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Es gibt ein paar gute Gründe, warum ich nicht nebenbei noch ein Tumblr Blog habe und warum ich meinen Twitter Account zumindest vorerst in Rente geschickt habe. Beide sind in etwa vergleichbar mit den Statusnachrichten in Facebook, StudiVZ oder ähnlichen Social Networks, nur kann man noch etwas mehr Informationen unterbringen, Bilder und Links einbauen und auch noch kommentieren – Microblogging nennen das manche Leute.

Ah, ich wollte über Gründe reden, warum ich da ganz uncharakteristisch nicht mitspielen mag. Mittels dieser Dienste wird der Weg der Idee vom Gehirn über die Tastatur ins Netz wird immer kürzer. Keine Überschriften für Beiträge, die eh viel zu viel Zeit einfordern; notfalls geht feuert man die nächsten Einträge auch vom Handy aus ab. Manchmal ist so etwas sicher sehr hilfreich, Ideen sind möglicherweise frischer und authentischer im Netz, wenn man nicht lange Vorarbeit leisten muss, die man für einen wirklich guten Weblogeintrag durchaus hin und wieder benötigt1: Korrekturlesen, Formulierungen in die richtige Position hämmern und so weiter. Ich selbst gebe zu, dass ich manchmal recht froh über das etwas umständliche Handling von Beiträgen hier in WordPress habe – oft schon war ich ganz froh, eine Idee nicht hier verwendet zu haben und brachte sie später in einer Geschichte unter. In einem Blog neigt man dazu, gute Ideen zu verheizen – und in superschnellen Microblogs erst recht. Idee gehabt, klick. Weg.

Microblogs machen es leichter, in Dialog zu kommen. Kontakt mit Freunden halten, die auch Microblogs haben. Beim selben Anbieter, versteht sich. Aber man ist nicht mehr Kommentator und Autor, sondern Microblogger und Microblogger. Web 2.0 in Vollendung, man agiert auf einer Ebene.

Aber.

Vielleicht sollte man sich zwei Fragen stellen:

  1. Wer soll das lesen? Wer interessiert sich dafür, ob man gleich zum Friseur geht? Ob man gleich schlafen geht? Oder für den Kommentar zur neu angeschafften Kommode eines anderen Twitters? Wenn so ein Haufen befreundeter Leute erstmal in Schwung ist, kann man als Außenstehender kaum noch folgen, ohne die Beiträge einer ganzen Herde von mitteilungsfreudigen Nerds und Geeks gelesen zu haben.
  2. Wenn es nur noch darum geht, einen Zettelkasten von Ideen und Multimedia zu sammeln- warum soll man das veröffentlichen, ohne am Ende wenigstens noch die vielbesungene eigene Note daranzuhängen? Virtueller Exhibitionismus allein ist kein kreativer Akt und würde zumindest mich nicht motivieren.

Ich denke, für mich ist das nichts. Es geht mir nicht um pure Information, es geht mir auch nicht um pure Trivialität – es geht für mich in einem Weblog darum, sich seine eigene Vergangenheit zu schaffen2. Das ist unser Job. Wir erleben und sehen vielleicht alle ähnliche Dinge; vielleicht gibt es kaum etwas originelles und am Ende haben doch die allermeisten Blogger ein ganz durchschnittliches Leben, über das vielleicht gar nichts Neues zu erzählen sein könnte – ein typisches Argument gegen das Webloggen: Das haben andere schon gemacht. Stimmt aber nicht; die anderen sind nicht Du. Wenn das so wäre, gäbe es nur ein einziges Lied über unerfüllte Liebe und alle späteren wären nicht mehr relevant.

Im der Neigung zu immer knapperen und hastigeren Veröffentlichungen auf immer weiter rudimentären und weniger persönlich gestalteten Webplattformen könnte eben dieser persönliche Faktor immer weiter verloren gehen. Gleichzeitig sehe ich einen Trend zu für “Außenstehende” immer schwerer zugänglichen Blogs voller White Noise in Textform. Im Grunde verlagert sich in dieser Form die Konversation per Instant Messenger3 ins WWW, für alle sichtbar. Das bedeutet: Bla bla bla.

Man pumpt immer mehr Text ins WWW und sagt immer weniger.

  1. Ihr begnadeten Leute, die ihr direkt nach dem Aufstehen einen perfekten Mini-Roman in Minuten veröffentlicht, ignoriert diesen Satz bitte – hier lesen auch noch ganz normale Menschen mit. So wie ich. []
  2. Die Formulierung habe ich mal im feinen Hermetischen Café gelesen, leider finde ich den Beitrag nicht mehr. []
  3. ICQ, MSN und so weiter []

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