Das Federschwanz-Spitzenhörnchen sieht eigentlich lieb aus.
Ich habe heute im Radio gehört, das Trinken eigentlich komplett natürlich ist. Jedenfalls dann, wenn man zufällig ein Federschwanz-Spitzenhörnchen1 ist. Diese pelzigen Freunde trinken täglich und das ganze Jahr über den Gegenwert von zwölf Gläsern Wein an vergorenen Pflanzensäften. Sie werden nicht besoffen, dafür werden aber “positive psychologische Effekte”2 vermutet.
Soso.
Gewohnheitsmäßiger Suff macht die Hörnchen – “mit Primaten verwandt”, als ob wir das nicht schon längst gewusst hätten – also netter und sozial angenehmer. Das gilt nicht bei allen Menschen und erst recht nicht bei meinen durchweg angenehmen Lesern, die nur dann und wann zur Aufmunterung und aus medizinischen Gründe die eine oder andere Kiste Bier leeren. Hörnchen hingegen…
Außerdem: Vielleicht bekommen Menschen durch eine solche Lebensweise auch einen Federschwanz?
Darüber sollte man mal mit einem Glas vergorenen Nektars der Bertam-Palme nachdenken.
Alle Federschwanz-Spitzenhörnchen seien ausführlich gegrüßt [↩]
Ich in inzwischen fast davon überzeugt, dass Missgeschicke und Unglücke in aller Regel keine Einzelgänger sind, ich glaube vielmehr, dass sie zumindest als Pärchen auftreten, damit sie auch genügend Aufmerksamkeit und gesteigerte Wirkung erzeugen.
Nehmen wir zum Beispiel das Ruhrgebiet: Zuerst die Love Parade und eine Woche darauf Sintflut1. Ist das fair? Ich würde sagen: Nein.
Oder den Geburtstag einer Bekannten. Eigentlich sollte ich ihr – als Besitzer eines zerbeulten Kraftfahrzeugs – anstelle eines Geschenkes beim Einkaufen von Bier helfen.
Aber sie war zu unpässlich.
Unpässlichkeit ist bei ihr kein seltener Zustand und so fragte ich sie am Freitag – man könnte sich die Frage stellen, ob eher der Planet oder Bekannte schwankte, ich aber tendiere zur letzterem – ob sie sich den in der Lage sähe, am folgenden Tag ihren Geburtstag zu feiern.
Natüüüürlich …
… war sie am Samstag unpässlich und verbrachte ihren Ehrentag – wohl sogar allein – im Bett.
Das hat irgendwie auch schon wieder Stil.
Ich hoffe, ihr habt es trocken. Wir warten immer noch auf Regen. [↩]
Ich weiss, ich weiss – so eine tolle Geschichten wie die Badezusatzoperette bekomme ich in dieser überaus nervigen Woche nicht mehr hin. Aber ein paar Sachen müssen einfach raus. Diese sind es:
Warum kann ich mein O2-Supervertragshandy als Onlinekunde (!) nicht im O2-Laden zur Reparatur einschicken lassen, ohne vorher meine Rechnung vorzulegen? Sie haben ja vorher sowieso meinen Namen und meine Nummer und meine Daten abgefragt – da steht auch drin, welches Handy – inklusive Seriennummer übrigens – ich habe? Oh doch, steht da drin. Die – für Onlinekunden so gar nicht kostenlose- Hotline hat mir das nämlich verraten. Die wollten dann auch keine Rechnung. Aber sie liefern natürlich auch kein Ersatzgerät für die Dauer der Reparatur. Grrrr… ich habe viele Geschichten über die Zweiklassengesellschaft der Ladenkunden und Onlinebesteller gehört, sie aber nicht glauben wollen. Selber schuld, Denis.
Warum hat denn die eine ordnungsfimmelige blonde Mami bei “Frauentausch”1 laut Script eine Voodoopuppe im Bett ihrer Leihkinder verstecken müssen? Und vor allem, wer soll das glauben? Vielleicht sehe ich zu wenig fern und muss mich anpassen. Vielleicht aber auch nicht.
Ich esse und koche bekanntlich sehr gern, aber es macht alleine einfach keinen Spass. Genauso wie Kino. Der Film ist derselbe, aber Kino muss ein Tempelbesuch sein. Essen gehen oder gemeinsam kochen muss ein heiliger Ritus sein. Ein ordentliches Besäufnis muss ein Kreuzzug gegen jedwedes Unrecht sein. Sonst wirkt das alles einfach nicht so richtig, oder?
ich habs nicht absichtlich reingeschaut! Ich schwörs! Die 20 Sekunden haben gereicht! [↩]
Als ich klein war, habe ich natürlich keinen Alkohol bekommen. Meine Eltern und meine Großeltern waren sehr verantwortungsbewusst. Allerdings war man sich damals in einem Punkt uneins: Mein Opa war sich im Gegensatz zu meinen Eltern sicher, dass die Schaumkrone auf dem guten Herforder/Barre Pilsener völlig alkoholfrei war und bot es mir zum “‘runtertrinken” an. Ich persönlich fand das eklig, aber ein paar Male war ich doch neugierig. Schmeckte ziemlich bitter, aber den Schaum fand ich lustig. Einmal habe ich kurz Kontakt mit Bier bekommen, das reichte dann aus, um mich bis ungefähr in die fünfte oder sechste Klasse hinein zum Abstinenzler zu machen. War das widerlich! Ich bin gleich ins Bad gestürmt. Den Mund ausspülen.
Ich war damals schon ein fürchterliches Weichei, nur hatte ich zu dem Zeitpunkt noch engelshaft hellblonde Locken, derer ich mich bald aus gutem Grund entledigen würde. Aber das ist eine andere Geschichte.
Dann kam ich auf das Gymnasium und wenn man auch ohne engelsgleiche Locken uncool ist, dann wird man auch nicht beeindruckender, wenn man nicht raucht oder trinkt, dafür aber eine beunruhigende Vorliebe für Fantasy hat. Raucher fand ich bescheuert. Dieses Posieren mit ihren ach-so-verbotenen Glimmstengeln! Das waren übrigens genau dieselben Leute, die später ihre bereits erstaunliche Lächerlichkeit mit ihren ach-so-verbotenen Joints perfektionierten.
Ich wohnte auf dem Dorf und das bedeutet, dass ab einem bestimmten Alter 99% aller Freizeitaktivitäten mit dem Suff zu tun hatten. Ich wollte irgendwann auch Freizeitaktivitäten haben.
Eines Tages hatte ich so richtig Durst. Und ich wagte es. Ich ging zu meinen Eltern und sagte die legendären Worte, Worte, die meine Zukunft für immer in schicksalhafte, dunkle Wege leiteten: “Ich hätte lieber ein Bier, bitte.”
Und es war gut.
Dummerweise machen Menschen Fehler. Der Fehler einiger Leute aus meiner Klasse war, mich kurz darauf tatsächlich auf eine Party einzuladen. Mich, den ambitionierten Amateur. Sie hatten Alkohol. Und waren bereit, ich abzufüllen. Rechneten nicht mit meinem wenig trainierten Magen. Ich war vielleicht ein wenig ungelenk und musste etwas … spucken. Todesstrahlen1. In etwa dürfen geneigte Leser sich das so vorstellen:
Meine ersten Opfer waren zwei Überlebende aus den 70ern. Ein grün-geringelter Teppich und eine unglücklich in der Gefahrenzone platzierte Mix-Kassette mit Songs von Jimi Hendrix. Das Geburstagskind hatte diese Kassette geliebt und begann – ganz allmählich – grundlegend neue und andere Empfindungen für meine Wenigkeit zu entwickeln.
Aber es kam schlimmer. Viel schlimmer. Ich trink nun erstmal ein kleines Detmolder Landbier und mag nicht mehr schreiben. Schaltet morgen wieder ein, wenn ich mehr berichte. Wenn ihr euch traut.
Ich habe ja mal versprochen, nichts zu ekliges zu berichten [↩]
Eines ist ja wohl mal ganz klar: Etwas muss passieren. Die letzen paar Woche, nein, die letzten paar Monate waren – von ein paar funkelnden Lichtblicken mal abgesehen – doch unter dem Strich eher unerfreulich. Wenn das noch lange so weitergeht, werde ich noch Auflösungserscheinungen zeigen. Falten. Depression. Kernschmelze. Erhebliches Unwohlsein. Fortschreitende Kompostierung. Unerquicklichkeit der schlimmsten Sorte.
Natürlich tritt das nur ein, wenn ich keine Gegenmaßnahmen ergreife, versteht sich. Die richtigen Maßnahmen.
Wenn man sowieso schon weiss, was einen kaputtmacht, ist Psychoanalyse nicht notwendig; ein, zwei Jahre Zeit hätte ich sowieso nicht. Also werde ich meinen eigenen Ansatz verfolgen, der nicht nur absolut wirksam ist, sondern auch noch Spass macht.
Allerdings gibt es diese besondere Therapie noch nicht auf Rezept.
Was ich brauche, ist Zeit mit Spezialmenschen auf angenehmste Weise. Konversation, Film1, reichlich Essen und Trinken, bittesehrundherzlichendank. Es sollte alles sehr gut sein. Etwas, an das man sich erinnern wird. Dann werde ich Wochen und Monate davon zehren können und lange nicht so schnell traurig, verzweifelt, faul oder unleidlich.
Ich kann dann sogar besser schlafen und morgen früher aufstehen. Nicht am Morgen direkt danach, natürlich. Aber sonst schon.
Der einzige Nachteil dieser großartigen Therapie ist die Tatsache, das wir sie selbst bezahlen müssen. Aber auch da hilft eine kleine Einstellungsänderung: Denkt nicht „Fressen und Saufen mit meinen Freunden“. Denkt „Gesunde Seele“. Bald erkennt die Krankenkasse das auch an und ihr könnt eure Exzesse auf Schein bekommen. Sogar als Kassenpatient.
Wellness kann auch mal auf angenehme und stillvolle Weise funktionieren, geneigte Leser. Nun müssten die verschreibungspflichtigen Spezial- und insbeondere Lieblingsmenschen erst einmal Zeit haben.
Eben war ich im Laden für italienische Spezialitäten, auf der Suche nach Wein. Mein Vater war mit mir dort, er ist dort inzwischen ein gern gesehener Kunde. Überrascht mich kein Stück, denn natürlich ist er genau wie ich einer der leicht verführbaren Menschen, die in aller Regel mindestens doppelt so viel Geld in Geschäften dieser Art lassen, als eigentlich geplant und vertretbar wäre. An sich sollte es nur etwas Bardolino werden. Ah, aber dann… noch den Sizilianer, diesen Primitivo hier… den Grappa hier, den müsst ihr probieren… und den Schafskäse hier! Ah, die Anchovis, gar nicht so wie das billige Zeug auf den Pizzen! Großartig! Und dann dieser Weißwein! Wie, ihr kauft den kalifornischen Chardonnay? Für 2,50? Warum denn?! Dieser hier, den importiert Papa immer selbst, der kostet 2,80 – ich sagen, 2,50 und du kommst wieder und sagst mir dass der kalifornische genauso gut ist. Ja, den kann man auch gekühlt trinken. Hier, mal einen Lieblichen? Und dann dieser Schinken, so günstig bekommen wir den sicher nicht mehr rein… ah, diese kleinen Knabbereien, meine Kinder lieben sie…”
Und so weiter und so weiter. Ein Familienbetrieb und die gesamte Belegschaft ist unfassbar begeistert vom eigenen Angebot, von dem sie scheinbar ein gutes Drittel aus puren Sendungsbewusstsein an die Kundschaft verfüttern. Nicht das ich ihre Überzeugung nicht nachvollziehen kann. Ich bereue keine von all den Ausgaben1 , das Zeug ist immerhin auch wirklich gut. Und: Ich habe das auch nicht alles bezahlt. Ha! Zum Glück musste ich auch nicht mehr fahren. Ich fürchte, ich bin in solchen Sachen ganz nach der väterlichen Seite geschlagen. Was Essen und Trinken angeht, bin ich bestechlich.
Andere Neuigkeiten: Ich habe zwei tolle Sessel bestellt, ein Sonderangebot. Die Sorte wollte ich immer schon haben. Ab Dezember kann probegesessen werden. Hurra!
Naja, vielleicht wenn ich die Kontoauszüge hole. [↩]
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