Schlaf

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In jedem Jahr ist es dasselbe Spiel mit mir: Ich werde so ungefähr ab der zweiten Hälfte des Septembers sehr, sehr müde und bleibe es auch. Das bedeutet, dass ich unter der Woche nach der Arbeit so erledigt bin, dass ich kaum noch einem ordentlichen Film folgen kann, geschweige denn einem ordentlichen Gespräch oder einer Lesung… oder einem Buch.

Das liegt vermutlich daran, dass ich keine Lust habe, mich abends schlafen zu legen – dafür dämmere ich dann vor mich hin und ärgere mich darüber, dass ich die ganze Zeit so dämlich herumdämmere. Sobald mal etwas Interessantes passiert, penne ich natürlich augenblicklich ein – es reicht schon, wenn mal eine neue Folge How I Met Your Mother kommt – dann bin ich unweigerlich direkt nach dem Vorspann im Reich der Träume angekommen – dorthin habe ich nämlich immer einen Sonderzug gebucht, der in Sofanähe wartet.

Im Grunde sollte ich an Tagen wie diesen Urlaub nehmen und dann so ab Mitte Oktober wieder anfangen zu arbeiten.  Komischerweise scheint sich die Arbeit in diesen Wochen immer geradezu unverschämt zu häufen, also fällt diese Option aus.

Ich könnte natürlich auch mal den inneren Schweinehund plattmachen.

Oder einfach ICQ, Facebook… all die Kommunikationswege zeitweilig ausschalten, bevor ich durch meine Trägheit meinen Mitmenschen auf den Geist gehe.

Ich kann jedenfalls behaupten, dass ich meinen Halb-Winterschlaf im Halb-Winter habe.

In dieser Zeit führe ich so lange Krieg gegen den Schlaf, bis ich vernünftig werde und endlich bedingungslos und glücklich kapituliere, bis ich zur Kaffeezeit wieder aufwache.

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Hitzschwitz

Also, eigentlich wollte ich ja in den letzten Tagen schon so einiges schreiben. Das liegt an der Hitze, die meine Kreativität anfeuert. Da war mindestens eine großartige Geschichte dabei, garantiert – ganz zu schweigen von einer Unmasse synapsenkitzelnder Bloggereien. Außerdem Romane, eine ganze Handvoll davon. Ihr hättet mal meine Version eines Sittendramas im viktorianischen England mit Außenbordmotoren erleben sollen.

Beklagenswert ist indes wie sehr das Wetter alle Versuche zur Umsetzung meiner Geistesblitze verhindert, solange ich mich dann überhaupt länger als eine halbe Minute an sie erinnern kann. Nun kommt mir nicht mit meinem kleinen schwarzen Notizbuch – allein um es aufzuschlagen bräuchte ich eine Menge Energie, die ich leider nicht erübrigen kann, weil sonst meine Atmung aussetzen könnte – oder das Gehirn, irgendetwas Wichtiges. Richtig gut kann ich an Schweinereien angenehmster Art denken, die aber in der Praxis viiiel zu schweißtreibend wären1.

Dabei wohne ich im Erdgeschoss eines mit großzügiger Mauerdicke gesegneten Altbaus und erfreue mich an Höchsttemperaturen von erträglichen 22°C. Trotzdem. Irgendetwie bewirkt die Hitze so etwas wie geistige Schnappatmung. Daraus entwickelt sich eine hässliche, schweißbegleitete Denkapnoe.

Schnrrrrrch. Chrrrrr… pfüüüüh.

  1. Wirklich? Hm. []

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Freier Fall

Es gibt da jemand Wundervolles, einen weiblichen Menschen nämlich, der sagte mir, dass es schön mit mir zusammen ist, dass sie sein könnte wie sie wirklich ist und dass sie das nicht so oft fühlt, bei mir aber schon.

Dass sie sich einfach fallen lassen könne.

Wobei ich nämlich genau dasselbe dachte; dass ich mich fallen lassen könnte bei ihr und sie mich fangen würde. Und so oft fühle ich das auch nicht.

Man kann also gleichzeitig fallen und sich zugleich gleichzeitig fangen, dachte ich.

Und ich bin sehr müde und gleich werde ich einschlafen und ich werde dabei sicher lächeln, glaube ich.

Einschlafen ist wie sich fallen lassen und die Augen schließen.

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… denkt jemand an mich, glaube ich. Ich denke auch an jemanden. Angenommen, es wäre derselbe Mensch – ob man sich dann in den Träumen treffen kann und sich zulächeln oder am Strand spazieren gehen kann? Ob man sich umarmen und sich über den Rücken streicheln kann? Noch viel mehr. Ob sie im Traum so riecht wie im richtigen Leben, so ganz richtig?

Vielleicht ist das so, das meiste vergisst man ja kurz vor oder kurz nach oder gleich beim aufwachen.

Aber das Echo kannst du fühlen, wenn du weisst wie.

Ich gehe also besser schlafen.

Ich will nichts verpassen.

Gute Nacht.

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Gestammeltes

Mein Eierkocher macht eine Geräusch, welches in Klang und Lautstärke einem Schiffshorn sehr nahe kommt. Nur hört er damit nicht auf, bis man ihm den Saft abdreht. Bei einem Schiff geht das anders. So könnt ihr sie unterscheiden, geneigte Leser.

*

Wer vor großen Gefühlen keine Angst hat, hat keine Ahnung, wovon dabei die Rede ist.

*

Sobald ich das Haus betrete und nicht esse oder dusche, schlafe ich ein und vergesse Kleinigkeiten wie den Gorgmorgchat oder den Computer im Allgemeinen. Mein Schlaf ist tief wie ein Winterschlaf und ich bin kaum weckbar: Früher hat mich jede Nachricht von Skype oder dem Chat geweckt. Gerade bin ich vor dem Notebook aufgewacht und es ist kurz vor zwei Uhr in der Nacht. Was soll das denn alles?

*

Ich will, dass man mir auch den Nacken krault.

*

Ich habe das Gefühl, ich könnte bis Weihnachten sehr unglücklich werden. Es schwebt diffus um mich herum – ich bin zu zufrieden gewesen. Da kommt noch etwas. Etwas kommt immer.

*

Ich kann das leise ticken der Schaltuhr der Heizung hören und nun kann ich überhaupt nicht mehr schlafen. Tick. Tick. Tick. Tick.

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Ja.

Ich war gerade bei einem sehr guten Poetry Slam in der südlichsten Hafenkneipe Hamburgs, tief in Westfalen. Es war eine sehr schöne Kneipe und es war eine sehr gute Gesellschaft, aber ich muss dennoch ein Geständnis machen: Ich habe leider beim gehen nicht bezahlt und hoffe, das bei meinen verbliebenden neuen Bekannten – immerhin habe ich mich ausgiebig verabschiedet und hoffe in guter Erinnerung geblieben zu sein – bald wieder gut machen zu können. Falls sie mich noch einmal einreisen lassen.

Nun, ich war nicht ganz bei mir. Oder ich war ganz und gar bei mir, ich hatte nur anderes im Kopf. Es tut mir leid, ein Zechpreller geworden zu sein.

Dabei hatte man mir noch kurz zuvor bescheinigt, ein Engel zu sein, Herr Gorgmorg.

Ich hatte zuvor fast 30 Stunden lang nicht geschlafen, weil ich solches Herzklopfen hatte. Ich war schon übernächtigt, als ich nachts um vier spontan beschloss, zu diesem sehr guten Poetry Slam in der sehr angenehmen Kneipe zu fahren, in der ich vermutlich nun Hausverbot habe.

Sie war dort und sie sah ungläubig aus, als wir uns sahen, ich glaube gleichzeitig. Oh, ich hatte so lange vor der Tür gewartet, dabei war sie drinnen im warmen. Aber dann war sie da und ich ihren Armen und sie in meinen und sie war wie ich wusste von ihr und sie roch wie ich von ihr wusste; ihr Haar war kürzer, aber es fühlte sich so an wie ich es nie vergessen habe und oh, wir haben uns so umarmt und gehalten und mir fehlten die Worte und die restlichen habe ich immer wiederholt und es war so so gut, so viele Jahre ohne sie wie ein Hauch.

Und ich weiß, dass sie das alles liest und ich habe so vieles mit ihr vor und sie vielleicht auch mit mir und sie soll wissen, dass keine ihr gleichkommt. Und dass ich meine Zeche zahlen werde. Und:

Ja.

Ich glaube, mein Shirt riecht noch ein wenig nach ihr. Und nun kann ich vielleicht wieder schlafen, noch spüre ich mein Herz schlagen, aber nun ist es anders und ich weiß, das ich glücklich war, dass ich glücklich bin, gerade eben und gerade jetzt und das erste Mal seit so so langer Zeit.

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