows und war auch am Kyrill-Orkan schuld. Ein Stromausfall sorgte dafür, dass alle Elektrogerät ausfielen und Frau Müller aufwachte. Meine Güte! Was für ein Trip! Sie stöhne unerfreut. Der Spam in ihrem Mac war wohl schon schlecht gewesen. Ihr war schwindelig und in ihrem Magen rumorte es, aber es war trotzdem Zeit zu gehen.

Auf mit dir, Frau Müller. Es gibt zu tun.
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  1. Aber ich habe es geschafft, immerhin. Was kriege ich dafür? []

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“Schweinerei, Sie Ferkel!”, schrie Frau Müller dem UAC-Boten nach, der auf wordpress.com ihr Liebesleben mittels Bannerwerbung in einem Vistablog bekannt gemacht hatte. Sie hatte sich gerade so angenehm ihren Brückentag mit der Lektür von John Crowley versüßt, als ihr O2-gesponsertes Mobiltelefon sich meldete – Clickclickdecker! machte es. Es war ihre Daten von letzem Samstag, aus dem Falkendom. Sie konnte sich kaum erinnern, wer das sein könnte, es hätte auch das Donnerstagsdate aus dem Forum sein können – sie kam da so leicht durcheinander. Das Gespräch war jedenfalls eines dieser Endless Things, begonnen damit, wie er in Aegypten auf den Hund gekommen war, bis dahin – er war Brite – das sie seine “hotdoll” wäre und das sie “cute” beim Poker ausgesehen hätte – kein Wunder, hatte sie doch nicht nur ihre Kleider, sondern auch ihre Windows Vista Lizenz verloren. Sie wünschte sich, dass er endlich deutsch reden würde und die billige Anmachen stoppte und das er bitte, bitte keine ansteckenden Krankheiten hätte – das Geständnis käme nämlich einige Tage zu spät und der gefürchtete Juckreiz würde im Büro sicher nur schwer zu verbergen sein. Als er sie seine “Cat”nannte, ihm seine Audiolith-Platten vorspielen wollte, ihr, seiner “Sex-Doll”, wurde es ihr zu viel. “JURIGARGARIN nochmal und Marihuana dich, du BOX! Du solltest nicht so viel kiffen! Oder hast du Spider-Man 3mal zu oft gesehen? etcetera xmpp. Ich gehe jetzt aufs Klo!”

Damit legte sie auf.

Das Gespräch war wirklich umsonst und draußen, dachte sie. Manchmal wäre vielleicht die Zensur solcher Telefonante ganz hilfreich, war ihr Gedanke, als sie die WC-Tür hinter sich schloss. Portugal. The Man. Das war natürlich ein ganz anderer Lover, einer mit Stil und einer hohen Stimme. Sie phantasiere noch etwas über die letzte Visionsparty und den Frosch, aber das war nichts Sexuelles passiert – hoffentlich jedenfalls. Filmriss war keine schöne Sache.

Als sie wieder im Wohnzimmer ankam, liefen die Simpsons. Das taten sie schon gefühltermaßen seit der Schulzeit… ihrer Mutter, die Sozialpädagogik oder Sozialarbeit (Frau Müller konnte das einfach nicht auseinander halten) oder so etwas in Magdeburg studiert hatte – das viele Wasserbier hatte bei ihr zu einem cholerischen Naturell geführt. Ihr Newsfeed zeigte in der ersten Schlagzeile “Oliver Pocher” an. Sie knirschte mit den Zähnen und dachte an den WordPress-Terroristen. Sie zählte langsam vor sich hin. 2.2.(weiter kam sie selten). Meistens beruhigte sie das.

Das Telefon klingelte, das unverständliche Gebrabbel an andere Ende klang wie “Harald Schmidt” in Pidgin. “Aim…Trillian, bist Du es? Hast du das Script? Ich dachte du fährst grade noch die Mongolrally.” Aber es half alles nichts, sie verstand nur Rhabarber. Sie legte auf. Noch ein Blick auf ihren Computer – sie winkte ab. Wenn sie da weiterlesen würde, bekäme sie noch einen Feedburner im Hals. Kuchen wäre besser. “Steuer auf Podcasts”, noch eine Umfrage. Ab in den Müll damit.

Jetzt war endlich Raum für etwas Premiumzeit – und ausgiebige Kosmetik, später. Sie öffnete ihr Buch.

Fortsetzung in Teil 2.

Diese Geschichte besteht aus den Tags1 , die ihr unter anderem im Menü auf der rechten Seite anschauen könnt. Nicht das ihr euch wundert. Aber das mit dem “MEHR!” war kein Witz… ich will versuchen, das ganze Drama unter 800 Wörtern zu halten.

  1. “Schlagwörtern” []

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“Jetzt halten sie doch bitte einfach mal still, meine Liebe.” Lord Blaubeere nimmt vorsichtig eine der namensgebenden Beeren zwischen zwei Finger und versucht sie auf dem Ohrläppchen seiner Geliebten zu balancieren.

Fräulein Desaster gibt sich dem Augenschein nach redliche Mühe, kichert aber nach wenigen Sekunden und vereitelt den Versuch. Was seine Lordschaft dazu bringt, die verlorene Frucht auf eine höchst unanständige sowie angenehme Art zu bergen. Trotzdem schnaubt er entrüstet. Wieder kichert sie. Das macht Lord Blaubeere wahnsinnig.

Desaster windet sich dekorativ, zufrieden mit ihrem Werk. Sie bringt sich in eine vorteilhafte Position. Unmöglich, hofft sie, dass da eine Beere liegen bleiben kann. Sie liegt richtig in ihrer Annahme. “Sie machen es mir wirklich nicht leicht, Miss.” Sie lächelt. Seine Lordschaft probiert es erneut. Das allzu runde, neblig blaue Objekt kullert in unaussprechliche Abgründe und der Mann von Adel begibt sich auf eine entbeerungsreiche Reise in unaussprechliche Abgründe. Als er zurückkehrt, hat seine edle Blässe sich ins rötliche gewandelt.

“Miss Desaster, warum gibt es keine Frau wie sie, die mich mehr als nur ein wenig mag?”, fragt er. Sie hilft ihm etwas bei seiner Unternehmung und klemmt eine Beere zwischen ihrer sanft geschwungenen Oberlippe und ihrer runden Nase ein. Seine Lordschaft ist sich nicht zu schade, das einfache Ziel zu wählen. Sie genießt seinen Erfolg und schnurrt leise. Trotzdem. Sie dreht sich ein wenig, als er ein neues Ziel anpeilt; ihr Nabel ist zu einfach und bereits für andere Unternehmungen verplant, so leicht macht sie es ihm nicht. Sie schließt die Augen, als sie ihn ein herausfordernd kurviges Ziel anpeilen sieht. Sie würde die aussichtslosen Bemühungen genießen, oh ja.

“Es gibt keine Frau wie mich, Mylord.” Oh, das ist gut. Sie beißt sich auf die Unterlippe. “Würde ich euch gehören, dann wäre ich doch nicht ich, oder? Und würdet ihr mich ändern, dann wäre ich auch nicht mehr ich.” Er schnaubt leise und verfehlt sein Ziel absichtlich, noch dazu in finsterster Absicht. Sie übersieht die Verfehlung und entzieht sich ihm mit einer Drehung und einem leisen Seufzen. Sehr langsam. Sie ist immerhin eine Genießerin. “Immerhin mag ich euch ein wenig.” Sie macht eine Pause und genießt seinen Blick. “Ich mag Blaubeeren.”, ergänzt sie ihre Aussage und schenkt ihm einen tiefen Einblick, garniert mit einem Lächeln. Das immerhin hatte er verdient, fand sie.

“Und wenn ich mich ändere, Miss Desaster?”, fragt Lord Blaubeere, auf der Suche nach einem neuen Beerenablageplatz. Eine verräterische Schweißperle rinnt kitzlig über seine Stirn. Miss Desaster hat rechtzeitig ein Auge geöffnet. Nur ein kleines Bisschen. Einen Spalt. Natürlich sieht sie alles. “Das wäre doch schrecklich langweilig, Mylord. Findet ihr nicht?” Der Edelmann funkelt entrüstet zurück, dann entdeckt er die richtige Stelle und legt die Beere mit einer sicheren, zarten Bewegung ab. Miss Desaster holt hörbar Luft. Es gibt noch Hoffnung für ihn, denkt sie.

Lord Blaubeere fasst einen Entschluss. “Ich glaube, ich werde einfach ein besserer Lord Blaubeere. Niemand sonst kann das tun, oder? Ein besserer Beerenverleger und Beerenwiederfinder. Der beste Beerenverleger der Welt und der beste Beerenwiederfinder der ganzen Welt. Dann bin ich mehr ich und sie könnten mich mehr mögen, wenn sie wollen.”

Fräulein Desaster sagt nichts, aber ihr Lächeln war auch nicht verschwunden. Ein gutes Zeichen. Entschlossen greift er in den Beerenkorb, aber vorsichtig genug, um nichts zu zerdrücken. Es gibt schließlich noch viel zu tun in dieser Nacht.

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Die fortgesetzte Agentur.

Heute morgen war es wieder an der Zeit, meine unter Schmerzen ausgefüllten Papiere in die Agentur zu schleppen, war ich doch auf ihr Geld aus. Nach einem der üblichen Beratungsgespräche – “Ich finde sie gut, Herr B. Wirklich. Wir schaffen das schon. Schonmal an Selbstständigkeit gedacht?” – stieg in tiefer in die muffigen Gewölbe der Agentur hinab. Meine Schritte hallten laut durch die Stille, als ich vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzte, um nicht auf den schlüpfrigen Stufen auszurutschen und in mein Verderben zu stürzen. Endlich kam ich unten an. Das Licht meiner Fackel erhellte die Inschriften an den uralten Mauern: “Zimmer 111″, “Zimmer 112″… ich musste meinem Ziel näher kommen. Diese Erkenntnis verlieh mir neuen Mut und ich beschleunigte meine Schritte

Da war es, 116. Ich atmete tief durch und klopfte an die Tür, die nur angelehnt war und nun knarrend aufschwang, was mir einen Blick auf die Szene im inneren des Raumes erlaubte. Da sah ich eine feiste, haarlose Gestalt, die scheinbar untrennbar mit ihrem drehstuhl verwachsen war, der eng um ihren aufgedunsenen Leib umschloss. Sie bedeutete mir, Platz zu nehmen. Sie griff sich mit einem ihrer Tentakel – ich hätte Probleme, die verkrüppelte Extremität “Hand” zu nennen nach den Formularen, die ich sicherheitshalber dort abgelegt hatte, um ihr nicht die Tentakel schütteln zu müssen. Die groteske Person nickte mir zu und ich setzte mich, nur um mich in einem orkanartigen Luftzug wiederzufinden, der aus einem enormen Ventilator stammte. Ich unterdrückte den Impuls, mich umzudrehen und die Windmaschine anzustarrten, die sich direkt auf meinen Platz gerichtet hatte, nicht etwa in den Raum oder auf dessen molluskenhaften Bewohner. Ich spürte, wie sich Rauhreif an meinem linken Ohr bildete und begann zu zittern. Mir fiel auf, dass der bizarrre Schreibtischbesitzer vor mir einen Eierkopf hatte, der mir so noch nicht aufgefallen war – nämlich einer in Form eines liegenden Ei, strömungsgünstig für die Gedärme eines Huhns oder einen Zimmerorkan. Ich biss die Zähne zusammen und wartete. Er machte einige seltsame Geräusche – hhm, hhm – und dann! Dann war es soweit.

“Ich kann ihren Antrag so annehmen, es wird ein paar Tage dauern. Hier ist noch ein Formular für Nebentätigkeiten, das sie bitte ausgefüllt nachreichen. Noch ein schönes Wochenende!”

Mit letzter Kraft erreichte ich den Ausgang. Behördengänge machen mich jedesmal richtig fertig.

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