Seit langem mal wieder zur Tinnitusparty, es ist fast schon zu leer als ich eintreffe, gegen eins. Aber das ändert sich bald.
Es ist wichtig welche Musik in dem Moment läuft, entweder hast du dann gleich gute Laune oder wirst skeptisch oder im schlimmsten Fall knurrig. Ich und der DJ haben Glück, es ist etwas schwingendes aus England, ich bin zufrieden.
Keiner da, den ich kenne. Ich hole mir einen Kaffee, wie immer, aber heute ist der trotz seines gewohnt fürchterlichen Geschmacks absolut angebracht, es ist nämlich saukalt geworden.
Die ersten Bekannten laufen auf, man begrüßt sich und trennt sich dann wieder, der Laden ist klein genug um sich später wiederzufinden. Ich mag die großen Tanzschuppen nicht, die sind so riesig und steril und man kennt so wenig Leute, dass man sich kaum noch an der Theke zuprostet.
Meine Freunde sind da. Mir geht es eigentlich bescheiden, aber ich fühle mich gelöst, ein guter Abend. Wir wippen etwas und schimpfen über die chaotische Musikauswahl und die kunstlosen Ausblendereien des Musikquetschers hinter den Turntables.
Ich tanze trotzdem und dann geht es wieder, ich bin gar nicht mehr verkrampft. Wenn die Musik schnell ist und ich den Takt finde, dann schlägt das Herz flotter und man spürt die scharfkantigen Löcher darin nicht mehr so sehr. Wenn man die Augen nur etwas schließt und durch den Spalt in die Menge peilt, dann kann man fast fühlen, dass sie dabei sind, direkt hinter dir; die Leute, die nicht da sind, an die du denkst und es tut jetzt einfach nicht mehr weh, für den Moment, nicht mal wenn du dich an sie denkst; sie, an die du immer denkst.
Du kennst das schönste Mädchen vor Ort und du siehst sie am anderen Ende der Tanzfläche, gedankenverloren, ihre Haare fliegen. Sie funkelt quer durch die Menge zu dir herüber, als sie zu bemerken scheint.
Du funkelst zurück.
Alles ist in Ordnung, in diesem Moment. Du musst weitertanzen.
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