Schreiben

Artikel mit dem Stichwort Schreiben.

Lücken

Meine Lieblingsperson ist für einige Wochen weit in der Ferne, uns trennen Kontinente und fehlende Internetanbindung. Ich hatte erwartet, das sie mir fehlt und sie fehlt – aber ich dachte auch, dass ich nun ein paar neue Sachen machen könnte, weil ich ja nun doch mehr Zeit übrig habe.

Aber anstatt dessen sitze ich da nur herum und denke an sie. Das andere Zeug macht gar nicht so viel Spass. Zu kochen ist viel besser, wenn man damit bei ihr angeben kann. Zum Beispiel.

Andererseits könnte ich nun vielleicht wieder mehr schreiben, denn zum Schreiben braucht man Lücken – auf dem Papier ebenso wie im Herz und im Leben. Irgendwohin müssen die Geschichten ja auch, die brauchen Platz.

Aber vorher muss ich wohl wirklich mal die Küche aufräumen.

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Hitzschwitz

Also, eigentlich wollte ich ja in den letzten Tagen schon so einiges schreiben. Das liegt an der Hitze, die meine Kreativität anfeuert. Da war mindestens eine großartige Geschichte dabei, garantiert – ganz zu schweigen von einer Unmasse synapsenkitzelnder Bloggereien. Außerdem Romane, eine ganze Handvoll davon. Ihr hättet mal meine Version eines Sittendramas im viktorianischen England mit Außenbordmotoren erleben sollen.

Beklagenswert ist indes wie sehr das Wetter alle Versuche zur Umsetzung meiner Geistesblitze verhindert, solange ich mich dann überhaupt länger als eine halbe Minute an sie erinnern kann. Nun kommt mir nicht mit meinem kleinen schwarzen Notizbuch – allein um es aufzuschlagen bräuchte ich eine Menge Energie, die ich leider nicht erübrigen kann, weil sonst meine Atmung aussetzen könnte – oder das Gehirn, irgendetwas Wichtiges. Richtig gut kann ich an Schweinereien angenehmster Art denken, die aber in der Praxis viiiel zu schweißtreibend wären1.

Dabei wohne ich im Erdgeschoss eines mit großzügiger Mauerdicke gesegneten Altbaus und erfreue mich an Höchsttemperaturen von erträglichen 22°C. Trotzdem. Irgendetwie bewirkt die Hitze so etwas wie geistige Schnappatmung. Daraus entwickelt sich eine hässliche, schweißbegleitete Denkapnoe.

Schnrrrrrch. Chrrrrr… pfüüüüh.

  1. Wirklich? Hm. []

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Manchmal passieren Sachen, die mich aus meinem wohlgeübten Blog-takt bringen, die mich schocken und alles an Schreiberei sich so ausgesprochen fehl am Platz und sogar unmöglich anfühlen lässt:

“Hey Gorgmorg, du fühlst dich unmöglich an.” – das sagt man doch nicht seinem Weblog.

Und dann bleibt es hinten im Hühnerstall stehen und wird langsam zu etwas, das man lieber nicht mehr gern anfasst. Nicht, ohne zuvor ausgiebig mit dem Gartenschlauch abgespritz worden zu sein. Das kann schon in ein paar Tagen passieren.

Man musste mich sogar daran erinnern, dass ich eingerostet bin. Habe ja nichtmal mehr Blogs gelesen. 76 ungelesene Beiträge im Feedreader, das hätte es früher nicht gegeben. Unhaltbarer Zustand. Also, es geht weiter, ich habe es ja auch vermisst.

Ihr müsst mich nur etwas anschieben, dann macht der Anlasser den Rest. Die Bloggarie ist nämlich ziemlich leer.

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“Du meine Güte”, denkst du dir. “Ist ja erstaunlich, was ich mir so zusammenschreiben kann, wenn der Taumel der Emotionen gepaart mit extremem Schlafentzug zu wundersamer Einheit finden.”

Dann: “Lösch den ganzen Mist. Warst ja wirklich neben dir.”

Und dann hast du eine ganze Weile Zeit, durch sehr kalte und nasse Straßen zu wandern, bis du auch wirklich zuhause angekommen bist. Punkt Mitternacht, übrigens.

Und dann löscht du es nicht. Weil es wahr ist. Weil du das alles immer noch so siehst und genauso fühlst.

Und wem das nicht passt, nun, der kann sich ja ein anderes Blog zum lesen suchen. Hier gibt’s eben nur mich.

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Ich habe es geschafft, den kitschigsten meiner vielen kitschigen Beiträge nicht zu veröffentlichen. Es tut mir zwar in der Seele weh, ihn euch vorzuenthalten – aber… gleichzeitig gibt mir das willkommene Gelegenheit, mir eigene Qualitäten wie enorme Selbstbeherrschung und untrügliche Geschmackssicherheit hervorzuheben, die leider so häufig übersehen werden – kein Wunder bei meinem vollem Haupthaar, der einem griechischem Gott1 würdigen Brustmuskulatur oder den stahlblauen Augen. Außerdem rieche ich bekanntlich nach soeben erblühten Veilchen, wie sie nur im ostwestfälischen Hochgebirge vorkommen. Ich weiß nicht warum, aber es ist so.

Allerdings fehlt mir jetzt eine angemessene Möglichkeit, mich bei der darin vorkommenden Dame beliebt zu machen. Venusmuscheln wären eine Idee… aber was noch?

  1. nicht Dionysios! []

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Musen

Manche Leute haben eine Muse oder – wenn sie eine gewisse Maßlosigkeit an den Tag legen – sogar mehr als eine. Klassischerweise ist das eine hinreißende göttliche Frau in einer wallenden weißen Toga – die mir bekannte verzichtet weitgehend auf die Toga. (So weit ich weiß.) Ich hörte davon, dass es auch männliche Musen geben soll. Ich bin des weiteren sicher, dass man auch von einem charmanten und einsichtigen Hund den entscheidenden Funken erhalten kann, Katzen schaffen das schon durch demonstrative Zurschaustellung von Desinteresse außerhalb der Fütterungszeiten. Erstaunlich, wie die das hinbekommen.

Man sollte glauben, dass es das Schreiben erleichtet, wenn man in solcher Weise beschenkt wurde und genau so ist auch – wenn die Muse in irgendeiner Form herüberblinzelt, lächelt oder… nun, vielleicht auch bellt, dann geht es leicht von der Hand, die Zeilen sammeln sich fein untereinander und plötzlich ist das Notizbuch voll oder der Blogeintrag weit über 2000 Wörtern angelangt. So sind die, die Musen. Nicht kleinlich.

Wenn allerdings die Muse abwesend ist, schlecht auf einen zu sprechen, krank oder gar nicht in der Lage, herüberzublinzeln oder sich öfters zu melden, dann fällt es schwerer denn je, irgendetwas Sinnvolles zu schaffen. Nun, man kann schon etwasschreiben, aber dann muss man aufpassen, sie nicht in jeder Zeile einzubauen. Wenn sie nicht da ist und der Funken nicht kommt, dann schreibt man eben über sie und schämt sich berechtigterweise, wenn man sich später zwingt, das Soeben Verbrochene noch einmal anzuschauen. Das ist nicht besonders angenehm, das kann ich euch versichern und ich glaube, in solchen Momenten haben es die Leute ohne Muse einfacher.

Ich mag Musen trotzdem. Erst recht wenn sie gut küssen. Und besonders meine, auch wenn ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe.

(Bevor ich die Sache mit dem “von der Muse geküsst werden” auf auf Hunde und so weiter ausweiten muss, höre ich hier lieber auf und sende den Musen dieser Welt meine Grüße – vielleicht wisst ihr ja noch gar nicht, dass ihr eine ebensolche seid.)

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