Wenn es Sonntag ist und schon nach zwei Uhr und man liegt immer noch im Bett und man auf gar keinen Fall jetzt schon aufstehen kann, dann kommen die Gedanken ganz von allein und man braucht sie nur aufzuschreiben, wenn sie vorbeiflattern.
Ich war ganz überrascht, dass ich schon seit Tagen und so auch heute mittag über das Rauchen nachdachte. Wie die meisten meiner Freunde wissen, rauche ich selber nicht, habe nie geraucht und plane auch nicht damit anzufangen – andererseits bin ich auch nicht sonderlich pingelig, was Qualm in meiner Umgebung angeht: Solange es nicht gerade in meiner Wohnung passiert oder ungefragt in einer Nichtraucherkneipe – alles ok. Na gut: Wenn du vielleicht ein klein wenig angetrunken bist und trotzdem unbedingt vor dem metergroßen „Bitte nicht rauchen!“- Schild eine anzünden willst, dann halte ich dich nicht auf – ist nur etwas peinlich, aber wenn ich dich mag, tue ich einfach so als wäre nichts. Seht ihr, ganz undogmatisch.
Natürlich stinkt der Rauch. Normalerweise.
Bei manchen Leuten stinkt er nicht.
Mir ist gerade eingefallen, dass die Frauen in die ich schwer verliebt war, eher gar nichts gemeinsam hatten – bis auf das eine Detail: Sie waren bis auf vielleicht eine Ausnahme wenigstens Gelegenheitsraucherinnen. Das hat mich nicht gestört. Wenn ich mal ehrlich bin, hat es mir sogar gefallen. Natürlich habe ich ein Interesse daran, dass geliebte Menschen nicht krank werden. Natürlich habe ich ein Interesse daran, nicht selber krank zu werden. Ganz zu schweigen vom Gedanken an die Kosten für das Zeug. Die Kettenraucher, die nichts ohne Smog erledigen können. Aber…
… Zusammen spazieren zu gehen und nichts zu sagen. Den Rauch sich mit dem Nebel im Park vermischen lassen. All die Erinnerungen.
Ich geh mal eine rauchen. Hast du vielleicht Lust, mit nach draußen zu gehen?
Am Telefon hören, wie die am anderen Ende der Leitung einen Zug nimmt und dann wieder langsam ausatmet. Das leise Knistern der Glut und sonst: Stille.
Die eine Sache, um die ich die Raucher beneide: Die Gelegenheit, einen Platzhalter anzünden zu können. Zehn Minuten Auszeit. Oder so – ich habe mir nie Mühe gemacht, mir zu merken wie lang eine Zigarettenlänge eigentlich ist.
Zeit, die man nicht weiter begründen muss. Zeit, in der man der Zeit beim Vergehen zuschauen kann. Zeit, die man sich einfach für sich nimmt und in man nicht sprechen, denken, produktiv oder effektiv sein muss1
Ich überlege gerade, ob es eine andere Begründung für die kurze Auszeit vor der Tür gibt. Mir will bislang nichts einfallen, aber ich lasse einfach weiter meine Gedanken vorbeirauschen und wenn die richtige dabei ist, dann lasse ich es euch wissen. Solange fange ich aber nicht mit dem qualmen an. Keine Sorge.
Einen schönen Sonntag.
- Eine bekannte schottische Whiskeymarke – ich glaube Glenfiddich – hatte mal von Jahren Werbung, die in die Richtung ging. Die gefiel mir, aber ich glaube es sieht komisch aus, wenn ich mich bei der Arbeit mal kurz für ein Glas Single Malt entschuldige. [↩]


Kommentare