Schreiben

Artikel mit dem Stichwort Schreiben.

“Du meine Güte”, denkst du dir. “Ist ja erstaunlich, was ich mir so zusammenschreiben kann, wenn der Taumel der Emotionen gepaart mit extremem Schlafentzug zu wundersamer Einheit finden.”

Dann: “Lösch den ganzen Mist. Warst ja wirklich neben dir.”

Und dann hast du eine ganze Weile Zeit, durch sehr kalte und nasse Straßen zu wandern, bis du auch wirklich zuhause angekommen bist. Punkt Mitternacht, übrigens.

Und dann löscht du es nicht. Weil es wahr ist. Weil du das alles immer noch so siehst und genauso fühlst.

Und wem das nicht passt, nun, der kann sich ja ein anderes Blog zum lesen suchen. Hier gibt’s eben nur mich.

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Ich habe es geschafft, den kitschigsten meiner vielen kitschigen Beiträge nicht zu veröffentlichen. Es tut mir zwar in der Seele weh, ihn euch vorzuenthalten – aber… gleichzeitig gibt mir das willkommene Gelegenheit, mir eigene Qualitäten wie enorme Selbstbeherrschung und untrügliche Geschmackssicherheit hervorzuheben, die leider so häufig übersehen werden – kein Wunder bei meinem vollem Haupthaar, der einem griechischem Gott1 würdigen Brustmuskulatur oder den stahlblauen Augen. Außerdem rieche ich bekanntlich nach soeben erblühten Veilchen, wie sie nur im ostwestfälischen Hochgebirge vorkommen. Ich weiß nicht warum, aber es ist so.

Allerdings fehlt mir jetzt eine angemessene Möglichkeit, mich bei der darin vorkommenden Dame beliebt zu machen. Venusmuscheln wären eine Idee… aber was noch?

  1. nicht Dionysios! []

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Musen

Manche Leute haben eine Muse oder – wenn sie eine gewisse Maßlosigkeit an den Tag legen – sogar mehr als eine. Klassischerweise ist das eine hinreißende göttliche Frau in einer wallenden weißen Toga – die mir bekannte verzichtet weitgehend auf die Toga. (So weit ich weiß.) Ich hörte davon, dass es auch männliche Musen geben soll. Ich bin des weiteren sicher, dass man auch von einem charmanten und einsichtigen Hund den entscheidenden Funken erhalten kann, Katzen schaffen das schon durch demonstrative Zurschaustellung von Desinteresse außerhalb der Fütterungszeiten. Erstaunlich, wie die das hinbekommen.

Man sollte glauben, dass es das Schreiben erleichtet, wenn man in solcher Weise beschenkt wurde und genau so ist auch – wenn die Muse in irgendeiner Form herüberblinzelt, lächelt oder… nun, vielleicht auch bellt, dann geht es leicht von der Hand, die Zeilen sammeln sich fein untereinander und plötzlich ist das Notizbuch voll oder der Blogeintrag weit über 2000 Wörtern angelangt. So sind die, die Musen. Nicht kleinlich.

Wenn allerdings die Muse abwesend ist, schlecht auf einen zu sprechen, krank oder gar nicht in der Lage, herüberzublinzeln oder sich öfters zu melden, dann fällt es schwerer denn je, irgendetwas Sinnvolles zu schaffen. Nun, man kann schon etwasschreiben, aber dann muss man aufpassen, sie nicht in jeder Zeile einzubauen. Wenn sie nicht da ist und der Funken nicht kommt, dann schreibt man eben über sie und schämt sich berechtigterweise, wenn man sich später zwingt, das Soeben Verbrochene noch einmal anzuschauen. Das ist nicht besonders angenehm, das kann ich euch versichern und ich glaube, in solchen Momenten haben es die Leute ohne Muse einfacher.

Ich mag Musen trotzdem. Erst recht wenn sie gut küssen. Und besonders meine, auch wenn ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe.

(Bevor ich die Sache mit dem “von der Muse geküsst werden” auf auf Hunde und so weiter ausweiten muss, höre ich hier lieber auf und sende den Musen dieser Welt meine Grüße – vielleicht wisst ihr ja noch gar nicht, dass ihr eine ebensolche seid.)

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Gesucht:

… eine bestimmte Inspiration. Ich mag keine Jammergeschichten über unglückliche Sachen in meinem Leben schreiben und die Sache, die ich in Arbeit habe, kommen nicht voran. Meine Muse mag mich nicht küssen und auch nur herüberzwinkern. Als ob ich das verdient hätte.

Habt ihr etwas für mich?

P.S.: Naja, vielleicht habe ich noch zwei.

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Der Helm des Frühlings

Erst, wenn der Helm des Frühlings auftaucht, weiss ich dass es dieser Jahreszeit so richtig ernst ist.
Mein Kopf fühlt sich an, als ob er in kratzige, klamme Watte gepackt ist, es drückt auf die Schläfen und ich kann nicht echt schlafen, man findet nie die richtige Lage, der Rücken schmerzt und ich wache zu früh auf.

(Kein Wunder, wenn man einen Helm trägt.)

Wenigstens hat das Ding keine Visier – das würde auch erheblich beim Husten stören.

Immer wenn ich krank bin, fällt mir richtig viel ein, über das ich schreiben könnte. Dummerweise habe ich gleichzeitig Kopfweh und all das eklige andere Zeug. Vielleicht könnte man mal eine Medizin entwickeln, die für eine Weile alle Symptome bekämpft außer der Inspiration.

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Rudelschreiber

Gestern habe ich eine gute Stunde zusammen mit einer guten Freundin zusammen auf einem Sofa zusammen geschrieben; ich an einem meiner nur ganz langsam wachsenden Dauerprojekte, sie an einem Essay. Es war nur ein gedachtes Sofa; es waren tatsächlich mehr als nur ein paar Kilometer zwischen uns. Trotzdem fühlte es sich so an und es gefiel mir, hin und wieder eine Zeile vorzulegen und sich eine Meinung einzuholen, vielleicht sogar etwas Lob.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich ein Einzelgänger wäre, (nicht nur) was das schreiben angeht, dass ich Ruhe und einen abgedunkelten Raum bräuchte. Das ist eine blöde Idee gewesen, man muss rausgehen und etwas tun und erleben, sonst wird das Geschreibsel blutleer oder schlimmer, seelenleer oder so. Mir fällt da kein besserer Begriff mehr zu ein, fürchte ich. Verbitterte Autoren mag ich nicht, ich glaube das wird man aber irgendwann sein, wenn man sich einsperrt oder den Mut verliert.  Soweit also das; ich war aber davon überzeugt, dass ich – wenn es dann an die feierliche Niederschrift geht – auf gar keinen Fall abgelenkt werden darf. Komischerweise bin ich aber nun etwas besseren belehrt worden: Ich bin abgelenkt besser. Wenn es die richtige Ablenkung ist, versteht sich.

Ich habe noch nie etwas mit jemandem zusammen am selben Projekt gearbeitet und ich wüsste eigentlich auch nur eine Person, mit der ich mir das vorstellen könnte; aber mit jemandem im selben Haus, im selben Raum, auf demselben Sofa und denselben Hund auf dem Teppich davor – das finde ich plötzlich richtig erfreulich und inspirierend.

Nun gerade bin ich wieder virtuell allein und kriege beim besten Willen keinen ordentlichen Satz zusammen; so schnell hat man sich selbst verwöhnt.

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