Streit

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Alte Sachen

Vor einer Stunde hat sich meine alte Mitbewohnerin bei mir gemeldet, über den Gorgmorg-O-Chat nämlich. Ob die alte Zickerei beigelegt wäre. So klein war die Zickerei nicht. Ich würde sogar sagen, es war ein ausgewachsener Streit über ein paar gar nicht winzige Grundsätze; immerhin war ich danach ausgezogen und hatte seitdem keinen besonderen Wert auf irgendwelchen Kontakt gelegt.

Nicht dass es ihr anders ging. Ich war Luft für sie. Genauer gesagt, eine Schneise in den man tödliche Blicke abfeuern konnte. Da stand ja niemand Wichtiges.

Nicht, dass ich besonderen Wert auf Gespräche gelegt hätte.

Es brodelte in mir. Ein paar Minuten starrte ich auf die Zeile und hoffte, dass sie einfach wieder verschwinden würde. Ich glaube nicht daran, dass Zeit alle Wunden heilt. Wenn dem so wäre, hätte ich weniger Narben überall auf Herz und Seele und wäre vermutlich ein noch viel schlechterer Mensch. Mit der Zeit sterben nur irgendwann die Beteiligten und der Rest nimmt die Sache nicht mehr so schwer, so sehe ich das.

Aber dann… dachte ich, “hey, sei kein Arschloch, Denis. Was solls.” Dann tippte ich:

“Hallo.”

Und dann ging es doch ganz gut, wie ein uraltes Getriebe, dessen rostige Zahnräder erst einmal mit viel gutem Willen wieder geölt und mit einiger Kraft wieder zum Laufen gebracht werden müssen. Es knirscht, aber es geht langsam besser. Man ist ja auch etwas neugierig.

Komischerweise fühle ich mich jetzt irgendwie erleichtert.

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Wut und.

Ich dachte eigentlich, ich würde längere Zeit nicht mehr schreiben, weil das einen verdammt schlechten Beigeschmack bekommen hat, überhaupt über mich zu schreiben. Aber nun tue ich es doch.

Wenn man mit jemanden in Streit gerät, ganz egal aus welchem Grund und jeder einen Fehler nach dem anderen macht und ein Wort dem nächsten folgt und die Wunden immer tiefer werden, am besten noch in einer Art Papierkrieg, dann ist das schrecklich. Man redet nicht mehr miteinander; man glaubt dem anderen ja sowieso nichts mehr. Man wirft sich immer neue Sachen vor und am Ende – am Ende – antwortet man gar nicht mehr und wird nur noch wütender und verletzter und verletzender.

Und dann kommt das letzte Telefonat, das letzte Treffen, die letzte Mail und das letzte Telefonat und vielleicht Tränen und noch mehr Wut und Trauer und es tut einem leid, aber dann ist es zu spät und alles ist gesagt und du resignierst.

Und wenn Wut und Trauer und das, was man für Hass hielt endlich vergehen, dann kommt die Kälte. Und wenn die Kälte vergeht, dann kommt spürt man die Wunde und so bleibt es dann.

Und es tut einem immer noch leid.

Und man denkt: Wenn man sich sehr streiten kann und man sich so sehr in einander verbeisst, dann wäre es doch wert gewesen, sich einfach in die Arme zu nehmen und sich zu vergeben. Sich zu vergeben und einander zu vergeben. Der Verlust ist so groß und du kannst nichts tun. Du würdest so gern etwas tun. Bitte – irgendetwas das hilft. Aber da ist nichts mehr.

Es ist schon so spät.

Ich muss plötzlich an ihre Stimme denken.

Wie konnte es nur so weit kommen?

Die Tür bleibt offen. Nur angelehnt.

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