Seit ein paar Wochen haben mich Tauben geweckt, die kleinen Türkentauben, um es genau zu sagen. Es waren drei von ihnen; um halb sechs begannen sie mit einem Gurrkonzert, welches die Nachtruhe pünktlich und definitiv beendete.
Tauben können mächtig laut werden, wenn sie sich im Baum vor deinem Schlafzimmerfenster ansiedeln, das kann ich euch sagen.
Die ersten Wochen des Sommers verbrachte das Trio zusammen. Sie hielten sich im Garten auf, in den Gebüschen und auf den Gewächshaus nebenan. Da ist auch ein Teich, an dem sie morgens ihren ersten Drink genommen haben.
Vor einer guten Woche haben zwei von ihnen mit dem Nestbau begonnen, im Holunderbusch gegenüber. Das erhöhte den Geräuschpegel merklich – kein Wunder, sie gehören schließlich zur Gattung der Turteltauben und da ist turteln ihr gutes Recht.
Die dritte Taube war ab dann immer allein. Sie kam näher zu den Häusern und setzte sich gern auf meinen Balkon, egal ob ich auch gerade dort war. Sie schaute mich nur gelegentlich an. Ach, du auch hier? Mir doch egal.
Sie sah struppig aus.
Manchmal kühlte sie sich die Füße in einer Pfütze auf dem Hof. Sie konnte da stundenlang sitzen.
Heute Mittag lag sie tot an der Treppe.
Eine Krankheit vielleicht, oder gebrochenes Herz. Wer weiß das schon.


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