Sonne

Artikel mit dem Stichwort Sonne.

Landsitz

Einige von euch wussten es vielleicht noch nicht,aber diese Personen werden sicher ebenso wie die bereits Eingeweihten erfreut darüber sein, dass ich einen eigenen Landsitz besitze.

Er befindet sich auf dem Anwesen meiner Eltern und ich weigere mich, diesen feinen Ort – mit einer gepflegten Sicht auf den Himmel – einfach profan als Veranda oder Freisitz zu titulieren. Immerhin habe ich immer noch meinen Zweitwohnsitz hier und mir reicht es, anstelle meines alten Zimmers gelegentlich den Liegestuhl in Anspruch zu nehmen. Es sind ja oft die kleinen Privilegien, die über alle Maßen angenehm sind.

Nebenan liegt die Katze und schläft offiziell seit vielen Stunden; inoffiziell stehe ich unter strengster Beobachtung durch fast unsichtbar doch noch geöffnete Katzenlider. Ich sollte wohl meine Steuererklärung oder ein paar der noch ausstehenden Berichte machen, aber das ist dem Wetter gegenüber wirklich unangemessen, findet ihr nicht? Ich lese P.G. Wodehouse und lerne alle paar Absätze neue Vokabeln. Marrick, shiftless, vapid… Namen wie Cyril Baddington-Baddington, Lord Strathmorlick, Miss Braythwayt etwa oder Honoria Glossop

Außerdem überlege ich, ob ich vielleicht doch einen Kammerdiener wie Jeeves brauchen könnte. Eigentlich hätte ich genug Weisheit um mich herum, vor allem Weibliche. Ich frage die Katze, deren Ohren sich verdächtig oft argwöhnisch in meine Richtung drehen.

Die Katze gähnt.

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Sonnenstrahlen fallen von hinten auf ihre nackte Schulter und schimmern durch ihr langes, verwuscheltes Haar. Sie schaut mich an und ist still.

Ich frage sie, ob sie traurig ist, oder etwas in der Richtung.

Sie lächelt dieses ganz leichte Lächeln, das nur sie kann.

Und sie sagt:

“Ich schaue dich doch nicht traurig an. Ich schaue dich liebevoll an.”

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Manchmal, wenn der Tag gut war, dann kann man gar nicht sagen, warum eigentlich. Aber man muss es jedem mitteilen. Manchmal sogar per SMS, was ich ja eigentlich gar nicht so gern tue. Manchmal muss es eben sein.

Und sie fragen, was denn war und du denkst nach.

Dir fällt gar nichts Großartiges ein.

Vielleicht, dass die Sonne schien.

Der Wagen sprang an, obwohl du ihn tagelang nicht bewegt hast und du hast ihn sogar aus seinem Gefängnis aus wiedergefrorenem Schneematsch befreien können, mit Anlauf. Und mehr als einem Versuch.

Dass man einfach so spontan mit dir Kaffee trinken mochte.

Dass es dir egal ist, dass Ikea die verdammten Bücherstützen für dein antikes Regalsystem nicht mehr anbietet, das Regalsystem aber immer noch. Dir wird schon was einfallen und es gefällt dir, da eine Lösung zu finden.

Eine hevorragende Currywurst kann auch mal Sonne bringen, wenn es schon dunkel ist. Mit Wahlsoße “Feurig”. Es gibt nämlich in Bielefeld ganz edle Currywurstläden.

Und dann denkst du an jemanden und es sind gute Gedanken und vielleicht dachte sie auch an dich zurück. Sie ist nicht da, aber…

Und dann kommt Lost und du hast das Bier kaltgestellt.

Und dann weißt du… du kannst es nicht erklären.

Es ist okay, oder? Vielleicht geht es ja gut weiter. Morgen wird es anders sein, aber ich will versuchen, heute nicht zu vergessen, nicht gleich.

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Beim letzten Mal habe ich noch über das feine Sonnenwetter geschrieben, erinnert ihr euch?

Natürlich muss am Tag danach so ziemlich alles Denkbare schiefgehen, missverstanden werden, ausbleiben, scheitern, fehlinterpretiert werden, abkacken, unvorsehbare andere Verläufe nehmen, bizarr eskalieren, spurlos verschwinden oder den ersten Schritt auf einem langen Weg unglückseliger Vorkommnisse nehmen.

Ich glaube ja nicht ans Verfluchtsein. Das ist auch gut so, man bedenke nur das fürchterliche Melodrama, dass ein verfluchter Blogger erzeugen könnte – ein schwarzes Loch des Selbstmitleids, welches wohl größere Teile Ostwestfalens im Nu aufsaugen könnte – und dann wäre Bielefeld (und große Teile seiner Umgebung) wirklich nicht (länger) existent und alle gegenteiligen Behauptungen tatsächlich Teil einer Verschwörung. Gleichzeitig: Eine größere Gruppe von ‘Comedians’ verliert wertvollen Scherzrohstoff. Aber sich sollte wirklich vorsichtiger dabei sein, mich öffentlich zu freuen. Das ist gar nicht so einfach, schließlich kann ich mich ziemlich gut über winzige Erfreulichkeiten delektieren.

Manche Leute haben ein Talent zum Glücklichsein und zu einem ruhigen, zufriedenen Leben ohne großartige Dramen; Streits werden zivilisiert geregelt, man vertraut einander, niemand scheint ernsthaft verletzt zu werden, weder am Körper noch an der Seele. Und wenn wirklich etwas falsch läuft, dann wartet um die Ecke schon eine neue Gelegenheit.

Nun, mein Leben ist anders. Aber Mitleid verdiene ich nun auch nicht gerade; ich bin nur sehr müde.

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Ja! Es ist soweit: Ich kann wieder den Himmel sehen! Wer mich vielleicht etwas genauer kennt, weiß vielleicht auch, dass ich an einem bewaldeten Hügel wohne, an dem sich die Wolken vorzugsweise ein Weilchen länger aufhalten. Sich zusammenballen und einen Plausch mit ein paar Tässchen Tee halten, dazu ein paar leckere Kekse und schon ist der Auflauf komplett, der für Stunden, Tage und Wochen kein bisschen an Transparenz gewinnt: Ich habe den unbewölkten Himmel schon seit Wochen nicht mehr für mehr als ein paar Minuten gesehen.

Jetzt ist der Frost da. Jetzt bekomme ich wieder LICHT. Na endlich. Der Nachteil des Frostes für mich persönlich ist eher, dass dieses Haus bald aus gutem Grund neu isoliert werden muss: Es zieht. Bei entsprechend kaltem, beständigem Wind kann ich den Luftzug auf der Haut meines Antlitzes spüren. Zwar bin ich nun entschiedener motiviert und besser gelaunt als zuvor, dennoch lange ich früher als üblich im Bett, dick in Decken eingewickelt und mit einem warmen Notebook auf dem Schoss, um weit hergeholte Geschichten zu schreiben.

Trotzdem. Gut, dass die Tage der atmosphärischen Erbsensuppe für eine Weile vorbei sind.

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