Schule

Artikel mit dem Stichwort Schule.

Vor nicht langer Zeit war ich dazu verdonnert worden, ein Schulfest zu besuchen – ein Grundschulschulfest an einer Dorfgrundschule, um genauer zu sein. Ich bin zwar schon gelegenheitsalt und gelegenheitsweise, aber dennoch – Grundschulen bringen uralte, nur wenig verschüttete Erinnerungen und Vorbehalte mit, die jeden Besuch wieder bestätigt werden. Es sind nicht so sehr die Lehrer; es gibt solche und jene, wie immer. Nein.

Es ist die unheilige Atmosphäre.

Grundschulen existieren scheinbar in einer Zeitblase, die jegliche Änderungen verhindert. Alles ist gleich, bis hin zu den braunen Ledertaschen und der schrecklichen Frisur absolut jedes Mathelehrers.1

Alles ist wie es immer war. Der Tanz, ein Volkstanz, afrikanisch oder eine lokale Spezialität. Gut, der Sponsorenlauf, der ist fast schon irgendwie neu, muss aber auch seit vieeeelen Jahren unbedingt sein.

Der eine von halbmotivierten Eltern betriebene einzelne Grill für 200 extrem hungrige und quengelige Gäste, die genau wissen, dass sie eine gute Dreiviertelstunde auf ihr leicht verkohltes Futter warten werden – genau wie in ihrer eigenen Kindheit.

Das Glücksrad, welches Trillerpfeifen als Trostpreise herausgibt, die in der nächsten Stunde vom Kollegium eilig eingesammelt werden. War bei mir auch so. (“Das ist keine gute Idee. Machen wir nicht wieder.”)

Die unverständlichen Ansagen der Direktorin über die Sprechanlage, an die sich keiner hält.

Heulende Kinder. “Ich will nach Hauseeee!” Keine Sorge, ich auch.

Unmengen schrecklichster Backmischungskuchen, deren Position sich unter Herrscharen hochmotivierter Wespen als Fund des Wespenjahrhunderts herumgesprochen hat. Von den Eltern, die hier freiwillig helfen wollten, sind zwei erschienen.

Das Schulfest. Es lauert still und sammelt temporale Energie und es wird eines Tages unsere Sonne fressen.

Sagt bloss nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

  1. Tut mir leid, liebe Mathelehrer. Es ist nicht so, dass ihr alle dieselbe Frisur tragt, die Schrecken sind mannigfaltig, und nur in ihrer Schrecklichkeit vergleichbar. Meine Frisur, so man dieses Ding derartig bezeichnen will, ist sicher nicht viel besser… []

Schlagworte: , , ,

Spätpost

Nach guten 11 Stunden Arbeit ist es einfach nicht richtig, vor nachts um eins schlafen zu gehen. Ich bin todmüde, mag aber nicht einschlafen. Schon aus Prinzip. Immerhin habe ich morgen… heute… frei, da muss der vorherige Abend noch genutzt werden, um das zugegeben schreckliche Fernsehprogramm zu schauen.

Dabei kann ich etwas besser schreiben, weil ich mir so fast vorstellen kann, ich würde hier nicht allein herumsitzen und jemand wäre da, jemand dem ich meinen Kram vorlesen kann und ehrliche (aber liebevolle, bitte!) Kritik zurück bekomme.

So lange arbeite ich eigentlich nur, wenn ich in irgend einer Weile mit Schulen zu tun habe – der Sozialarbeiter im Jugendbereich ist in aller Regel eher nach der Schulzeit bis in den frühen Abend aktiv, Lehrer erwischt man allerdings nur außerhalb des Unterrichts und das heißt defintiv nicht zum Unterrichtsende, sondern mit etwas Glück während seltener Freistunden oder mit etwas Pech vor dem Unterrichtsbeginn. Vor acht Uhr. Ich habe heute nicht mehr viel gegen Lehrer auszusetzen – nicht im Ganzen, nur gegen einen Teil meiner Lehrer habe ich wohlbegründete Vorbehalte – ich habe nur etwas gegen ihre unerfreulich inkompatiblen Arbeitszeiten, die für unsereins “sehr früh anfangen, spät aufhören” bedeuten.

Nur diese eine Person im Sekretariat einer ungenannten Lehranstalt… gegen die könnte ich glatt ein paar negative Gefühle entwickeln.

Wenigstens schwindet langsam der Stapel Arbeit, der sich während meiner Krankheit angesammelt hat. Ich hasse es, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, nur weil ich wirklich krank gewesen bin und Sachen in meiner Verantwortung aus diesem Grund nicht erledigt wurden. Ich habe genug geschafft für diese Woche, nur noch dieser eine Termin steht aus, dann habe ich es geschafft.

Warum passiert nun nichts Wundervolles, wie ich es verdient habe? Das beste an diesem Tag , zwei tolle Einträge in den besten Blogs der Welt: Wundervoll genug.

Schlagworte: , ,

Verwachen

Ich wache unter der Woche meistens viel zu früh auf, manchmal sogar bevor der trötige Weckton meines iPod mich zum zu früh aufwachen zwingt. Niemals lasse ich mich von Musik wecken, weil ich dann immer noch nur bis zum Ende des Stückes liegen bleibe, wenn es Musik ist, die ich mag – wenn es Musik ist, die ich nicht mag, dann wäre das eine noch unschönere Alternative.
Kann man es überhaupt “verschlafen” nennen, wenn man die ganze Zeit wach ist, aber komplett bewegungslos bleibt und daher Gefahr läuft, viel zu spät zu kommen? Falls niemand etwas dagegen hat, werde ich hiermit – meine geneigte Leserschaft möge die Wichtigkeit des Augenblickes auf alle Ewigkeit im Gedächtnis behalten – den neuen Begriff verwachen einführen.
Die Situation hat sich jedenfalls überhaupt nicht entspannt, seitdem ich ein MacBook in Griffweite habe. Andererseits – sie hat sich tatsächlich sehr viel entspannender gestaltet und das Problem wird dadurch nicht einfacher zu lösen. Vor allem wenn man ständig an die Unwetterwarnung vom letzten Abend denken muss.

Brrrrr.

Allein die Vorstellung wälzt dich schonmal locker auf die andere Seite, für eine kleine Nachdöszeit. Das ist so ziemlich die zweitbeste Zeit, die man allein im Bett verbringen kann.

Es wundert also sicher niemanden, dass ich mich inzwischen gewohnheitsmäßig in 20 Minuten aus dem Bett schälen, rasieren1, duschen und mit einem fürchterlich spartanischen “Tee plus Weetabix plus Trockenpflaumen” – Frühstück ernähren sowie danach – im besten Fall einigermaßen gesellschaftsfähig bekleidet – ins Auto springen kann.

Heute musste ich um halb acht vor der Schule stehen. Zuschauen wie die Kinder eintreffen und solidarisch mit ihnen vor der Tür frieren. Niemand darf rein, ist zu laut – bis auf die Kinder der Eltern, die für Betreuung bezahlt haben. Die dürfen und ich hasse das. Als ob die Betreuungskinder (und es sind ihrer nicht wenige) weniger laut sind; eher im Gegenteil. Etwas Ärger macht auch etwas Wärme.
Ah, der verführerische Gedanke an noch einen von diesen heißen Tassen Tee von vor einer halben Stunde, die ich da noch so gedankenlos weggeschlürft habe, oder noch besser etwas Grog…Yeah! Ich phantasierte2 etwas und nickte dabei fast wieder ein. Da angenehme Gedanken an Betten3 oder Heißgetränke nicht die erwünschte Wirkung zeigten, musste ich mich beschäftigen, beispielsweise in dem ich versuchte, zittern, schlottern und zähneklappern zu unterdrücken oder doch zumindest so diskret zu gestalten, um sich vor den Kindern keine Blöße zu geben. Ein paar Augenblick schaffe ich es, doch dann denke ich unweigerlich an die Unwetterwarnung: Schnee, Matsch, Glatteis, Sturm.

Brrrr.

Als es langsam etwas heller wird, schlagen die Lichtsensoren auf dem Schulhof an und wir stehen plötzlich im Fastdunkeln. Die Kinder kreischen wie tausend heulende Höllenhunde und halten den Ton viele beeindruckende, aber schmerzhafte Sekunden. Wie immer.

Ok. Nun bin ich wach.

  1. Dabei vergesse ich immer irgendne Gesichtsecke []
  2. “Tagtraum” will nicht richtig klingen []
  3. An Gesellschaft im Bett dachte ich ja noch gar nicht, diese Art heißer Träume brächte mich sicher rasch zurück in Morpheus’ Arme und angenehmere Gefilde meiner Phantasie … na gut, ich dachte doch vielleicht einen Bruchteil einer Sekunde daran. []

Schlagworte: , , ,

Hilft kein Stück

Hilft kein Stück

Meine erste Woche als Teilzeitkinderbetreuer in einer Grundschule ist vorbei und ich lebe immer noch; zum großen Erstaunen meiner Kolleginnen – ich habe nur Kolleginnen – bin ich nicht einmal besonders gestresst; nur ein leichtes, hartnäckiges Klingeln im Ohr ist mir noch geblieben, wie nach einem viel zu lauten Konzert mit unbarmherzigen Alphornsoli direkt vor den Gehörgängen. Aber sonst geht’s – das gefällt einigen meiner Kolleginnen nicht, von denen die meisten Laien mit 400€ Stellen sind – ich bin ihnen “zu ruhig”. Warum eigentlich? Ich kriege die Bande auch so einigermaßen organisiert, gelegentlich brauche ich etwas länger bei denen, die sich unter “Gespräch” so etwas wie einen sportlich orientierten Schreiwettkampf mit den Betreuerinnen vorstellen – für die ist Anbrüllen so etwas wie ein pädagogisches Konzept.

Kein Wunder, die sind fast alle größer und stärker als ich und haben einen Tonfall wie ein brünstiger See-Elefant. Das beeindruckt Kinder die natürlich, die verständlicherweise ein Interesse am Erhalt ihres Gehörsinns haben und sich dann dazu entscheiden, die Klappe zu halten.

Also, mal davon abgesehen, dass man sich bei Meinungsverschiedenheiten scheinbar bevorzugt vor den Kindern ankeift, ist es durchaus nicht unangenehm. “Ihr beiden seid neu? Mein Name ist Gundel – die Gundel, die grade wegen euch gefeuert wurde! VIELEN DANK!” (Eine ganze Reihe glücklicher Grundschüler haben ihre Antennen ausgefahren und erkennen die Zwietracht in den Reihen der Unterdrücker, erkennen einen Moment zum Mal So Richtig Aufdrehen und beginnt, die neuesten Wrestling-Manöver auszuprobieren)- nein, sie wurde nicht gefeuert, was mich eigentlich wundert und nein, sie heißt nicht Gundel und nein, sie hat sich auch nicht entschuldigt.

Aber sonst …

Schlagworte: , , , ,

Wenn es an meiner alten Schule etwas zu fürchten gab, dann war das ein Termin beim Direktor. Das galt jedenfalls für die Unterstufe und Teile der Mittelstufe; darüber hinaus war den meisten ziemlich klar, wie viele Tadel man sich erlauben konnte und das ein Schulverweis höchst unwahrscheinlich war, egal was man sich erlaubte.

Trotzdem. Für mich war ein “Termin beim Direx” immer ein Graus. Allein die dröhnende Durchsage. “Denis Gorgmorg, bitte sofoarrrt zum Direktor. Dhankey.”1. Daher hatte ich auch nur zwei von diesen Audienzen; ich vermied Aufmerksamkeit: Einmal, weil ich im Unterricht ein Arbeitsblatt mit Matheaufgaben fachgerecht entsorgt hatte (in den Papierkorb, zum großen Missfallen der Lehrkraft allerdings weitgehend frei von gelösten Aufgaben. Ich war kein einfaches Kind.), das andere Mal, weil ich Religion abwählen wollte und das dem Herrn Direktor persönlich begründen sollte. Er Presbyter – was er immer wieder betonte – und stadtbekannt für seine Abneigung gegenüber Atheisten, Katholiken und tatsächlich auch den allermeisten andern Menschen, sogar denen mit “ev.” im Pass. Er war übrigens ebenso berüchtigt dafür, niemals Hitzefrei zu geben und bei entsprechenden Temperaturen nach Konsultation seines Thermometers sich immer gegen Unterrichtsausfälle zu entscheiden. Sein Thermometer befand sich sicher in seinem Schrank, unten im Erdgeschoss, weit weg von jeder Art von lästiger Sonneneinstrahlung; genau wie sein bleicher Herr.

Heute morgen hatte ich meinen dritten Termin beim Schuldirektor, einem anderen allerdings und an einer Grundschule. Ich war fast genauso nervös, wenn ich hier mal – so ganz unter uns – ehrlich sein kann. Aber hier saß nicht der gefürchtete kettenrauchende Vollbart im schwarzen Anzug und der donnernden Stimme, sondern ein freundlicher grauhaariger Herr im Pollunder, der “mich einfach nur mal kennenlernen wollte” – ich hatte erwartet, dass er mich einstellen wollte; es war ja erst der dritte Termin für diese Stelle. Es gibt widerlichen Kaffee, aber der Gedanke zählt ja. Ich freue mich darüber.

Ich hätte wohl gute Chancen auf einen Job, meinte er. Ich wäre dann der zweite Mann im Grundschulbereich, außer ihm selbst. Im ganzen Kreis. So etwas wolle ja niemand machen, ebenso wenig wie Schulleitung; da gäbe es auch viele Vakanzen.

Ich habe mir verkniffen zu sagen, dass dieses das allererste Gespräch nach vielen, vielen Bewerbungen im Schulbereich für mich war; in Jahren. Die haben mich nicht ein einziges Mal eingeladen. Dabei dachte ich, dass ich ganz gut qualifiziert wäre.

Dann warte ich mal auf den nächsten Termin …

  1. Die Dame, die die Durchsagen machte, hatte einen starken amerikanischen Akzent []

Schlagworte: ,

Tobraum

Heute morgen habe ich den sogenannten “Tobraum” an einer Grundschule erlebt, eine Art Gummikammer für frustrierte Schüler, damit sie vor dem Essen Dampf ablassen können und für die nächste halbe Stunde einigermaßen ruhig sitzen können.

Wenn man ein paar Wochen nichts mit Kindern in gehäuftem Auftreten zu tun hat, dann sind die ersten Minuten in so einer Räumlichkeit vergleichbar mit einem Tornado vor der Haustür oder hinter dem Auspuff eines Formel 1 Rennwagens in voller Fahrt.

Zum Glück gewöhnt man sich relativ schnell an den Lärm oder wird wahnsinnig; man leidet nicht sonderlich lange. Gut für mich, denn ich werde in so einen Bereich für die nächste Zeit mein Geld verdienen, wenn nicht etwas lästiges wie ein ungünstiger Meteoriteneinschlag meine Pläne durchkreuzt.

Vielleich bin ich wahnsinnig; wer weiß. Aber ich freue mich.

P.S.: Ich kenne ja schon eine Menge Schulen, aber ich habe noch nicht erlebt, dass wie an dieser hier quasi die Anwesenheit der Schüler per Stechkartenprinzip geregelt wird und auch die Abholung der Kinder durch die genau richtige Person ganz präzise sichergestellt wird. Ist das normal? (Zu meiner Zeit gabs sowas ja nicht, ne!)

Schlagworte: , ,

« Ältere Artikel

Switch to our mobile site