Schulterverletzung

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Meine Schulter tut mir seit einem eisbedingten Sturz gegen Weihnachten weh, erst recht nachdem ich dumm genug war, danach bowlen zu gehen. Verdammt noch mal. Am Ende schadet das meiner Karriere als vielversprechender Nachwuchsbowler. Am Ende kann ich meinen Job nicht mehr machen, wenn ich nicht mehr bowlen kann. Wie soll man sonst den Respekt der Jugend erlangen, wenn schon nicht mit einem stilecht erkugelten Strike?

Nun gut, ich habe mich untersuchen lassen, per Schall und per X-Ray-Todesstrahl, dem ich mannhaft widerstanden habe, die Bleischürze voll Vertrauen an ein höheres Wesen über den wichtigsten Stellen. Der wichtigsten Stelle, meine ich.

Ich habe eine gemeine Spritze mitten ins Gelenk bekommen – das hat der Herr Orthopäde gut gemacht, aber nun … spür ich sie wieder. Die alte Kriegsverletzung schmerzt.

Eigentlich genau das, was meine heimlichen Vorbilder hatten. Die ollen Detektive der Hardboiled-Schule waren fast alle Kriegveteranen1 Ich sehe da durchaus eine Zukunft in dieser Branche, die scheinbar Seiteneinsteiger freundlich aufnimmt.

Später in den Fernsehzeiten haben sich die beruflichen Anforderungen geändert – es gab jede Menge sogenannter – ha! – Detektive, die früher einmal eine Karriere als Profisportler vor sich hatten und dann… eine grausame Verletzung … eine plötzliche Änderung in der Biographie in Richtung Private Eye sowie vieler sentimentaler Besuche in Sportsbars, in denen man gelegentlich alte Photos von sich entdeckt.

- “Hey, der sieht ihnen aber ähnlich – da auf auf dem Bild von der Mannschaft von ’76″
- “Nein, das ist nur ein Irrtum.”
- “Doch, ich schwöre es – sie waren mal Profi! Sie sind wirklich, oder?”

Ein reuevoller Schatten huscht über das Gesicht des Privatermittlers.

- “Es war nur eine einzige Saison. Ich hatte einen verdammt guten Wurfarm, aber dann… ich rede nicht darüber.”
-”Mann, sie hatten mehr als das, sie waren echt ein Talent. Ich hab’ sie spielen sehn’!”
-”Lassen sie mich mit den alten Geschichten in Ruhe; ich will nur in Ruhe trinken und das Spiel sehen.”

So in etwa. Ich kann also beruhigt warten, bis meine Schulter wieder besser wird – es gibt noch eine Zukunft für mich. Zwar habe ich schon eine kleine, dafür aber erlesene Sammlung ausgesuchter Aloha-Hemden2 und hätte damit neben Naturlocken schon einen wichtigen Teil, um den Pfad Des Thomas Magnum zu wandern, aber ich denke, der Ferrari wäre so schwer zu erlangen wie der unerlässliche Schnäuzer.

Ich habe zwar keinen Weltkrieg vorzuweisen, dafür aber jede Menge halbwegs untragbarer Halbstarker in meiner Arbeit und noch dazu ein halbes Jahr im “Toberaum” in der Offenen Ganztagsbetreuung in einer Grundschule – das ist immerhin fast wie Kampferfahrung und mindestens genauso laut. Einen grauen Mantel besitze ich bereits, fehlt noch ein Hut.

Oder ich werde einfach wieder gesund. Ich gehe fast davon aus, dass das klappt.

Erst einmal schaue ich mir gleich einen Lehrfilm über unseren Gastdozenten Sherlock Holmes an. Für alle Fälle.


  1. Ich bin mir bei Sam Spade nicht so sicher, gehe aber davon aus. []
  2. Und nicht “Hawaii-Hemden”. Ich bitte euch. []

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